Stand: 02.04.2015 17:20 Uhr

1945: Lehrling verübt Massaker im Emslandlager

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs findet ein junger Mann eine fremde Uniform, zieht sie an und übernimmt das Kommando im Lager Aschendorfermoor im Emsland. Hier sind überwiegend Männer untergebracht, die von Wehrmachtsgerichten für Fahnenflucht oder Wehrmachtszersetzung verurteilt wurden. Vom 11. April 1945 an verübt der als Hauptmann verkleidete Schornsteinfegerlehrling Willi Herold ein Massaker im Lager und geht als "Henker vom Emsland" in die Geschichte ein.

Ausstellung über den "Henker vom Emsland"

Herold erschießt 172 Gefangene

Es sind die Wirren der letzten Kriegstage, als der 19-jährige Gefreite Anfang April 1945 von seiner Truppe getrennt wird. Er findet in der Nähe von Bad Bentheim in einer zurückgelassenen Offizierskiste die Uniform eines Hauptmanns. Willi Herold gibt sich von nun an als verdienter Offizier der Luftwaffe aus. Auf der Flucht vor den alliierten Truppen sammelt der Hochstapler weitere versprengte Soldaten um sich. Am 11. April erreichen sie das Emslandlager Aschendorfermoor. Er übernimmt das Kommando und teilt mit, er habe den persönlichen Befehl Adolf Hitlers erhalten, die Häftlinge entweder zurück an die Front zu schicken, oder aber, sie zu exekutieren. Innerhalb weniger Tage lässt er mindestens 172 Häftlinge erschießen. Einige davon soll er auch persönlich hingerichtet haben.

Herold handelt willkürlich

In der Gedenkstätte Esterwegen wird die Geschichte der insgesamt 15 Emslandlager dokumentiert. Porträtfotos zeigen Herold als gut aussehenden, jungen Soldaten. Er sei selbstbewusst und herrisch aufgetreten, erzählen ehemalige Häftlinge in einem Dokumentarfilm. Nachdem sie eine Grube ausgehoben haben, mussten sich die Insassen an der Lagerstraße aufstellen. Der angebliche Hauptmann Herold sei dann die Front abgeschritten und habe immer wieder wahllos jemanden rausgezogen und erschossen. Dann soll er gefragt haben: "Wer will wieder Soldat werden?" Diejenigen, die sich melden, müssen antreten. Sie müssen vor das Lagertor marschieren, erzählen die Zeitzeugen, und werden dann in einer Reihe mit einem Flakgeschütz erschossen.

Lagervorsteher misstraut Herold

Links

Gedenkstätte Esterwegen: Aschendorfermoor

Die Gedenkstätte Esterwegen bietet von Februar bis Dezember an jedem 1. Sonntag im Monat um 11 Uhr und 15 Uhr Führungen an. extern

Nach dem Massaker zieht die marodierende Truppe um Herold weiter Richtung Norden: In Papenburg hängt Herold einen Bauern aus Börgermoor, der die weiße Fahne gehisst hatte. In Leer lässt er fünf Niederländer exekutieren. Der Mann in Uniform verbreitet Angst und Schrecken. "In der Endphase des Krieges mag sich niemand gegen ihn auflehnen", sagt Kurt Buck, Mitarbeiter der Gedenkstätte. Es gibt Berichte, wonach der Lagervorsteher an der Identität des Hauptmanns gezweifelt habe. Er soll deshalb sogar versucht haben, Kontakt nach Berlin herzustellen. Aber in den chaotischen letzten Kriegstagen sind die Leitungen unterbrochen, die Verbindung kommt nicht zustande. Erst 1946 fliegt der Schwindel auf: Willi Herold wird von einem britischen Militärgericht für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen und in Wolfenbüttel hingerichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Kulturjournal | 12.03.2018 | 22:45 Uhr

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