Stand: 26.10.2017 11:54 Uhr

Die Geschichte der Seife

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Die Seife hat eine Jahrtausende alte Geschichte.

Die Seife hat eine lange Geschichte: Vor rund 4.500 Jahren verewigten die Sumerer im heutigen Irak auf einer Tontafel das erste Rezept für eine Vorform der Seife, einen Mix aus alkalischer Pflanzenasche und Ölen, den sie vor allem als Heilsalbe verwendeten. Auch Ägypter, Griechen und Germanen verwendeten ähnliche Seifenformen. Erst die Römer setzten sie ab etwa dem 2. Jahrhundert nach Christi zur Körperreinigung ein. Sie hatten entdeckt, dass die Mischung auch sauber macht. Seife, wie wir sie heute kennen, entstand im 7. Jahrhundert. Die Araber erhitzten Öle und alkalische Salze, die die Pottasche ersetzten, in einer Ätzlauge und ließen die Mischung so lange kochen, bis die ölige Masse fest wurde. Außerdem verwendeten sie gebrannten Kalk, um besonders feste Seifen zu gewinnen.

Wegen Seuchen im Mittelalter verpönt

Das Wissen verbreitete sich im Mittelalter auch in Europa. Unter anderem in Spanien, Italien und Frankreich entstanden Zentren der Seifensiederzunft, in denen die Methoden zur Seifenherstellung verfeinert wurden. Allerdings waren diese Luxusseifen zunächst dem reichen Adel vorbehalten. Langsam entwickelte sich aber eine Badekultur mit öffentlichen Badehäusern, die auch dem Bürgertum und der ärmeren Bevölkerung zugänglich waren. Doch als sich im 14. Jahrhundert die Pest und andere Seuchen ausbreiteten, vermuteten die Menschen, die Erreger befänden sich im Wasser. Körperpflege mit Wasser und Seife war plötzlich verpönt. Falls überhaupt, puderten die Menschen sich im 16. und 17. Jahrhundert ein.

Ludwig XIV. erließ Reinheitsgebot

Ludwig XIV. verhalf der Kunst der Seifenherstellung zu neuer Blüte. Er holte die besten Seidensieder an seinen Hof und erließ Ende des 17. Jahrhunderts ein Reinheitsgebot. Demnach musste eine hochwertige Seife mindestens 72 Prozent reines Öl enthalten. Ein weiterer Franzose machte den Luxus- zum Massenartikel: Der Chemiker Nicolas Leblanc erfand 1791 ein Verfahren zur künstlichen Herstellung von Soda - ein Natriumsalz, das für die Seifenherstellung unerlässlich war. Diese Erfindung markierte den Beginn der Massenproduktion.

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten die Menschen ein besseres Verständnis für Hygiene. Der dadurch entstehende hohe Bedarf an Seife konnte nur durch eine industrielle Produktion befriedigt werden. Für feine Seifen zur Körperwäsche wurden hochwertige Öle verwendet, einfache Seifen zum Waschen und Scheuern wurden aus billigem Lein- oder Hanföl hergestellt.

Konkurrenz durch Flüssigseife

Während das klassische Seifenstück in den 1970er-Jahren ein Verkaufsschlager war, sind heute Flüssigseifen eine ernstzunehmende Konkurrenz. Der Absatz an Seifenstücken sei allein in der Zeit von 1990 bis 2005 in Deutschland auf ein Viertel geschrumpft, sagt Seifenexperte Dr. Josef Wellmann, Chemiker in der Kappus Seifenfabrik in Krefeld.

Seifenstück versus Flüssigseife

Im Vergleich mit Flüssigseife schneiden Seifenstücke vor allem in puncto Kosten und Umweltverträglichkeit klar besser ab: Selbst namhafte Markenseifen kosten nicht mehr als 60 Cent pro 125 Gramm, während für Flüssigseife bis zu zweimal so viel gezahlt werden muss. In Sachen Waschleistung gibt es bei flüssiger und fester Seife keinen Unterschied.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | plietsch. | 30.10.2017 21:00 Uhr

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