Szene aus dem Animationsfilm "Luca" © Disney+/Courtesy Everett Collection

"Luca": Pixars neuer Film über Toleranz und Anerkennung

Stand: 16.06.2021 06:00 Uhr

Der Pixar-Film "Luca" handelt von Meeresungeheuern an der italienischen Riviera. Er handelt von Anerkennung, Anderssein und dem urtümlichen Wunsch, die Welt aus den Angeln zu heben. Zu sehen ab 18. Juni bei Disney+.

von Hartwig Tegeler

An der italienischen Riviera leben Seeungeheuer im Meer. Diese haben so viel Angst vor den "Landungeheuern", also den Menschen, wie die vor ihnen. Also lieber im Meer bleiben, wie Lucas Mutter meint. Wenn es Luca - angestiftet durch Seeungeheuer-Freund Alberto - nur nicht so reizen würde, den Sommer an Land zu genießen, um etwa mit dieser wunderbaren Maschine "Vespa" zu fahren.

Das geht, weil Luca und Alberto, sobald sie das Wasser verlassen, eine menschliche Gestalt annehmen und deshalb unauffällig sind. Es sei denn, sie kommen mit Wasser in Berührung. Die Rückverwandlung findet statt, ohne dass es zu verhindern ist. Während Luca der Vorsichtige ist, darf man sich Alberto als Springinsfeld vorstellen, der seinen Freund mitunter brachial ins Leben und ins Glück schubst.

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"Luca": Geschichte um Anerkennung und Anderssein

In "Luca" zeichnet Enrico Casaros eine malerische Kleinstadt und den Traum eines Italiens der 1950er- und 60er-Jahre, in dem man glaubt, gleich kämen Marcello Mastroianni, Sophie Loren oder Claudia Cardinale um die Ecke. Aber das Idyll ist brüchig; immer laufen die Meereswesen in Menschengestalt Gefahr, entdeckt zu werden. In diesem Spannungsfeld entfaltet sich nun eine "typische" Pixar-Geschichte um Anerkennung, Anderssein und den urtümlichen Wunsch, die Welt aus den Angeln zu heben.

Ob man nun eine Spielfigur wie Cowboy Woody aus "Toy Story" ist, eine Wanderratte mit Kochambitionen in "Ratatouille", ein 78-jähriger alter Mann in "Oben", der noch einmal zum großen Abenteuer aufbricht, oder jetzt eben das Seeungeheuer Luca, das seine Bestimmung außerhalb des Meeres sucht. Es sind magische Welten, die diese charmanten Pixar-Filme zaubern, in denen es im Kern aber immer um das Beharren auf dem Eigenständigen, dem Anderen, dem Widersprüchlichen geht.

Ein Pixar-Animationsfilm voller Seele

"Luca" ist ein Märchen, vielleicht besser: der alte Traum einer Gegenkultur - nicht nur perfekt animiert, sondern voller Seele. Eine Geschichte, die in diesen Zeiten mit ihrer Message von Toleranz und Diversität nicht nur für Kinder und Jugendliche wie ein Labsal wirkt.

Wenn der Kinderpsychologe Bruno Bettelheim einmal meinte, dass Kinder Märchen für ihre Entwicklung brauchen, so könnte man erweitern: Kinder - und nicht nur die - brauchen ohne Frage den Märchenschatz der Gebrüder Grimm, aber auch Pixar-Filme wie "Luca".

Luca

Genre:
Animation
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
USA / Italien
Regie:
Enrico Casarosa
Länge:
95 Min.
FSK:
ab 0 freigegeben

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.06.2021 | 06:40 Uhr

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