Schauspielerin Cynthia Erivo als Aretha Franklin in der Serie "Genius Aretha" © picutre alliance / empics Foto: Richard DuCree

Mythos und Erinnerungen: Warum Musikerfilme so beliebt sind

Stand: 03.06.2021 09:00 Uhr

Filme über Musikerinnen und Musiker sind in Mode. Disney+ startet am 4. Juni eine Serie über Aretha Franklin. Welche Filme und Serien demnächst zu sehen sind und warum dieses Genre so boomt - ein Überblick.

von Walli Müller

Es mag am weltweiten Erfolg des Queen-Films "Bohemian Rhapsody" liegen, aber sicher nicht nur: Film-Biografien über große Musiker und Musikerinnen wie Freddie Mercury, Elton John oder Judy Garland sind gerade sehr in Mode. Soul-Sängerin Andra Day porträtierte gerade eindrucksvoll die Blues-Legende Billie Holiday in "The United States vs. Billie Holiday", soeben auf DVD erschienen. Und bei Disney + startet heute eine achtteilige Serie über Aretha Franklin.

Franklin singt Amazing Grace

Das erste Gospel-Solo der 12-jährigen Aretha Franklin - zu erleben in der Serie "Genius Aretha", die von ihrem Weg zur Soul-Queen und in Rückblenden von ihrer problematischen Kindheit erzählt. Es spielt und singt - großartig - Cynthia Erivo, die Oscar-nominierte Hauptdarstellerin des Sklaven-Dramas "Harriet". Kollegin Jennifer Hudson übernimmt den Part dann im Kinofilm "Respect", der Anfang September startet. Aber kann ein Spielfilm mit seinen dramaturgischen Erfordernissen so einer Musik-Legende überhaupt gerecht werden? Nur bedingt, meint der Musik-Journalist Arne Schumacher: "Man kann wirklich nur Einblicke geben. Je nachdem, wie es gemacht wird und mit welcher Intention, kann das auch sehr tief gehen. Und es kann zumindest ein Gefühl geben für den Menschen."

Beeindruckend: Filme über Tina Turner und Ray Charles

Für Arne Schumacher ist eine Star-Biografie dann gelungen, wenn eine Charakter-Zeichnung jenseits üblicher Genie-Klischees gelingt. Die Filme über Tina Turner und Ray Charles haben ihn beeindruckt. Und auch die Elton John-Bio "Rocketman": "Auch die ganz praktischen Dinge, das Instrument spielen zum Beispiel, das Singen, das ist wirklich da exzellent präsentiert worden. Und so weit ich die Geschichte kenne - bis auf einige Dinge, die auch da zurecht gebügelt wurden, gerade auch seine Anfänge als Platten-Künstler - hat es mir sehr gut gefallen. Natürlich hat der Künstler selber auch seine Finger im Spiel gehabt. Der hatte aber ganz offenkundig keine Scheu davor, auch die Schwächen und die Tragödien seines persönlichen Lebens nach außen zu bringen."

Taron Egerton stiehlt Elton John die Show

Immer wieder überraschend: Wie gekonnt die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller in diesen Filmen selbst singen. Mit dem Schauspiel- haben viele zum Glück das Musik-Gen mitbekommen. Taron Egerton etwa, der Elton John glatt die Show stiehlt. Verblüffend authentisch agieren auch Jan Bülow als Udo Lindenberg oder Reneé Zellweger als Judy Garland. Der Oscar war ihr dafür genau so sicher wie Rami Malek für seinen Freddie Mercury-Part in "Bohemian Rhapsody".

Zuschauer wollen hinter den Mythos gucken

Hat man also erst mal die perfekte Besetzung für so einen Star gefunden, ist dem Film Aufmerksamkeit garantiert. Das macht das Genre lukrativ für Produktionsfirmen, die sonst ihr Geld immer lieber in die x-te Fortsetzung stecken als in einen Original-Stoff. Und Film-Fans zieht es ins Kino, weil Bands wie "Queen" Teil ihrer Jugend waren. Weil mit manchem Song Erinnerungen an die erste Liebe oder erste Partys verknüpft sind und der Film entsprechende Nostalgie-Gefühle wach ruft. Arne Schumacher hält aber noch etwas anderes für entscheidend: "Ich glaube ehrlich gesagt, dass diese Filme deswegen gemacht werden und auch so viele Menschen faszinieren, weil man die Möglichkeit hat, hinter den Mythos zu gucken. In der Regel, bis auf wenige Ausnahmen, werden Geschichten mit einer enormen Fallhöhe erzählt, wo eben der triumphale Erfolg zusammengeht mit einer großen persönlichen Katastrophe zum Beispiel."

"The Beatles - Get Back" ab 26. August im Kino

Elvis bietet als Figur natürlich auch diese Tragik. Ein Drama von Baz Luhrmann erzählt demnächst von der Beziehung Elvis Presleys zu seinem umstrittenen Manager, gespielt von Tom Hanks. Zu Weihnachten kommt die Lebensgeschichte von Celine Dion mit ihren schicksalhaften Wendungen in die Kinos. Grandios gescheitert ist offenbar "Stardust" - der Versuch, dem jungen David Bowie filmisch gerecht zu werden. Fans sind schon vom Trailer entsetzt und von der Tatsache, dass die Musik ihres Idols im Film nicht vorkommen darf, weil die Familie die Rechte verweigert hat. Der Todesstoß für jeden Musiker-Film! Da kann man froh sein, dass Yoko Ono und andere Nachlass-Verwalter sich nicht quer gestellt haben bei Peter Jacksons Film-Projekt "The Beatles - Get Back". Allerdings handelt es sich um einen Dokumentarfilm, bei dem nichts durch ein Drehbuch verfälscht werden kann. 56 Stunden unbekanntes Beatles-Film-Material aufzutreiben - allein das ist schon ein Genie-Streich. Auf die filmische Aufbereitung dürfen Fans sich ab 26. August im Kino freuen.

Dokus über Shane McGowan und Roger Cicero

Roger Cicero © Frank Eidel Foto: Frank Eidel
Mit nur 45 Jahren starb der Jazzmusiker Roger Cicero im März 2016 an den Folgen eines Hirninfarkts.

Weitere Dokumentarfilme über Musiker, die demnächst zu sehen sind: "Shane" über den "Pogues"-Frontmann Shane McGowan (Kinostart: 19.8.21) sowie "Cicero" über den verstorbenen Jazz-Sänger Roger Cicero und seinen Vater Eugen (noch ohne Starttermin). Welche Vita Arne Schumacher noch gerne in Spielfilmform sehen würde: "Eine phantastische Geschichte wäre sicherlich die von Phil Collins, weil natürlich auch er offengelegt hat, was er an persönlichen Katastrophen erlebt hat. Peter Gabriel wäre sicher auch eine spannende Figur. Aber mit ihm selber könnte man da nicht kooperieren. Dann würde der Film nie fertig werden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 04.06.2021 | 07:55 Uhr

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