Stand: 24.11.2016 15:44 Uhr

Landesmuseum untersucht Geschichte der Freimaurer

von Oliver Gressieker

Die Liste der Vorurteile gegen die Freimaurer ist lang: In den Augen vieler Außenstehender gelten sie als mysteriöse Bruderschaften, die dunkle Messen abhalten. Wegen der geheimen Rituale und der Verschwiegenheitspflicht der Mitglieder ist oft sogar von Geheimbünden die Rede. Was jedoch wirklich hinter den Mauern ihrer Logenhäuser geschieht, weiß kein Außenstehender so ganz genau. Umso bemerkenswerter ist es, dass das Ostfriesische Landesmuseum in Emden jetzt in einer Sonderausstellung versucht, etwas Licht in die Rituale der Freimaurerei zu bringen. Unter dem Titel "Geheimbünde? - Freimaurer in Ostfriesland" präsentiert das Museum bis zum 23. April 2017 erstmals einen Tempel der ostfriesischen Freimaurer-Logen samt Werkzeugen und weiteren Originalgegenständen. Außerdem wird anhand von Bildern, Dokumenten und Biografien einiger Mitglieder umfangreich die Geschichte der vier ostfriesischen Logen dokumentiert.

Einblick in die Rituale der Freimaurer

Ausstellung lüftet nicht alle Geheimnisse

"Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit den ostfriesischen Freimaurern entstanden", sagte Diethelm Kranz vom Landesmuseum im Gespräch mit NDR.de. "Wir geben viele Einblicke, aber können natürlich nicht alles offenlegen. Bestimmte Rituale bleiben selbstverständlich geheim." Nach Auskunft von Kurator Aiko Schmidt bezieht sich die Geheimhaltung vor allem auf die sogenannte Tempelarbeit, die rituelle Versammlung der Freimaurer und die Hierarchien in den Logen. "Es ist zum Beispiel unbekannt, wie man sich vom Lehrling zum Meister entwickelt", so Schmidt. "Auch wir haben gewisse Geheimnisse bei der Vorbereitung der Ausstellung nicht lüften können."

Tempel als zentrales Symbol der Freimaurer

Im Mittelpunkt der Schau steht ein Nachbau des Tempels Salomon, der nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet ist. "Er ist mit originalen Stücken ostfriesischer Logen ausgestattet und sehr speziell", erläutert Kurator Schmidt. Ein markanter Punkt an der Ostseite des Tempels ist eine Art Thron mit den Zunftzeichen Zirkel und Winkel, der dem Vorsitzenden der Loge, dem "Meister vom Stuhl", vorbehalten ist. Dieser leitet die freimaurerischen Arbeiten und beruft diese ein.

Viele bekannte Mitglieder

Bild vergrößern
Wolfgang Amadeus Mozart gehört zu den berühmtesten Mitgliedern der Freimaurer.

Ihren Ursprung haben die Freimaurer in Großbritannien. Vor 300 Jahren wurde in London die erste Loge gegründet. 1723 verabschiedeten deren Mitglieder die freimaurerische Verfassung, an der sich die Logen weltweit bis heute orientieren. In Deutschland entstand die erste Gemeinschaft 1737 in Hamburg, 1763 folgte in Emden die erste ostfriesische Loge mit dem Namen "Pax et Concordia" (Friede und Harmonie). Die Logen orientieren sich an den Strukturen der mittelalterlichen Dombauhütten mit ihren Meistern, Gesellen und Lehrlingen. Diese lebten während der Bauzeit der Dome oft jahrzehntelang zusammen und entwickelten in dieser Zeit Regeln für das gemeinsame Leben. Dabei verpflichteten sie sich unter anderem dazu, über die Geheimnisse ihrer Baukunst zu schweigen. Nicht geheim geblieben ist, dass viele berühmte Persönlichkeiten Freimauerer waren: Zu den bekanntesten gehören Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, der preußische König Friedrich II. und der erste US-Präsident George Washington.

Politik und Religion spielen keine Rolle

Die Logen der Freimaurer sind ethische Bünde, die nach eigenen Angaben für Werte wie Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit und Toleranz stehen. Ganz wichtig ist ihnen die politische und religiöse Unabhängigkeit: Konfessionelle Diskussionen sind bei den wöchentlichen Treffen untersagt, außerdem sollen Titel, Ränge und das Vermögen der Mitglieder in der Gemeinschaft keine Rolle spielen. Ein zentraler Punkt in den Logen ist die "Arbeit am rauen Stein". Sie besteht darin, an sich selbst und seinem Charakter zu feilen, um im Laufe des Lebens dem Ziel nahe zu kommen, das die Freimaurer als "Tempel der Humanität" bezeichnen. Die Rituale, die dazu im Tempel vollzogen werden, sind geheim und nur den Mitgliedern vorbehalten.

Mehr als 15.000 Freimaurer in Deutschland

Auch heute sind die Freimaurer noch an vielen Orten aktiv. Weltweit haben sie rund fünf Millionen Mitglieder, den größten Anteil stellen die USA mit 1,8 Millionen. In Deutschland, wo während der nationalsozialitischen Herrschaft alle Freimaurer-Gemeinschaften aufgelöst wurden, gibt es insgesamt 485 Logen, denen 15.300 Personen angehören. Die Logen in Emden, Leer und Norden, um die es in der Ausstellung geht, unterstehen der Großloge der "Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland", die Auricher Loge gehört der "Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland" an. Auch wenn gewisse Rituale und die Namen der Mitglieder weiter ein Geheimnis bleiben, setzen die Logen mittlerweile verstärkt auf Transparenz. So haben sie zum Beispiel eigene Internet-Seiten, auf denen sie die Grundsätze der Freimaurerei erklären und mit Vorurteilen aufräumen. Interessenten haben zudem die Möglichkeit, an Gästeabenden teilzunehmen, um mehr über die Gemeinschaft zu erfahren und dieser eventuell sogar beizutreten. "Freimaurer sind keine Geheimbünde, sondern ganz öffentlich", sagt daher auch Kurator Aiko Schmidt mit Blick auf den Titel der Emder Ausstellung. "Ihre Ziele sind bekannt und dienen der Optimierung des menschlichen Zusammenlebens."

Landesmuseum untersucht Geschichte der Freimaurer

Das Landesmuseum in Emden zeigt bis zum 23. April eine Sonderausstellung über die Freimaurerei in Ostfriesland. Allerdings werden nicht alle Geheimnisse der Logen gelüftet.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Ostfriesisches Landesmuseum
Brückstr. 1
26725  Emden
E-Mail:
landesmuseum@emden.de
Preis:
8 Euro (ermäßigt: 4 Euro), Kinder bis 15 Jahre frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 22.11.2016 | 19:20 Uhr

Mehr Kultur

06:21 min

Nauras Jazzanthologie: E wie Ellington

30.05.2017 09:20 Uhr
NDR Kultur
04:06 min

Nauras Jazzanthologie: D wie Miles Davis

23.05.2017 09:20 Uhr
NDR Kultur
02:05 min

Nauras Jazzanthologie: C wie Coltrane

16.05.2017 09:20 Uhr
NDR Kultur