Justin Timberlake und Ryder Allen sitzen in einer Filmszene von "Palmer" nebeneinander. Timberlake hat den Arm um Allen gelegt. © picture alliance/dpa/Apple TV+

Film: "Palmer" - ein Plädoyer fürs Anderssein und Toleranz

Stand: 24.02.2021 09:55 Uhr

Justin Timberlake spielt in "Palmer" einen Mann, der von dem Jungen Sam wider Willen zum Ersatzvater gemacht wird. Nun ist der Film als Stream bei Apple TV+ zu sehen.

von Hartwig Tegeler

Dass Justin Timberlake als ein Multitalent gelten kann, ist nicht unbedingt eine Neuigkeit. Der ehemalige Frontsänger von *NSYNC wandelte sich nicht nur zu einem erfolgreichen Solokünstler, sondern machte auch als Schauspieler seit den 2000er-Jahren eine eindrucksvolle Karriere - beispielsweise in David Finchers Facebook-Film "The Social Network". Jetzt spielt Justin Timberlake im Film "Palmer" einen Mann, der quasi wider Willen zum Ersatzvater gemacht wird und den diese neue Rolle vor ungeahnte Herausforderungen stellt.

Der Protagonist Palmer kommt nach Jahren aus dem Knast, nicht unschuldig, aber ein im Kern ein guter Mensch, der nun in die Gesellschaft zurückfinden muss. Der Film bedient zunächst weitere Klischees: die Szene beim Bewährungshelfer, dann die Jobsuche - alles verläuft für den Ex-Häftling tendenziell erfolglos. Bis Palmer sich dann als Hausmeister in einer Schule bewirbt.

"Palmer" umschifft Klischees einer Erlösungsgeschichte

Die Überraschung dieses Films liegt nicht darin, dass Eddie Palmer den Job als Hausmeister bekommt, sondern dass Regisseur Fisher Stevens die Klischees einer Erlösungsgeschichte auf überraschende Weise umschifft. Palmer trifft auf Sam, den Sohn der Junkie-Frau aus dem Wohnwagen im Garten von Palmers Großmutter und avanciert zum Ersatzvater.

Palmer und Sam, das sind zwei Typen, die - mal abgesehen von ihrem Alter - unterschiedlicher kaum sein könnten. Der Ex-Knacki war auf der Highschool ein Football-Star, aber wegen Raub und Körperverletzung verbrachte er zwölf Jahre hinter Gittern. Ein tougher, harter Typ, der nun erst einmal bei seiner Großmutter unterkommt, und dessen weiche Seite dieser kleine pummelige Siebenjährige instinktiv hervor lockt. Sam ist ganz anders als seine Mitschüler. Er spielt nämlich lieber mit Mädchen als mit Jungen, gerne auch mit Puppen, veranstaltet imaginäre Teepartys und ist Hardcore-Fan einer Prinzessinnen-Serie im Fernsehen. Er lebt also vor allem seine weibliche Seite. Und das mit großer Selbstverständlichkeit.

Justin Timberlake und Ryder Allen - zwei starke Hauptdarsteller

Dieses instinktive Selbstbewusstsein kollidiert allerdings mit Sams "normaler" Umwelt, die von Diskriminierung und Mobbing geprägt ist. Palmer, dem Justin Timberlake im Film eine eindrucksvolle Präsenz gibt, wehrt diese Angriffe auf Sam mal mit Fäusten, mal mit Schlagfertigkeit ab.

Ryder Allen als Sam - entzückend, hinreißend - und Justin Timberlake als Palmer sind zwei wunderbare Buddies. Und im weiteren Verlauf wird diese Geschichte zu einem immer eindrücklicheren Plädoyer fürs Anderssein, für Diversität und Toleranz. Es wird sogar vorstellbar, dass einer wie Palmer die Dämonen seiner Vergangenheit überwinden kann. Ist es eine Überraschung, dass Fisher Stevens' Film uns ein Happy End gönnt? Nein. Gönnen wir Palmer und Sam solch ein Happy End! Gönnen wir uns das Gefühl, das ein gutes Ende in uns erzeugt, wenn uns die Geschichte in die Fänge genommen hat? Na sicher!

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Ein junger Mann steht vor einem roten Hintergrund und wird von hinten angestrahlt. © © Silviu Ghetie Foto: Silviu Ghetie

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Palmer

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
Justin Timberlake spielt in "Palmer" einen Mann, der von dem Jungen Sam wider Willen zum Ersatzvater gemacht wird. Nun ist der Film als Stream bei Apple TV+ zu sehen.
Regie:
Fisher Stevens
Länge:
110 Minuten
FSK:
12
Kinostart:
Ab dem 29. Januar 2021 als Stream bei Apple TV+

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 24.02.2021 | 06:40 Uhr

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