Percy Schmeiser (Christopher Walken) © PVM Productions INC. 2019 / Mongrel Media

"Percy": Christopher Walken kämpft gegen einen Großkonzern

Stand: 01.07.2021 17:25 Uhr

Im Kinofilm "Percy" nimmt es Christopher Walken mit dem Chemie-Riesen Monsanto auf. Die skrupellose Profitgier des Großkonzerns bedroht hier die Existenz kleiner Bauern wie Percy Schmeiser.

Percy Schmeiser (Christopher Walken) © PVM Productions INC. 2019 / Mongrel Media
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von Walli Müller

Dass dieser Film die klassische David-gegen-Goliath-Geschichte erzählt, offenbart schon der englische Originaltitel "Percy vs. Goliath". Die Dramaturgie überrascht also nicht. Spannend ist der Film auf der inhaltlichen Ebene. Denn das juristische Schreiben, das dem kanadischen Raps-Bauern Percy Schmeiser Ende der 90er-Jahre ins Haus flattert, ist von Bedeutung für die Landwirtschaft weltweit.

Wie kann es sein, dass Monsanto einen Bauern verklagt, der nie ein Samenkorn von der Firma gekauft und gewiss keines geklaut hat - weil seine Familie seit Generationen das Saatgut selbst gewinnt, immer aus den widerstandsfähigsten Raps-Pflanzen des Vorjahres? Der Rechtsanwalt erklärt es: Selbst wenn nur ein paar Samen vom Winde auf sein Feld verweht wurden und in Bodenproben nachweisbar sind, kann der Agrarkonzern Schadenersatz verlangen und seine ganze Ernte konfiszieren.

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Christopher Walken spielt wortkargen Bauern

Nun ist dieser Percy Schmeiser überhaupt kein Mensch, den es auf die Bühne drängt. Christopher Walken, der in seiner Karriere oft die furchteinflößenden Parts übernahm, spielt den End-Sechziger zurückhaltend und bodenständig. Die Samen, die er ausstreut, stammen von den Körnern ab, die seine europäischen Vorfahren einst in den Rocksaum eingenäht mit in die neue Welt gebracht haben. Sie machen alles aus, was er ist. Wer das versteht, weiß auch, warum der wortkarge Mann nun zum lauten Vorkämpfer gegen die Politik von "Monsanto" wird. Bestärkt von einer Umweltaktivistin, die ihm die Bedeutung seines Falles erst klar macht: "Das hier könnte ein wichtiger Präzedenzfall werden. Im Ernst, womöglich ändern Sie den Lauf der Geschichte. Aber um das zu tun, müssen wir aufzeigen, dass dieses transgene Saatgut für alle unabhängigen Farmer von Nachteil ist."

"Percy": Ein filmisches Denkmal für Percy Schmeiser

Die Geschichte spielt in einem ländlichen Kanada der Pickups und Mähdrescher. Sonntags sitzen die Farmer gemeinsam in der Kirche, nachmittags verkaufen die Frauen Kuchen beim Dorffest. Auch diese Gemeinschaft gerät ins Wanken, als Percy seine Farm vernachlässigen und zum Spenden-Sammeln für die Sache durchs Land reisen muss. Ein Feldzug für Felder, die weiter den Bauern gehören - und nicht der Agrarindustrie, die sich über ihr genmanipuliertes Saatgut letztlich Grund und Boden der Bauern einverleibt. Denn die "Monsanto"-Samen müssen jedes Jahr neu gekauft werden - was Hunderttausende von Bauern weltweit in den Ruin treibt. Diesen Zusammenhang macht der Film sehr gut deutlich.

Der echte Percy Schmeiser wurde 2007 für sein Engagement mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Nun bekommt er - kurz nach seinem Tod im vergangenen Herbst - dieses filmische Denkmal. Man ist durch kleine Triumphe und herbe Niederlagen hindurch gerne an seiner Seite.

Percy

Genre:
Biopic/Drama
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Kanada
Zusatzinfo:
mit Christopher Walken, Christina Ricci, Zach Braff, Luke Kirby
Veröffentlichungsdatum:
1. Juli (Kino)
Regie:
Clark Johnson
Länge:
99 Minuten
FSK:
ab 6 Jahre

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