"Ich bin dein Mensch": Leben mit Roboter - nervige Perfektion

Stand: 14.07.2021 09:10 Uhr

Im Sci-Fi-Film "Ich bin dein Mensch" von Maria Schrader spielt Maren Eggert eine Frau, die mit einem Roboter zusammenlebt. Der Film ist gut gemacht, glatt, sympathisch - aber auch ein bisschen leer.

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von Katja Nicodemus

Auf den ersten Blick wirkt dieser Ort wie eine ganz normale Bar, in der man sich kennen lernen kann. Paare unterhalten sich, flirten, trinken. Und der Mann, den Alma hier trifft, ist auch noch gutaussehend und zuvorkommend. Und doch geht hier etwas Ungewöhnliches vor, zumindest für uns Zuschauerinnen und Zuschauer des Jahres 2021. Die Kellner und Kellnerinnen der Bar sind Hologramme. Und Almas Date mit dem britischen Akzent verfügt über ungewöhnliche Fähigkeiten: Denn Tom ist ein Roboter in Menschengestalt - ein Liebes- und Beziehungsersatz.

Leben mit Roboter: Nervende Perfektion

Alma, die eigentlich Wissenschaftlerin am Berliner Pergamonmuseum ist, hat sich auf ein Experiment eingelassen, um an Forschungsgelder zu kommen. Drei Wochen lang soll sie mit Tom zusammenleben, seine Fähigkeiten im privaten Alltag auf die Probe stellen. Doch zu Hause merkt Alma schnell, dass ihr die aalglatte Perfektion des künstlichen Mannes auf die Nerven geht. Sie freut sich nicht über ihr von Tom perfekt aufgeräumtes Wohnzimmer, ist irritiert über das geordnete Bücherregal, findet das Champagnerfrühstück mit Erdbeeren genauso albern wie seine romantischen Komplimente.

Maren Eggert spielt großartig die genervte Frau

Genervtheit ist die Grundhaltung von Alma. Diese Genervtheit spielt Maren Eggert großartig in allen Nuancen vom Stirnrunzeln bis zum Ausrasten. Dafür bekam sie auf der vergangenen Berlinale den Preis für die beste schauspielerische Leistung. Die sich sträubende Frau, der mit allen Tricks werbende Mann - Maria Schraders futuristische Beziehungskomödie ruht sich ein wenig zu sehr auf dieser Grundkonstellation aus. Es ist die alte Geschichte der "Widerspenstigen Zähmung", auch wenn Algorithmen im Spiel sind.

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"Ich bin dein Mensch": Gut gemacht, aber auch ein bisschen leer

Alma, die moderne, selbstbewusste Frau, will sich nicht von der Mechanik einer Maschine verführen lassen. Dennoch beginnt sie, sich in Tom zu verlieben. Und zwar ausgerechnet als dieser beginnt, unberechenbar zu werden, Erwartungen auszuhebeln, quasi ein Eigenleben zu entwickeln. Oder beruht auch dieses Verhalten auf perfekter Berechnung?

"Ich bin dein Mensch" variiert das uralte Thema des künstlichen Menschen. Können von einem Roboter vorgespielte Gefühle beim humanen Gegenüber echte Emotionen auslösen? Oder beruhen Almas Gefühle ebenfalls auf einer Täuschung, nur eben einer Selbsttäuschung? Gibt es überhaupt absolute Wahrhaftigkeit in Beziehungen? Um diese Fragen kurvt Schraders Film herum. Und so wirkt diese Komödie letztlich wie ihre männliche Hauptfigur: gut gemacht, glatt, sympathisch - aber auch ein bisschen leer.

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Ich bin dein Mensch

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Maren Eggert, Dan Stevens und Sandra Hüller
Veröffentlichungsdatum:
1. Juli (Kino)
Regie:
Maria Schrader
Länge:
104 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 24.06.2021 | 07:20 Uhr

Die Schauspielerin Maren Eggert hält den Silbernen Bären für ihre Rolle als Anthropologin in Maria Schraders "Ich bin dein Mensch" in der Hand und hält ihn hoch © Tobias Schwarz/Pool AFP/AP/ dpa-Bildfunk Foto: Tobias Schwarz

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