Stand: 11.09.2018 13:41 Uhr

"Brechts 3Groschenfilm" mit jeder Menge Stars

Mackie Messer - Brechts 3Groschenfilm
, Regie: Joachim Lang
Vorgestellt von Bettina Peulecke

"Die Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht mit der Musik von Kurt Weill war schon kurz nach der Uraufführung 1928 in mehr als 200 verschiedenen Inszenierungen zu sehen. Es gibt diverse Verfilmungen des Theaterstücks. Jetzt kommt die jüngste Version in die Kinos, "Mackie Messer- Brechts 3Groschenfilm" mit einem Staraufgebot an Schauspielern, allen voran Lars Eidinger als Bertolt Brecht.

"Ich befürchte, ich werde in die Literatur eingehen als ein Mann, der den Vers geschrieben hat: 'Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral'", sagt Eidingers Brecht im Film. Brechts Befürchtung hat sich bewahrheitet. Dieser Satz und die Moritat von Mackie Messer sind die Klassiker, die mit dem Namen Brecht verbunden sind.

Der Londoner Gangster MacHeath (Tobias Moretti) und seine Verbrecherbande - Szene aus "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" © Wild Bunch Germany / Stephan Pick

"Mackie Messer - Brechts 3Groschenfilm"

Joachim Lang zeigt in seinem Drama, unter welchen Schwierigkeiten Bertolt Brecht (Lars Eidinger) in den 1920er-Jahren versuchte, seine "Dreigroschenoper" zu verfilmen.

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"Dreigroschenoper" 1928 bereits ein großer Erfolg

Trotz einer desaströsen Generalprobe wird die Premiere der "Dreigroschenoper" am Berliner Schiffbauerdamm 1928 ein voller Erfolg. Bertolt Brecht und Kurt Weill (Robert Stadlober) denken über eine Filmadaption nach. Sie wollen die Geschichte um den Ganoven Macheath, der mit der Tochter des sogenannten Bettlerkönigs Peachum durchgebrannt ist, auf die große Leinwand bringen. Das Vorhaben scheitert an unterschiedlichen Vorstellungen seitens der Künstler und der Produzenten, die nur wirtschaftlichen Interessen folgen. Brecht zieht vor Gericht. Es ist nicht in erster Linie die "Dreigroschenoper", die Regisseur Joachim Lang auf die Leinwand bringt, sondern vor allem die Geschichte dieses Filmvorhabens.

Programmtipp
NDR Kultur

Lars Eidinger spielt Bertolt Brecht

12.09.2018 13:00 Uhr
NDR Kultur

In dem neuen Kinofilm "Mackie Messer" zeigt Lars Eidinger als Bertolt Brecht ungeahnte Facetten seines Könnens. Auf NDR Kultur erzählt er, wie sich die Dreharbeiten gestalteten. mehr

Stimmige Melange mit Aktualitätsbezügen

Ein Blick hinter die Kulissen, eingebettet in aufgepeppte Musik-und Tanzeinlagen - es ist eine größtenteils stimmige Melange, die der Regisseur zusammengemischt hat, garniert mit Aktualitätsbezügen. Lang gilt als Brecht-Experte: "Brecht gilt in der Öffentlichkeit immer noch als Ideologe. Er wurde als Klassiker der Vernunft bezeichnet. Ich glaube, es ist ganz anders: Er war ein provokanter, gesellschaftskritischer Autor, der immer wieder Neues ausprobiert hat. Er war Satiriker, er war ironisch, er hat alle möglichen Medien, Formen neu probiert. Er war ein Avantgardist", so Lang.

Diesen Avantgardisten verkörpert Lars Eidinger für seine Verhältnisse fast zurückgenommen, aber durchweg gelungen und leichtfüßig. Seine Kollegen Tobias Moretti als Macheath und Joachim Krol als Peachum zeigen sich ebenso stimmfest in den Gesangseinlagen, nur Hannah Herzsprung als Polly wirkt etwas limitiert.

Filmkulisse schlägt die Brücke in die Gegenwart

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Die drei Strippenzieher der "Dreigroschenoper": Elisabeth Hauptmann (Peri Baumeister), Kurt Weill (Mitte, Robert Stadlober) und Bertolt Brecht (Lars Eidinger).

Wenn am Ende naheliegende Parallelen zum Finanzskandal gezogen werden, in vermeintlich historischer Kulisse plötzlich die Hochhäuser der Wallstreet auftauchen, funktioniert das einwandfrei. Auch für Eidinger: "Das sind so einfache Bilder. Aber die leuchten so ein. Heute genauso wie damals - weil es einfach der Mechanismus des Kapitalismus ist. Es ist einfach das, was unsere Welt nach wie vor ungerecht macht, und das benennt er. Nur wir schaffen es nicht, es zu überwinden."

Auch Brecht-Nichtkenner kommen durchaus auf ihre Kosten. Denn, wie Eidinger als Brecht im Film sagt: "Wer die Handlung nicht gleich begreift, braucht sich nicht den Kopf zu zerbrechen. Sie ist unverständlich. Wenn Sie nur etwas sehen wollen, was einen Sinn macht, müssen Sie auf das Pissoir gehen."

Mackie Messer - Brechts 3Groschenfilm

Produktionsjahr:
2017/2018
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
Lars Eidinger (Bertolt Brecht), Tobias Moretti (Macheat/Mackie Messer), Hannah Herzsprung (Polly/ Carola Neher), Robert Stadlober (Kurt Weill)
Regie:
Joachim Lang
Länge:
130 Minuten
FSK:
ab 6 Jahren
Kinostart:
13. September

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 12.09.2018 | 06:55 Uhr

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