John David Washington (mitte) als Agent im Hangar von Oslo mit Robert Pattinson (r.) und Jack Cutmore-Scott - Szene aus dem Film "Tenet" von Christopher Nolan © 2020 Warner Bros. Entertainment, Foto: Melinda Sue Gordon

"Tenet": Zeitsprung-Thriller gewinnt Oscar für Visual Effects

Stand: 26.04.2021 05:33 Uhr

Der Blockbuster "Tenet" von Christopher Nolan ist voller spektakulärer Stunts und Action-Einlagen. Der Film hat einen Oscar für die besten visuellen Effekte gewonnen.

von Katja Nicodemus

John David Washington (links) als Agent im Auto mit Robert Pattinson (r.) - Szene aus dem Film "Tenet" von Christopher Nolan © 2020 Warner Bros. Entertainment, Foto: Melinda Sue Gordon
Agenten unter sich: John David Washington (rechts) und Robert Pattinson im Film "Tenet".

Zu Beginn des Films werden Kugeln zusammen mit Metallschrott und Trümmerteilen auf der ganzen Welt entdeckt. Diese Fundstücke haben eine spektakuläre Eigenschaft: Sie sind "invertiertes" Material, Teile mysteriöser Maschinen, die erst noch erfunden werden müssen. Und sie bewegen sich rückwärts durch unsere Zeit. Offenbar sind sie Folgen einer Katastrophe, deren Auswirkungen sich aus der Zukunft auf die Welt zu bewegen. Was droht, ist der Dritte Weltkrieg oder gar das Ende der Welt.

Dieser Film ist laut und seine Tonspur fährt uns geradewegs in die Magengrube. Das macht aber nichts, denn "Tenet" hat einen mitreißenden Soundtrack. Seine Handlung ist komplex, um nicht zu sagen, verwirrend. Und es gibt eine faszinierende Hauptfigur, über die wir kaum etwas erfahren. John David Washington spielt den Agenten einer hochgeheimen Mission, deren Codewort "Tenet" lautet. Er trägt im Film keinen Namen und heißt nur "Protagonist".

Christopher Nolan spielt mit gegensätzlichen Zeitebenen

Die Erzählmechanik mit ihren gegensätzlichen Zeitebenen ist - wie so häufig in Nolans Filmen - gewollt verwirrend. Der Film hat aber genügend Elemente, die uns auf vertraute Weise in den Bann ziehen. Etwa einen russischen Oligarchen, der sich die Zukunftstechnik bereits auf unheilvolle Weise zunutze macht. Der britische Schauspieler Kenneth Branagh spielt ihn mit einem fetten Akzent am Rande der Satire.

Was Sator, der Bösewicht nicht oder noch nicht weiß: Seine von ihm terrorisierte Frau Kate ist auf Seiten der Weltenretter. Der Plan des Protagonisten: Er will sich Zugang verschaffen zu Sators streng gesicherter Zeitumkehrmaschine, genauer: Invertierungsmaschine. Sie lagert auf einem skandinavischen Flughafen. Robert Pattinson in der Rolle eines weiteren verbündeten Geheimagenten verströmt in "Tenet" die Leichtigkeit eines Gentlemans und Glücksritters, die ihn für die Neubesetzung von James Bond ins Spiel bringen könnte. Für diesen blonden Abenteurer ist keine Aufgabe zu schwer. Oder zu gefährlich.

"Tenet": Spektakuläre Stunts und Action-Einlagen

"Tenet" ist voller spektakulärer Stunts und Action-Einlagen. In diesem Film, in dessen Szenen verschiedene Zeitachsen in einem Moment gleichzeitig verlaufen, fliegen Autos durch die Luft und entbeulen sich. Pistolenkugeln rasen zurück in den Lauf. Schiffsschornsteine saugen ihren Rauch wieder ein. Ein echtes - wohlgemerkt nicht digital erzeugtes - Flugzeug crasht vom Rollfeld in einen Hangar. Nebenbei hat "Tenet" jede Menge Schauwerte zu bieten: Mittelmeerinseln, Yachten, sibirische Landschaften, Katamaran-Rennen, die Hochhausschluchten Mumbais, riesige düstere Lagerhallen, in denen sich die Invertierungsmaschine befindet.

Rasante Inszenierung von Christopher Nolan

Immer wieder hat Christopher Nolan erzählerische Grenzen ausgelotet. Seinen neuen Film könnte man als Zeitskulptur bezeichnen. Vor allem in Erinnerung bleiben wird jedoch die Eleganz der Action-Szenen, die Präzision und Rasanz der Inszenierung. Dieser Film ist pure Kinetik, reines Bewegungskino. Und dann war da noch irgendwas mit rückwärts.

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Tenet

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Kenneth Branagh
Regie:
Christopher Nolan
Länge:
150
FSK:
ab 12
Kinostart:
26. August

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