Andreas Mühe im Gespräch © Rabauke Film/Jörg Hermann

Dokumentarfilm erzählt Geschichte der Kunsthalle Rostock

Stand: 02.09.2021 06:00 Uhr

Die Kunsthalle Rostock wurde 1969 eröffnet und ist der einzige Neubau eines Kunstmuseums in der DDR. Auf ihre 50-jährige Geschichte blickt nun der Rostocker Filmemacher Jörg Hermann.

von Axel Seitz

In Rostock gab es seit 1965 die Biennale der Ostseeländer. Doch um die Kunstwerke der Ostseeanrainerstaaten entsprechend präsentieren zu können, fehlten die geeigneten Räume. So entstand die Idee für die Kunsthalle:"Der Bau der Kunsthalle war nicht so: Wir bauen jetzt eine Kunsthalle und dann steht die in zwei Jahren da, sondern das war mit unendlich vielen Schwierigkeiten verbunden,“ erinnert sich der Gründungsdirektor Horst Zimmermann.

Der inzwischen 90-Jährige leitete die Kunsthalle bis 1985 und kommt in dem Dokumentarfilm "Hohe Kunst auf's platte Land" ausführlich zu Wort. Regisseur Jörg Hermann wollte seinen Film eigentlich bereits zum 50-jährigen Bestehen der Kunsthalle 2019 präsentieren. Nach einer ersten Online-Vorstellung bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck im vergangenen November, feiert der Film nun seine Leinwand- und Mecklenburg-Vorpommern-Premiere.

Dokumentarfilm erzählt mit Künstlern und Mitarbeitenden die Geschichte der Kunsthalle

Es ist ein Film mit zweideutigem Namen, so Jörg Hermann: "'Hohe Kunst auf's platte Land' ist einmal eben dieser große Anspruch international wirksam zu sein und anerkannt zu werden, aber andererseits dann diese ganzen lokalen und regionalen Hakeleien und Schwierigkeiten. Und es gab ja vordergründig auch die propagandistische Kunst, die gezeigt und auch gemacht wurde."

In dem Film kommen nicht nur die vielen Leiterinnen und Leiter aus 50 Jahren Kunsthalle zu Wort, sondern auch zahlreiche Künstler wie Norbert Bisky, Andreas Mühe und Günther Uecker, erklärt Hermann: "Ich hab versucht die Künstler ein bisschen repräsentativ auszuwählen - aus den unterschiedlichen Zeiten und den unterschiedlichen Regionen."

Informative Zeitreise durch fünf Jahrzehnte Kunsthalle

Kunsthalle, das heißt aber nicht, dass dieses Museum auf mehr als 50 unbeschwerte Jahre zurückblicken kann. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie das Haus um die Jahrtausendwende in Rostock durchaus auf der Kippe stand, erinnert sich die heutige Kulturamtsleiterin Michaela Selling: "Ende der 90er-Jahre zu Beginn der 2000er der sah es mit der Finanzausstattung für die Museen für den freiwilligen Leistungsbereich Kultur ziemlich mau aus. Es wurde ernsthaft in Erwägung gezogen: Alle Museen können wir uns nicht mehr leisten - wir schließen. Und dann kamen ganz kuriose Verwertungsideen für diese Immobilie - zum Beispiel sollte die damalige Kaufhauskette 1000 Töpfe oder ein Autohaus einziehen." Glücklicherweise kam es dazu nicht.

Die Kunsthalle ist immer noch ein Museum zeitgenössische Kunst, auch wenn das Haus seit dem Frühjahr 2020 geschlossen ist, wegen dringender Sanierungsarbeiten. "Hohe Kunst auf's platte Land" richtet sich nicht nur an Kunstinteressierte und an Rostocker und Rostockerinnen. Regisseur Jörg Hermann ist eine spannende, äußerst informative Zeitreise durch fünf Jahrzehnte Kunsthalle gelungen.

 

Weitere Informationen
Die Kunsthalle in Rostock - eine Außenansicht © Kunsthalle Rostock Foto: Bernd Borchard 2014

Kulturpartner: Kunsthalle Rostock

Die Kunsthalle Rostock zeigt regelmäßig wichtige Positionen der zeitgenössischen Kunst - und begibt sich dabei ständig auf Neuland. extern

 

Hohe Kunst auf's platte Land

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Deutschland
Regie:
Jörg Hermann
Länge:
110 min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 02.09.2021 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

Ein buntes Mosaik aus Einzelbildern von vielen Sängerinnen und Sängern des NDR Chorexperiments © NDR

NDR Chorexperiment: Der Norden singt "Dat Du min Leevsten büst"

Menschen aus ganz Norddeutschland haben dem Volksliedklassiker ihre Stimme gegeben. Das gemeinsame Chorvideo ist jetzt online. mehr