Stand: 09.10.2019 15:21 Uhr

Doku über den gefallenen "Fußballgott" Maradona

Diego Maradona
, Regie: Asif Kapadia
Vorgestellt von Patricia Batlle

Der oscarprämierte Regisseur Asif Kapadia ("Amy") zeigt in seiner Kinodokumentation "Diego Maradona" zwei Seiten des legendären Fußballspielers aus Buenos Aires: zum einen den Privatmenschen Diego und zum anderen den streitbaren internationalen Fußballstar Maradona. Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes. Seit dem 5. September ist die Dokumentation im Kino. Er konzentriert sich auf Maradonnas turbulente Zeit in Neapel und zeigt viele bis dato unveröffentliche Aufnahmen aus dem Leben der Fußball-Legende.

Bild vergrößern
Drei Jahre lang reiste Regisseur Asif Kapadia (links) dem Star Diego Maradona hinterher und führte lange Interviews mit der Fußballlegende.

Noch ein Film über Diego Maradona? Das mag sich mancher Fußballfan angesichts des neusten Kinofilmes über den Sportler fragen. Der schillernde, geliebte und gehasste argentinische Fußballsuperstar war bereits Sujet mehrerer Kinofilme. Zum Beispiel von Emir Kusturica, der Anfang der 2000er-Jahre Maradona jahrelang mit der Kamera begleitete und sich selbst als Künstler und Fan mit in den Mittelpunkt des Filmes stellte. Der Titel: "Maradona by Kusturica" von 2006. Doch wenn der Oscarpreisträger Asif Kapadia einen Dokumentarfilm dreht, lohnt dafür der Gang ins Kino - nicht nur für Fußballfans.

Regisseur Asif Kapadia jagt Maradona quer über den Globus

Der Brite ist bekannt für komplexe Porträts der Sängerin Amy Winehouse ("Amy") und des Sportlers Ayrton Senna ("Senna"). Erstmals porträtiert er mit Maradona einen noch lebenden Sportler, eine Fußball-Ikone. Das Filmprojekt begann er deshalb, weil ihm über einen Produzenten unveröffentlichtes Filmmaterial aus einem Archiv von Maradonas erstem Agenten zur Verfügung gestellt wurde. Nachdem er dem Star jahrelang nach Dubai (wo Maradona während der Dreh- und Schnittarbeiten am Film wohnte) und Argentinien hinterherreiste, gelang es Kapadia, das Okay für den Film und für mehrere Interviews zu kriegen.

Kapadia: "Maradona macht nie das, was man von ihm erwartet"

Anders als bei herkömmlichen Dokumentarfilmen spricht der heute 58-jährige Argentinier jedoch nie in die Kamera. Man hört ihn also nur. Geschickt spiegelt der Filmemacher so, wie schwer es ist, die Person und gleichzeitig die Ikone Diego Maradona zu begreifen. Er sei weder bei der Weltpremiere, noch beim Schneideprozess des Filmes dabei gewesen und habe diesen wahrscheinlich noch nicht gesehen, erzählt Kapadia in einem BBC-Interview: "Das ist Maradona. Er macht nie das, was man vom ihm erwartet."

Aufstieg und Fall von Diego Maradona in Neapel

Start des Filmes ist eine wilde Fahrt am 4. Juli 1984 durch Neapel in einem kleinen Auto. Diego Maradona kommt nach einem spektakulären Wechsel - dem damals teuersten der Fußballgeschichte - vom FC Barcelona in die süditalienische Stadt. Er steigt aus dem Auto und läuft ins Stadion San Paolo, wo ihn die Presse und 80.000 Fans gespannt erwarten. Wie er dort empfangen und später verehrt wird, wie er später auf Fotos mit Familienmitgliedern der Mafia Neapels posiert, wie er im Laufe der Spiele mit seiner Mannschaft gegen die gigantischen Gegner aus dem Norden punktet und seinem Verein SSC Neapel 1987 zum Meistertitel verhilft, wie er mit der argentinischen Nationalmannschaft mithilfe der "Hand Gottes" gegen England gewinnt - nur wenige Jahre nach dem verlorenen Falklandkrieg: All das zeigt der Film. Aber auch: Kokainsucht, Skandale wie das Leugnen der Geburt seines außerehelich gezeugten Sohnes, Steuerschulden und der spätere Gerichtsprozess wegen Drogenbesitzes, der ihn aus dem Land treibt.

Unbekannte Aufnahmen um Maradona

Maradona: "Fußball ist ein Spiel der Täuschung"

So ist der Film einerseits Biografie, andererseits zeigt Kapadia, wie Maradona an seinem Ruhm zerbricht. Von seinem 15. Lebensjahr an ernährt er die aus einem Armenviertel von Buenos Aires stammende Familie als Fußballprofi. "Der Fußball war mein Lieblingsspielzeug. Mein Befreier", sagt Maradona im Film. Andererseits sei Fußball auch ein "Spiel der Täuschung".

Videos
01:09
Sportclub

40 Jahre Sportclub: Maradona in Meppen

Sportclub

1982 schaute die Fußballwelt nach Meppen. Warum? Der Argentinier Diego Armando Maradona absolvierte in einem Freundschaftsspiel bei Oberligist SV Meppen seinen ersten Einsatz im Dress des FC Barcelona. Video (01:09 min)

Der Regisseur will ein breites Publikum erreichen: "Ich zeige in der ersten Hälfte, wie dieser junge Fußballspieler an die Spitze will, der beste Fußballspieler der Welt sein will. Der zweite Teil ist fast ein Gangster-Film", so Kapadia, der auch zahlreiche ehemalige Wegbegleiter des Sportlers zu Wort kommen lässt. Etwa Maradonas Ex-Frau und Mutter der beiden gemeinsamen Töchter, Claudia Villafañe, die auch viel privates Videomaterial für die Doku freigab. Ein sehenswerter und packender Film, der von der Kinofachpresse viel Lob erhält. Und auch vom Chefredakteur des Fußballmagazins "11 Freunde" Philipp Köster, der auf seinem Twitter-Account schreibt: "Diego Maradona" sei ein "grandioses Stück Fußball Zeitgeschichte".

 

Diego Maradona mit seiner Tochter im Stadion Sao Paolo von Neapel, wo er damals gespielt hat, auf dem Spielfeld - Szene aus dem Dokumentarfilm "Diego Maradona" von Asif Kapadia © Renato Carbone/DCM Foto: Renato Carbone

Dokumentarfilm über Diego Maradona im Kino

NDR Kultur -

Seit dem 5. September läuft der Dokumentarfilm "Diego Maradona" des britischen Regisseurs Asif Kapadia im Kino. Er zeigt die zwei Seiten des legendären Fußballstars.

5 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

 

Diego Maradona

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Diego Armando Maradona, Diego Maradona Jr., Claudia Villafañe, Cristina Sinagra, Corrado Ferlaino
Regie:
Asif Kapadia
Länge:
130 Minuten
FSK:
ab 12 Jahren
Kinostart:
5. September 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 06.09.2019 | 09:30 Uhr

Mit Maradona in Meppen

Vor gut 30 Jahren hat Meppen Fußballgeschichte geschrieben: Am 3. August 1982 feierte Diego Armando Maradona sein Debüt als Spieler eines europäischen Clubs - Barcelona gastierte im Emsland. mehr

Weitere Kinoneustarts der Woche

DDR-Drama im Kino: "Und der Zukunft zugewandt"

Der Film "Und der Zukunft zugewandt" mit Alexandra Maria Lara als überzeugte Kommunistin Antonia Berger zeigt einen ambivalenten Blick auf die ehemalige DDR. mehr

Hübsche Provinzkomödie über Deutschland der 80er

"Petting statt Pershing" ist eine hübsche Provinzkomödie über das Sponti-Deutschland der 80er-Jahre. Es geht unter anderem um Friedensbewegung, Pazifismus und sexuelle Befreiung. mehr

Die Kinostarts der Woche

Neu im Kino zu sehen: Diane Kruger spioniert für den Mossad, Emma Thompson gibt die scharfzüngige Talkmasterin, Louis Hofmann spielt Klavier - und Playmobilfiguren erleben wilde Abenteuer. mehr

Mehr Kultur

28:40
NDR Fernsehen
28:40
NDR Fernsehen
28:43
NDR Fernsehen