Stand: 18.08.2014 15:01 Uhr  | Archiv

Ermordet, weil sie behindert war

Nur ein paar Fotos aus Kindertagen sind Petra Röder von ihrer Tante Dorothea geblieben. Sie hat ihr Tante nie kennengelernt: Dorothea wurde im Nationalsozialismus ermordet, weil sie behindert war - ein Opfer des Euthanasie-Mordprogramms.

Dunkler Tag in der deutschen Geschichte

Am 18. August 1939 verschickte der Reichsminister des Inneren einen streng vertraulichen Runderlass: Ärzte, Hebammen, Kinderkrankenhäuser und Entbindungsanstalten mussten behinderte Neugeborene bei den Amtsärzten melden. Dieser Erlass gilt heute Schlüsseldokument für die sogenannte Euthanasie im Dritten Reich. Auch in Norddeutschland fielen etliche Kinder und Erwachsene dem Mordprogramm der Nazis zum Opfer.

Dorothea Kasten lebte in den Alsterdorfer Anstalten in Hamburg, als sie im August 1943 mit 36 Jahren nach Wien deportiert wurde, wie mehr als 500 andere behinderte Menschen. Als ihre Mutter sie dort besucht, ist sie abgemagert, kann nicht mehr gehen. Aber mit nach Hause nehmen darf sie ihre Tochter nicht. Die Ärzte sagen: nur im Sarg. Die Mutter habe mit Thea die letzten Stunden verbracht, erzählt Petra Röder - dann bekam die Tochter eine Spritze und starb. Das war im Mai 1944.

Die letzten Fotos von Dorothea Kasten lagern heute im Archiv der Stiftung Alsterdorf. Nach ihr ist heute eine Straße in Hamburg benannt. Petra Röder hat erst als Erwachsene erfahren, wie ihre Tante gestorben ist. Sie wünscht sich, dass das Schicksal von Dorothea Kasten nie vergessen wird.

Hintergrund

Hitler und das "lebensunwerte Leben"

Hitlers "Euthanasie"-Programm startet offiziell am 1. September 1939. Damit weiten die Nazis die systematische Tötung behinderter Kinder auch auf Erwachsene aus. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 18.08.2014 | 14:00 Uhr

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