Szene aus dem Film "Nomadland" von Chloé Zhao mit Frances McDormand © The Walt Disney Company GmbH

"Nomadland": Oscargekröntes Drama mit Frances McDormand

Stand: 14.07.2021 09:11 Uhr

Der Film "Nomadland" von Chloé Zhao hat bei der vergangenen Oscarverleihung sechs Auszeichnungen abgeräumt. Seit dem 1. Juli ist er in den deutschen Kinos zu sehen.

Szene aus dem Film "Nomadland" von Chloé Zhao mit Frances McDormand © The Walt Disney Company GmbH
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von Katja Nicodemus

Eine Frau fährt mit ihrem ausgebauten Van durch die Wüste. Ihr Name ist Fern, gespielt wird sie von der wunderbaren Schauspielerin Frances McDormand. Und eben deshalb könnte man ewig mit Fern durch den Westen der USA fahren. Singt Fern, um sich selbst Mut zu machen? Vielleicht. Vielleicht ist sie aber auch einfach eins mit sich und dem Moment.

Frances McDormand spielt eine moderne Nomadin

Ferns Mann ist an Krebs gestorben. Noch dazu hat sie ihre Arbeit und ihr Haus verloren, nachdem ihr Heimatort durch eine Minenschließung zur Geisterstadt wurde. Also erklärt sie den rostigen Kleintransporter zu ihrem neuen Zuhause, fährt damit von Saisonjob zu Saisonjob. Fern ist eine moderne Nomadin wie so viele US-Amerikaner und -Amerikanerinnen. Und wenn mal der Reifen platt ist und der Ersatz fehlt, dann ist da noch die Bekannte auf der anderen Seite des Parkplatzes.

Geschichten voller Heiterkeit und Schmerz

"Nomadland" ist der dritte Spielfilm von Chloé Zhao. Wie auch bei ihren vorherigen Filmen verbrachte Zhao viel Zeit mit den Menschen, von denen sie erzählt. In "Nomadland" arbeitet sie zum ersten Mal mit einer professionellen Darstellerin. Gemeinsam mit Frances McDormand lebte sie monatelang auf Wohnwagenparkplätzen. Die beiden Frauen, schlossen Bekanntschaften und Freundschaften mit echten Straßennomaden. In "Nomadland" spielen sich einige selbst. Ihre heiteren und schmerzliche Geschichten fließen in den Film ein. Etwa die von Robert Wells, der vor Jahren seinen Sohn verlor und ein Trainingscamp für Straßennomaden gründete, in dem auch Fern Überlebenstricks lernt.

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Regisseurin Chloe Zhao (l) steht mit der Schauspielerin Frances McDormand am Set von "Nomadland" © Searchlight Pictures/AP/dpa Bildfunk

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Die Solidarität unter den Menschen "on the road" ist überlebensnotwenig in einem Land, das so vielen seiner Bürger jeden Rückhalt vorenthält. Und so ist "Nomadland" ein Film über Menschen, die sich immer wieder begegnen im Windschatten einer Tankstelle, auf Umsonst-Campingplätzen. Oder auf dem Parkplatz eines Vergnügungsparks, der vorübergehend Niedriglohnjobs bietet.

"Nomadland" ist ein großartiger Film

Es ist berührend, Frances McDormands Fern auf ihrer Reise zu begleiten. Denn diese Schauspielerin macht: nichts. Sie braucht keine Befindlichkeiten oder Stimmungen zu spielen. Sie wird zum Medium für die Menschen, die ihr begegnen. Zur Verbündeten ihrer Filmfigur, die alles verloren hat, aber trotzdem nicht aufgibt. Auch wenn das manchmal schwer ist. Etwa angesichts einer Wagenreparatur, die mehr als 2.000 Dollar kosten soll.

In diesem großartigen Film erleben wir, wie auch der amerikanische Westen zur Ferns Heimat wird. Sie nimmt das Freiheitsvesprechen der amerikanischen Landschaft beim Wort. Man glaubt dieser wortkargen, tapferen Frau, dass sie kein Haus mehr braucht, wenn sie morgens mit Blick auf einen Canyon Kaffee trinkt. Oder mit Kameradinnen am Lagerfeuer sitzt. Eine friedliche Pionierin ihres eigenen Lebens.

Nomadland

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Frances McDormand und anderen
Veröffentlichungsdatum:
1. Juli (Kino)
Regie:
Chloé Zhao
Länge:
108 Minuten
FSK:
ab 0 Jahre

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