"Minari - Wo wir Wurzeln schlagen": Berührendes Einwanderer-Drama

Stand: 15.07.2021 19:05 Uhr

"Minari - Wo wir Wurzeln schlagen" hat den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film gewonnen und war für sechs Oscars nominiert. Jetzt startet die Geschichte über eine südkoreanischen Einwandererfamilie in den USA in den Kinos.

von Walli Müller

Eine kleine Farm, ein eigenes Stück Land, auf dem er Gemüse anbauen kann - das ist der amerikanische Traum, für den Jacob lebt. Zehn Jahre ist es her, dass er mit seiner Frau Monica aus Südkorea in die Vereinigten Staaten eingewandert ist; Mitte der 80er-Jahre glaubt er sich nun am Ziel. Nur tun sich Monica und die zwei Kinder schwer, in einem Trailer-Home in der Einöde Arkansas‘ die versprochene Farm zu erkennen.

Vom Ankommen in einer Kultur

Ob die Familie hier wirklich ein Zuhause finden kann? Das ist die Kernfrage in "Minari". Regisseur Lee Isaac Chung, der selbst als Kind südkoreanischer Eltern in Arkansas aufgewachsen ist, erzählt vom Ankommen in der fremden Gegend und Kultur hauptsächlich aus der Perspektive des siebenjährigen David. Mit neugierigen, offenen Augen erkundet er mit seiner älteren Schwester die Umgebung - und will gerne mithelfen, Papas Lebenstraum zu verwirklichen.

Ein Brunnen wird gebaut, Beete angelegt; und am Sonntag sitzt die Familie brav in der Kirche, um in der ländlichen Gemeinde Anschluss zu finden. Aber leicht fällt es Davids Mutter nicht, an das Farm-Projekt ihres Mannes zu glauben. Soll sie ihm vertrauen, wenn er die Dollars, die sie gemeinsam in der Hühnerfarm sauer verdient haben, in einen Traktor steckt?

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Oscar für Yuh-Jung Youn als beste Nebendarstellerin

Mit wenigen Worten wird in diesem Film viel erzählt: über die Suche nach Heimat, verlorene Wurzeln, die Sorge um den herzkranken David, auch die kriselnde Paar-Beziehung der Eltern. Eine Schlüsselrolle spielt die Großmutter, die aus Südkorea einfliegt und zur Familie in den Wohnwagen zieht. Der etwas eigensinnige David mag die verschrobene alte Dame zunächst nicht. Sie schnarcht und flucht, backt keine Kekse, wie sich das für Omas gehört, und spricht nur wenige Worte Englisch.

Für die Darstellung der Großmutter hat Yuh-Jung Youn, die in Südkorea ein großer Schauspiel-Star ist, den Oscar als beste Nebendarstellerin bekommen. Ihre Figur steht für die Verbindung zweier Kulturen. Sie bringt aus der Heimat das titelgebende Gewürzkraut "Minari" mit. Regisseur Chung lässt es sie mit dem Enkelsohn in amerikanischem Boden vergraben.

"In Korea ist das eine Pflanze, die nah am Wasser wächst und die Tendenz hat, das Wasser und den Boden zu reinigen" erklärt Regisseur Lee Isaac Chung. "In dieser Geschichte ist es die eine Pflanze, die für die Familie wirklich aufgeht, die einfach mühelos von selbst wächst."

"Minari - Wo wir Wurzeln schlagen": Berührende Geschichte

Ein bisschen fühlt sich auch dieser Film an, als würde man einer Pflanze beim Wachsen zuschauen. In leichtem Zeitraffer natürlich, damit die Geduld des Publikums nicht überstrapaziert wird - aber langsam genug, dass alle Handlungszweige sich behutsam entfalten können. Wer die nötige Ruhe dafür ins Kino mitbringt, wird mit einer berührenden Geschichte beschenkt, die erahnen lässt, welche Anstrengung hinter gelingender Integration oft steckt. Lee Isaac Chung verneigt sich damit tief vor seinen tapferen Eltern und so vielen anderen Reisenden zwischen Welten.

Minari - Wo wir Wurzeln schlagen

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Steven Yeun, Yoon Yeo-jeong, Han Ye-ri, Alan S. Kim
Veröffentlichungsdatum:
15. Juli
Regie:
Lee Isaac Chung
Länge:
116 Minuten
FSK:
ab 6 Jahre

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