Stand: 30.11.2017 13:40 Uhr  | Archiv

Zeitreise ins historische Bergedorf

Verkehrschaos in der Innenstadt von Hamburg-Bergedorf: Die Autofahrer hupen ungeduldig, zwischen den Fahrzeugen wuseln die Fußgänger umher. Was gut eine Szene von heute sein könnte, ist tatsächlich genau 90 Jahre her. 1927 - kurz vor dem Bau der heutigen Brücke - bildeten sich am Bahnübergang in der Bergedorfer Holstenstraße regelmäßig Staus. Solche und andere Momente hat das Kultur- & Geschichtskontor für die gerade veröffentlichte DVD "Bergedorf im Film" zusammengetragen - insgesamt zehn Filmdokumente aus den Jahren 1919 bis 1972.

Christian Römmer vom Kultur- & Geschichtskontor, Sie haben an der DVD maßgeblich mitgearbeitet. Wo haben Sie die Filme gefunden und wie entstand die Idee, eine DVD daraus zu machen?

Christian Römmer: Die Filme kommen aus ganz verschiedenen Quellen. Einige haben wir aus unserem eigenen Archiv genommen, das sind Filme, die uns Privatpersonen in Bergedorf zur Verfügung gestellt haben. Ein Film wurde zum Beispiel auf dem Dachboden eines Kinos gefunden. Darüber hinaus sind wir ans Archiv der Bergedorfer Museumslandschaft im Bergedorfer Schloss und ans historische Filmarchiv Hamburg herangetreten, auch dort lagern noch Bergedorf-Filme. Die Idee zur DVD ist entstanden, weil wir ein paar Mal schon auf Veranstaltungen historische Filme aus Bergedorf gezeigt haben. Die Resonanz war jedes Mal überwältigend und immer wieder wurde der Wunsch nach einer Veröffentlichung laut.

Was ist alles zu sehen in den historischen Bergedorfer Filmaufnahmen?

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Die Filme für die DVD kommen aus unterschiedlichen Quellen, erzählt Christian Römmer.

Römmer: Meistens wird natürlich gefilmt, wenn es besondere Anlässe gibt, deswegen sind viele Filme anlässlich von Schützenfesten oder Umzügen gedreht worden, bei denen man aber jeweils das historische Bergedorfer Stadtbild sehen kann. Das älteste Filmdokument zeigt einen Maiaufmarsch 1919. In einem Film von 1927 sieht man den Wochenmarkt am Brink und den Bau der Badeanstalt an der Bille. 1935, als die Nationalsozialisten an der Macht waren, fand zum ersten Mal die "Bergedorfer Heimatwoche" statt und die Straßen sind mit Hakenkreuz-Wimpeln geschmückt. Nach dem Krieg besucht eine Delegation belgischer KZ-Überlebender Neuengamme. Das ist ein gewollter Kontrast, dass wir das hintereinander stellen. Aber auch Amateuraufnahmen aus den 60er- und 70er-Jahren finden sich auf der DVD. Da haben Privatleute einfach ihre Super 8-Kamera drauf gehalten auf das Alltagsleben in Bergedorf.

Was ist für Sie das faszinierende an den historischen Filmaufnahmen?

Römmer: Zum einen natürlich die Veränderungen im Stadtbild, da hat sich ja über die Jahrzehnte doch sehr viel verändert. Bei den alten Filmen ist es aber auch einfach schön, den Menschen ins Gesicht zu sehen. Die Kinder, die 1927 Faxen machen vor der Kamera, das würde heute nicht viel anders aussehen, auch wenn sie damals natürlich andere Klamotten oder Frisuren haben. Schwarz-weiß Fotos und Farbfotos sind ja schon ein großer Unterschied, aber wenn es sich bewegt, dann ist man noch dichter dran am Geschehen.

Das Interview führte Petra Volquardsen.

Tipp: Am Montag, den 4. Dezember, gibt es um 19 Uhr eine öffentliche Vorführung im Lichtwarkhaus in Bergedorf (Holzhude 1, 21029 Hamburg).

Angaben zur DVD "Bergedorf im Film"

Preis: 14,99 Euro
Herausgeber: Kultur- & Geschichtskontor
ISBN: 9783942998116

Die DVD ist beim Kultur- & Geschichtskontor sowie im Buchhandel erhältlich.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 01.12.2017 | 10:40 Uhr

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