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"Im Westen nichts Neues" steht auf Oscar-Longlist

Stand: 08.12.2022 09:56 Uhr

Edward Bergers "Im Westen nichts Neues" ist die erste deutsche Verfilmung des gleichnamigen Klassikers von Erich Maria Remarque. Der Film steht auf der Oscar-Longlist für den besten internationalen Film.

Felix Kammerer (l.) in einer Szene des Filmes "Im Westen nichts Neues" - eine Netflixproduktion © Reiner Bajo Foto: Reiner Bajo
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von Anna Wollner

And the Oscar goes to: "Im Westen nichts Neues". Der Satz könnte ganz eventuell bei der nächsten Oscar-Verleihung im März 2023 fallen. Der Film des Wolfsburger Regisseurs Edward Berger geht nämlich für Deutschland ins Oscar-Rennen in der Kategorie bester internationaler Film. Nominiert ist er zwar noch nicht, aber immerhin auf der Longlist. Nach kurzer Zeit im Kino steht die Netflix-Produktion seit dem 27. Oktober im Streamingportal.

Erste deutsche Verfilmung des Klassikers von Erich Maria Remarque

Felix Kammerer und Albrecht Schuch in einer Szene des Filmes "Im Westen nichts Neues" - eine Netflixproduktion © Reiner Bajo Foto: Reiner Bajo
Aus der Sicht des jungen Soldaten Paul Bäumer (l.), gespielt von Felix Kammerer, werden die Gräuel des Ersten Weltkrieges geschildert. Hier ist er an der Seite von Albrecht Schuch.

Die Bilder in Edward Bergers Neuauflage von "Im Westen nichts Neues" sind mitunter kaum zu ertragen . Es ist nicht die erste Verfilmung des Klassikers von Erich Maria Remarque, aber es ist die erste deutsche Verfilmung. Die Geschichte handelt von Paul Bäumer, der als junger Gymnasiast von den patriotischen Reden seines Lehrers mitgerissen wird und sich freiwillig als Soldat im Ersten Weltkrieg meldet. Nichtsahnend, was ihn dort erwartet.

Die Brutalität des Krieges wird erzählt aus der Sicht von Paul Bäumer, gespielt vom überragenden Felix Kammerer. Er muss an der an vorderster Frontlinie lernen, was Krieg wirklich heißt.

"Im Westen nichts Neues" ist brandaktuell

Felix Kammerer in einer Szene des Filmes "Im Westen nichts Neues" - eine Netflixproduktion © Reiner Bajo Foto: Reiner Bajo
Edward Bergers Film ist die erste deutsche Verfilmung von Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues".

Der Film will weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Er zeigt einfach das Schonungslose vom Krieg, die Sinnlosigkeit, wie hier hunderttausende Männer geopfert werden. Er ist dreckig, schmutzig, brutal, es gibt minutenlange Nahkampfszenen, das Blut spritzt auf die Kamera und überall ist Schlamm.

Bergers Film ist realistisch und doppelt erschreckend angesichts der aktuellen Entwicklungen des Krieges in der Ukraine. Brandaktuell, so Berger im Interview: "Im Grunde hat sich die Geschichte nicht verändert. Vor 100 Jahren sind die jungen Menschen in den Krieg gezogen und wurden von Demagogen durch Propaganda und Manipulation dazu bewegt, dies mit Begeisterungsstürmen zu tun. So ist es heute auch. Das hat sich nicht geändert."

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Felix Kammerer in einer Szene des Filmes "Im Westen nichts Neues" - eine Netflixproduktion © Reiner Bajo Foto: Reiner Bajo

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Neuer Erzählstrang bremst die Nähe zum Kriegsgeschehen

Daniel Brühl in einer Szene des Filmes "Im Westen nichts Neues" - eine Netflixproduktion © Reiner Bajo Foto: Reiner Bajo
Daniel Brühl verkörpert in Edward Bergers "Im Westen nichts Neues" einen deutschen Diplomaten.

Berger erweitert den Film allerdings um einen Erzählstrang, der im Buch nicht vorkommt: die Friedensverhandlungen zwischen Deutschen und Franzosen zum Waffenstillstand im Zug und die Diskussionen der deutschen Diplomaten - unter anderem Daniel Brühl als Matthias Erzberger - untereinander. Die reale Rahmenhandlung nimmt den Fokus von der emotionalen Fronterfahrung, bremst die Nähe zum Kriegsgeschehen aus. Für Berger ist das allerdings ein erzählerischer Gewinn:

"Diese Verhandlung im Zug wurde hinterher von Nationalisten benutzt, um Matthias Erzberger und generell der Politik die Schuld in die Schuhe zu schieben, dass sie versagt haben und den Krieg verloren haben", so Berger. "Gegen den Willen des Militärs, die einfach sagten, wir hätten ihn auch gewonnen, was natürlich überhaupt nicht stimmte. Das hat am Ende zum Zweiten Weltkrieg geführt und darauf wollte ich ein Schlaglicht werfen, dass das erst der Anfang war."

"Im Westen nichts Neues" beeindruckt dennoch durch seine realistische Inszenierung, die Unmittelbarkeit und Aktualität.

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Im Westen nichts Neues

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2022
Produktionsland:
Deutschland, USA, Vereinigtes Königreich
Zusatzinfo:
Mit Daniel Brühl, Felix Kammerer, Albrecht Schuch, Aaron Hilmer u.v.a.
Regie:
Edward Berger
Länge:
147 Minuten
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
ab 29. September 2022

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 28.09.2022 | 07:55 Uhr

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