Stand: 19.08.2020 18:22 Uhr

Zauberhaftes Meeresabenteuer: "Children Of The Sea"

von Patricia Batlle
Ruka schwimmt mit den Fischen im Meer - aus "Children Of The Sea" von Ayumu Watanabe © Polyband
Die Kulleraugen des Mädchens Ruka betrachten staunend die Unterwasserwelt, der sie sich so verbunden fühlt. Woher die geheimnisvolle Verbundenheit führt - davon erzählt "Children Of The Sea".

Am 19. August hat das Japan-Filmfest Hamburg begonnen. Zwei Wochen lang kann das Japan-affine Publikum die in diesem Jahr 71 Filme ausschließlich online anschauen - bis zum 2. September. Mit dabei ist ein zauberhaftes Meeresabenteuer um die 14-jährige Ruka. Mit großem Staunen lernt sie in Ayumu Watanabes Anime "Children Of The Sea" während eines Sommers die Geheimnisse der Meere und des Universums kennen.

"Als man mir sagte, ich könnte die Augen öffnen, war ich mitten im Meer." So beginnt der japanische Anime-Film "Children Of The Sea" von Regisseur Ayumu Watanabe. Die Eröffnungsszene allein ist ein Grund zum Staunen. Das kleine Mädchen Ruka steht vor einem gewaltigen Aquarium. Mit ihren riesigen Kulleraugen bestaunt sie die bunten Fische und streckt die Hand nach ihnen aus. Als sie sich zur Seite bewegt, folgen ihr die Fische im Schwarm. Dann presst sich ein majestätischer Wal an der Scheibe vorbei und fängt an, biolumineszent zu leuchten - wie erglüht von ihrer Anwesenheit. Es ist eine der frühesten Kindheitserinnerungen Rukas.

Ruka lernt zwei Brüder aus dem Meer kennen

Szene aus "Children Of The Sea" von Ayumu Watanabe © Polyband
Ruka (rechts) verbringt den Sommer mit dem Jungen Umi.

Mittlerweile ist sie 14 Jahre alt. Leise schleicht sie aus der elterlichen Wohnung. Der Vater, ein Meeresbiologe, ist fast nie zu Hause. Die Mutter scheint sich jeden Tag in den Alkohol zu flüchten. Dennoch: Ruka liebt die Sommerferien, die soeben begonnen haben. Leichtfüßig rennt sie zum Handballtraining. "Im Sommer ist mein Körper federleicht!", freut sie sich und hüpft an der Hafenmole von Stein zu Stein. Ihre Freude endet wenig später. Beim Handballtraining wird sie gefoult: Sie verliert die Kontrolle und foult ihrerseits brutal. Was ist bloß mit ihr los? Prompt wird sie aus dem Team geworfen. Die Ferien sind hinüber.

Szene aus "Children Of The Sea" von Ayumu Watanabe © Polyband
Die Brüder Umi (rechts) und Sora (unten) sind von Meereskühen im Meer aufgezogen worden. Sie fühlen sich nur im Wasser wohl.

Niedergeschlagen treibt Ruka durch die Gegend. An einem Kanal erinnert sie sich an die schönen Erlebnisse als Kind im Aquarium - und besucht dort ihren Vater. In einem Becken entdeckt die Jugendliche plötzlich einen Jungen, der geschickt mitten zwischen all den Fischen schwimmt - und niemand verbietet es ihm! Er sei mit seinem Bruder von Meerkühen groß gezogen worden, erläutert Rukas Vater. So lernt sie im Laufe des Sommers die beiden Brüder - den dunkelhaarigen, fröhlichen Umi und den hellhäutigen, nachdenklichen Sora - kennen. Nach und nach weihen die Jungen Ruka in die Geheimnisse des Ozeans ein, denn sie spüren: Ruka ist untrennbar mit den Wesen des Meeres verbunden.

Faszinierende Unterwasserwelt mit Umweltthemen

Die zauberhaften, detaillierten Bilder des japanischen Filmstudios Studio 4°C faszinieren: Man spürt die heiße Luft flirren, die Sommersonne blendet, selbst in den Unterwasserszenen ist alles in gleißendes Licht getaucht. Die Zikaden zirpen ihr Lied, der Wind erzählt uralte Geschichten, die Ruka nur zu entziffern braucht, und ihre Extase beim Schwimmen im Meer mit Delfinen und Walen ist brillant gezeichnet.

Mitreißender Soundtrack von Ghibli-Komponist Joe Hisaishi

Ruka schwimmt mit den Fischen im Meer - aus "Children Of The Sea" von Ayumu Watanabe © Polyband
Ruka schwimmt mit all den Wesen in der Unterwasserwelt.

Ayumu Watanabes fast zwei Stunden langes Abenteuer basiert auf einer fünfteiligen Manga-Serie und ist eine Mischung aus Umweltepos und Coming-of-Age-Geschichte, wie man sie etwa von den Animes des legendären Ghibli-Studios wie "Ponyo" kennt. Tatsächlich stammt der mitreißende Soundtrack von einem der Ghibli-Komponisten: Joe Hisaishi, der für Meisterwerke wie "Prinzessin Mononoke", "Chihiros Reise ins Zauberland" und "Das wandelnde Schloss" verantwortlich zeichnet.

Der Film ist zwar ab sechs Jahren freigegeben - allerdings ist die letzte halbe Stunde doch eher für ein etwas älteres Publikum. Hier weicht die Handlung einer Art Bildexplosion, die vielleicht den Urknall und die Entstehung unserer Galaxie und der Erde darstellt. Die Botschaft lautet: Alle Wesen im Universum entstammen derselben Materie. Diese 30 Minuten lassen einen dabei genauso perplex zurück wie etwa die finale Sequenz im Sci-Fi-Klassiker "2001 - Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick. Doch genau dafür ist Kino da: zum Staunen.

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Children Of The Sea

Genre:
Animation, Jugendfilm
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Japan
Zusatzinfo:
mit Mana Ashida, Hiiro Ishibashi, Seishû Uragami.
Regie:
Ayumu Watanabe
Länge:
111 Minuten
FSK:
ab 6 Jahren
Kinostart:
Japan Filmsfest Hamburg - bis zum 2. September

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 19.08.2020 | 19:00 Uhr

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