Schauspielerin Melanie Straub rauchend und mit Smartphone auf einer Gartenliege in einer Szene aus dem Film For The Time Being. Copyright: Salka Tiziana © Salka Tiziana Foto: Tom Otte

Starkes Spielfilmdebüt von Salka Tiziana

Stand: 10.02.2021 18:36 Uhr

Im vergangenen Jahr lief auf mehreren Festivals das Spielfilmdebüt einer jungen Hamburger Regisseurin: "For The Time Being" von Salka Tiziana. Nun ist der Film auf dem Streamingportal MUBI zu sehen.

Schauspielerin Melanie Straub rauchend und mit Smartphone auf einer Gartenliege in einer Szene aus dem Film For The Time Being. Copyright: Salka Tiziana © Salka Tiziana Foto: Tom Otte
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von Katja Nicodemus

Dieser Film ist Landschaft, er atmet Landschaft, er versetzt uns in eine Landschaft hinein. In die karge, wüstenhafte Weite der spanischen Sierra Morena. Wann hat man im Kino je Grillenzirpen in so vielen Varianten gehört? Und mit solcher Intensität?

Zu Beginn folgen wir einer jungen Frau und ihren beiden kleinen Söhnen, Zwillingen, in diese hügelige einsame Gegend. Beim Halt am Straßenrand ist sie mit ihrem Telefon zugange. Nach und nach wird klar: Larissa fährt mit ihren beiden Söhnen zu ihrer Schwiegermutter. Offenbar wollte auch der Vater der Kinder nach Spanien reisen. Doch sein Flug, von welchem Ort auch immer, wurde gestrichen. Und so verharrt der Film in einem Gefühl der Offenheit und Ungewissheit zwischen dem weiß getünchten Haus und dem Blick auf den halb ausgetrockneten Stausee im Tal. Er lässt Raum für die Landschaft. Für die Hitze. Für Geräusche, die eine eigene Form der Musikalität entwickeln. Für den Rhythmus des Lebens auf der Finca.

Verbindung zur Welt scheint kaum noch zu existieren

Frau vor einem Pool in einer Szene aus dem Film For The Time Being. Copyright: Salka Tiziana © Salka Tiziana Foto: Tom Otte
Trügerische Ferienidylle am Pool in Spanien.

Eine junge Frau, die das Anwesen bewirtschaftet, bahnt sich mit dem Auto ihren Weg durch eine Kuhherde. Die Tiere lassen sich Zeit. Wurde der Flug des Vaters wirklich gestrichen? Oder ist sein Ausbleiben Zeichen einer Ehekrise? Oder gar einer sich anbahnenden Trennung? Diese Fragen schweben über den Dreien. Aber es sind Ferien. Es ist Hochsommer. Der Pool läuft nur halbvoll, wohl weil er ein Leck hat. Egal, Hauptsache Wasser, Sonne, Taucherbrillen. Das Handy der Mutter ist die einzige Verbindung zu der anderen fernen Welt. Und nicht einmal diese Verbindung scheint noch zu existieren.

Bilder, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt

Gemeinsam mit ihrem Kameramann Tom Otte erschafft Salka Tiziana Bilder, die diesen spanischen Ferienaufenthalt wie eine intensive Erinnerung wirken lassen. Die wenigen Dialoge wirken angenehm träge, wie von der Hitze gedehnt. Die Zeit scheint wegzuschmelzen zwischen der Sonne, den Ockertönen der staubigen Landschaft und dem weißen Pool.

Salka Tiziana wurde in Deutschland geboren und wuchs in Barcelona auf. Sie studierte Film in Hamburg und Buenos Aires. Mit ihrem Spielfilmdebüt "Fort The Time Being" stellt sie sich als im besten Sinne eigenwillige Filmautorin vor. Nach dem Abspann ihres Films glaubt man sich immer noch in der spanischen Landschaft zu befinden. Man sieht den halbleeren Stausee vor sich und hört den Vogel, den man nicht sehen wird. Oder ist es ein anderes Tier? Dafür ist Kino da: Bilder in unserem Kopf zu erzeugen, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

For The Time Being

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Deutschland, Schweiz, Spanien
Zusatzinfo:
mit Melanie Straub, Jon Bader, Ole Bader, Amalia Amián del Pino, Pilar del Pino
Regie:
Salka Tiziana
Länge:
71 Minuten
Kinostart:
11. Februar 2021 auf MUBI

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 11.02.2021 | 07:20 Uhr

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