Stand: 15.08.2018 18:00 Uhr

Hamburger Kiezkomödie feiert den Augenblick

So was von da
von Jakob Lass
Vorgestellt von Patricia Batlle

2011 brachte Tino Hanekamp den Roman "So was von da" heraus. Regisseur Jakob Lass hat den Roman nun mit viel Improvisation in Hamburg verfilmt. Die Kiezkomödie über den letzten Abend eines Kiezclubs startet am 16. August im Kino.

"Man muss immer voll da sein, weil es gleich wieder vorbei ist", sinniert Oskar Wrobel. Voll da sein - das fasst gut zusammen, was der junge Held Oskar, gespielt vom Hamburger Niklas Bruhn in seinem ersten Kinofilm, gerade empfindet. Es ist Silvester, sein Club auf St. Pauli soll, Gentrifizierung sei Dank, am nächsten Tag abgerissen werden. Aber vorher muss er noch eine Menge Geld beschaffen, am besten mit vielen Partygästen, weil er jemandem Geld schuldet. Viel Geld.

Hohe Schulden bei Kiezgröße Schwensen

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Pablo (David Schütter) hat wenig Lust, das Geld der Partyeinnahmen gleich weiterzugeben.

"Ich erwarte heute Abend die zehn Mill. Sonst werde ich unangenehm" fordert Kalle Schwensen, der die Schulden eintreiben möchte. Einst hat sich Oskar bei ihm Geld geliehen. Seine Freunde stehen zwar hinter ihm, aber Geschäftsführer Pablo (David Schütter) hat wenig Verständnis dafür, die allerletzten Einnahmen des Clubs abzugeben. "Du kannst ihm die 10.000 aushändigen, zusammen mit deiner Würde, kannst ihm das kredenzen, wenn du magst. Du kannst aber auch warten, bis die Antifa da ist, ein blaues Licht dazu kommt und Karl-Heinz Schwensen weg ist!"

Regisseur Jakob Lass hat den echten Karl-Heinz Schwensen für den Film gewinnen können - nach anfänglichen Schwierigkeiten: "Es war natürlich naheliegend, wenn Karl Heinz-Schwensen schon namentlich im Roman vorkommt, ihn dann auch persönlich zu fragen, und er hat erst einmal abgelehnt".

Unromantisches Treffen mit der Traumfrau

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Mathilda (Tinka Fürst) ist Oskars (Niklas Bruhn) Traumfrau. Das Wiedersehen verläuft aber anders, als erwartet.

Schwensen ist nur eines von vielen Problemen, die Oskar so hat. Die Stunden zum Geldbeschaffen laufen ihm davon, es gilt, sich um die letzte Party zu kümmern, wo auch Oskars berühmt gewordener Freund Rocky (Mathias Bloech) auftreten will, seine verrückte Freundin Nina (Martina Schöne-Radunski) vertraut ihm ein Geheimnis an - und dann taucht auch noch seine Ex-Freundin Mathilda auf. Sie kriegt seine Stimmung voll ab. Ihre flirtende Frage "Findest du es jetzt gut, dass ich hier bin?" verneint er mit der wenig charmanten Antwort: "Heute ist eh schon der ganze Tag so im Arsch, da machst du den Kohl auch nicht mehr fett."

Film feiert den Augenblick und die Freundschaft

Das lässt sich alles natürlich nur mit vielen Drogen aushalten. Und mit lauter Musik. Jakob Lass feiert in seinem Hamburg-Film den Kiez, die Freundschaft, den Rausch und die Intensität des Augenblicks. In vielen Szenen gelingt ihm das, die Kamera taucht im Partygewühl ein, für den tagelang Komparsen in einem echten Hamburger Club gefeiert und Bands gespielt haben, darunter auch Kult-Musiker Bela B. Felsenheimer von den Ärzten. Dieser spielt eine wunderbar mysteriöse Rolle als toter Elvis - und Vater von Rocky.

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Manchmal will der Film aber auch zu viel auf einmal, macht zu viel Drama, wie wenn eine Hamburger Politikerin (Corinna Harfouch, die Rockys Mutter spielt) im Clubfahrstuhl steckenbleibt und ausflippt. Andererseits verzeiht man das dem Film, denn er erzählt aus der Perspektive der jungen Leute, die eben auch alles auf einmal wollen. Die Melancholie schwingt hier immer mit - immerhin verändert sich der Hamburger Kiez, was laut Lass auch daran liegt, "dass viele Clubs sterben müssen, dass viele Clubs weichen müssen, dass die Freiräume immer geringer werden, wo alternative Kultur entstehen und sich entwickeln kann".

Szene aus "So was von da" von Jakob Lass © NDR Foto: DCM / Gordon Timpen

Kinotipp: Jakob Lass Kiezfilm "So was von da"

NDR 90,3 - Kulturjournal -

Jakob Lass hat den Roman "So was von da" über die letzte Nacht eines Kiezclubs mit Improvisation und Wucht in Hamburg verfilmt. Bela B. und eine echte Kiezgröße spielen darin mit.

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So was von da

Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Corinna Harfouch, Niklas Bruhn, David Schütter, Bela B., Karl-Heinz Schwensen
Label:
DCM
Regie:
Jakob Lass
FSK:
ab 16 Jahren
Kinostart:
ab 16. August

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 15.08.2018 | 19:00 Uhr

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