"Schwesterlein": Nina Hoss und Lars Eidinger im Interview

Stand: 28.10.2020 07:39 Uhr

Nina Hoss und Lars Eidinger haben zusammen Schauspiel in Berlin studiert. Jetzt spielen sie Bruder und Schwester im Film "Schwesterlein." Ein Interview.

Ist es eigentlich leichter, wenn man seinen Spielpartner so gut kennt, wie sie den jeweils anderen? Sie haben ja zusammen an der Schauspielschule angefangen.

Nina Hoss: Eigentlich hilft es immer, dass man sich schon aus anderen Gegebenheiten kennt. Wie bei uns, die Schauspielschule. Das ist ja eine besondere und intensive Zeit. Man schenkt so viel von sich her. Man ist verwirrt, hat aber auch viel Spaß. Es fiel uns nicht so schwer, in dieses Bruder-Schwester-Ding zu kommen.

Nina Hoss in einer Filmszene aus Stéphanie Chuats und Véronique Reymonds Film "Schwesterlein" © Vega Film
Nina Hoss spielt die Schwester, die nicht wahrhaben will, dass ihr Bruder unheilbar krank ist und bald sterben wird.

Lars Eidinger: Ja, es hilft, sich zu kennen. Das ist mir bei der Arbeit nochmal sehr bewusst geworden, wie vertraut wir uns eigentlich sind. Wir sind 25 Jahre befreundet. So lange habe ich nicht mal zuhause gewohnt. Ich kenne Nina Hoss länger, als ich zuhause gewohnt habe.

Was für einen Eindruck hatten Sie im Studium voneinander?

Lars Eidinger: Für mich ist Nina schon immer die größte gewesen und ich habe auch eine wahnsinnige Ehrfurcht vor ihr. Sie ist wahnsinnig integer. Und von den Fähigkeiten: Es gibt glaube ich nichts, was sie nicht kann.

Nina Hoss: Ich habe immer gehofft: Hoffentlich tut ihm niemand was. Er war so offen und so neugierig und hat sich in alles reingeschmissen. Ich komme aus einer Theaterfamilie und ich wusste, dass man emotional aufpassen muss, dass man sich nicht herschenkt. Und bei Lars dachte ich immer, der muss beschützt werden, weil er so begabt war und so viel vor hatte.

In "Schwesterlein" geht es ja vor allem um die Endlichkeit des Lebens. Die Schwester will nicht akzeptieren, dass der Bruder todkrank ist. Denken sie viel an den Tod?

Lars Eidinger: Also das macht jeder Mensch, glaube ich. Das ist das Thema überhaupt. Das ist ja auch das Thema, mit dem Kunst sich auseinander setzt. Nicht umsonst ist "Sein oder Nichtsein" das berühmteste Zitat der Literatur.

Nina Hoss: Wenn ich weg bin, dann kriege ich es ja eh nicht mit. Ich habe keine Fantasien, dass ich in irgendwelche Geschichtsbücher rein muss. Mir ist wichtig, im Jetzt etwas zu erreichen, den Leuten etwas von uns und dem Land zu erzählen und ins Gespräch zu kommen.

Die Corona-Krise ist auch eine Krise für viele Schauspielerinnen und Schauspieler. In den vergangenen Jahren haben sie beide sehr viel gearbeitet. Wie durchleben sie diesen Moment?

Nina Hoss: Ich mache mir große Sorgen. Ich habe dieses Jahr absolut nichts gearbeitet. In dieser Phase habe ich sehr viel über uns Schauspieler nachgedacht. Wie wir einfach durchs Raster fallen. Du kommst nicht ins Arbeitslosengeld rein du kriegst kaum Unterstützung. Kollegen mit Familien sind in großen Schwierigkeiten. Es gibt diese Mär, dass alle Schauspieler so viel Geld verdienen. Das ist einfach nur eine Mär.

Lars Eidinger: Ich habe sehr viel gearbeitet in diesem Jahr, bis auf eine kleine Lockdownpause. Ich habe auch schon einige Projekte in Planung. Aber ich bekomme viele Anrufe von Kollegen, die fragen, ob ich nicht helfen kann. Ich kenne Menschen, die stehen ganz ohne Jobs da. Wie sollen die überleben? Ich habe da Glück.

Das Interview führte Danny Marques Marcalo.

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Lars Eidinger in einer Filmszene aus Stéphanie Chuats und Véronique Reymonds Film "Schwesterlein" © Vega Film Foto: Jonas Friedrich
2 Min

Trailer zum Film "Schwesterlein"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 28.10.2020 | 19:00 Uhr

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