Stand: 18.03.2016 17:04 Uhr  | Archiv

Bieberhaus - Ein Haus mit Geschichte

von Petra Volquardsen

Die Fassade mit Ornamenten geschmückt, am Eingang Atlanten - muskulöse Figuren aus Stein, die das Gebäude zu tragen scheinen. Das Bieberhaus am Hauptbahnhof ist ein echter Hingucker. Seit 2011 ist das Ohnsorg-Theater im Bieberhaus zu Hause - tagsüber wird in den Werkstätten an Bühnenbildern gebaut und die Schauspieler proben fürs nächste Stück. Abends öffnet sich der Vorhang zur Vorstellung.

Bunte Nachbarschaft

Vergnügen und bittere Not liegen dicht beieinander im Bieberhaus: Während die Gäste im Ohnsorg-Theater den Theaterabend genießen, werden im ersten Stock Flüchtlinge versorgt. Seit Ende 2015 betreut der paritätische Wohlfahrtsverband die Anlaufstelle für so genannte Transitflüchtlinge. Ehrenamtliche kümmern sich um die Versorgung mit Essen und Getränken oder helfen in der Kleiderkammer. Im Erdgeschoss des Bieberhauses hat der Delikatessen-Laden Mutterland sein Stammhaus. Außerdem gibt es noch einen Mode-Laden, eine Bäckerei und das Projekt Kids, eine Einrichtung für Straßenkinder.

Ein Haus mit Geschichte

In seiner über hundertjährigen Geschichte hat das Bieberhaus viel erlebt: Früher kamen die Hamburger zum Tanzen und Kaffeetrinken hierher - erst ins Bieber-Café, später ins Dreyer's Ahoi. Die Ausländerbehörde war dort mal untergebracht und auch eine Kleiderkammer gab es hier früher schon. Im sechsten Stock war noch in den 60er-Jahren die Kleiderstelle der Sozialbehörde - zu erreichen über den Paternoster, der heute außer Betrieb ist.

Miteinander statt nebeneinander

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Im Erdgeschoss des Bieberhauses ist das Delikatessen-Geschäft Mutterland zu Hause.

Interessant ist auch, dass die verschiedenen Mieter im Bieberhaus nicht nur nebeneinanderher leben. Immer wieder gibt es auch Berührungspunkte. Die Bäckerei im Erdgeschoss spendet nicht verkaufte Brötchen an die Flüchtlingshilfe. Mitarbeiter des Finanzamtes verbringen ihre Mittagspause im Mutterland-Café. Das Kids hat sein Jubiläum im Ohnsorg-Theater gefeiert.

Bald kommen die Bauarbeiter

Doch demnächst wird sich im Bieberhaus einiges verändern. Nach mehr als 40 Jahren zieht das Finanzamt Oberalster aus. Dann will der Eigentümer Alstria die oberen Stockwerke sanieren und neu vermieten. Die historischen Fliesen im Treppenhaus und der Fassadenschmuck bleiben natürlich erhalten. Noch ist unklar, was aus dem Kids wird. Der Mietvertrag endet im September.

Und woher kommt der Name?

Mit dem Nagetier Biber hat das Gebäude nichts zu tun. Der Name geht zurück auf eine private Knabenschule in St. Georg, die ehemals auf dem Grundstück stand. Theodor August Bieber war der damalige Leiter der Anstalt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal Spezial | 17.03.2016 | 20:00 Uhr

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