Andy Garcia (als Vincent Mancini) und Sofia Coppola (als Mary Corleone), vorne mitte, in einer Gruppenszene in "Der Pate III" von Francis Ford Coppola © imago images / Mary Evans

Coppola: "Der Pate - Epilog: Der Tod von Michael Corleone"

Stand: 17.12.2020 06:00 Uhr

Mit "Der Pate - Epilog: Der Tod von Michael Corleone" legt Francis Ford Coppola eine Neu-Bearbeitung von "Der Pate III" vor. Der Film ist auf Streaming-Angeboten zu sehen - und hat einen neuen Anfang.

von Katja Nicodemus

Dieser Film ist eher ein großes düsteres Tableau als ein Mafia-Epos. Im Chiaroscuro, im Spiel von Licht und Schatten, ist "Der Pate III" das Psychogramm und Stimmungsbild seiner Hauptfigur Michael Corleone, gespielt von Al Pacino.

Am Ende der großen Paten-Saga über Korruption und Machtstreben, Loyalität und Verrat, will Michael Corleone die Geschäfte der Familie in die Legalität überführen.

Szene mit korruptem Erzbischof in neuer Fassung gleich am Anfang

Wie gerufen kommt da ein Angebot von klerikaler Seite: Die Familie Corleone soll mehrere Hundert Millionen Dollar in eine vom Vatikan gesteuerte Aktiengesellschaft namens Immobilliare stecken. Die Szene, in der Michael mit einem korrupten Erzbischof über die Transaktion verhandelt, kam in der Originalfassung nach etwa einer halben Stunde Film. In der von Francis Ford Coppola neu geschnittenen Fassung steht sie direkt am Anfang.

Fortsetzung mit Sofia Coppola war 1974 nicht geplant

Eigentlich wollte Coppola nach dem überwältigend erfolgreichen, mit drei Oscars ausgezeichneten ersten Patenfilm aus dem Jahr 1972 keine Fortsetzung drehen. Die Produktionsgesellschaft Paramount überredete ihn jedoch zu einem weiteren Teil, der 1974 herauskam und nicht minder erfolgreich war. Damit sollte es eigentlich endgültig genug sein.

Doch nach zwei gefloppten Filmprojekten waren es finanzielle Probleme, die Coppola seine Meinung noch einmal ändern ließen: 1989 begannen die Dreharbeiten zum dritten Teil. Für die Rolle von Michael Corleones Tochter Mary sprang kurzfristig Sofia Coppola, die Tochter des Regisseurs, ein.

"Der Pate III" neu in 2020: Neuer Anfang und neues Ende

Der US-Regisseur Francis Ford Coppola bei einer Pressekonferenz in Spanien © J.L.Cereijido /EFE /epa /dpa
Francis Ford Coppola hat Teile von "Der Pate III" neu eingespielt.

Sofia Coppolas schauspielerische Leistung wurde von der Kritik gnadenlos verrissen. Francis Ford Coppola erschien es so, als habe man die Unzufriedenheit mit seinem Film auf unfaire Weise auf seine Tochter projiziert. Auch das mag einer der Gründe sein, weshalb er noch einmal Hand anlegte.

Wie genau unterscheidet sich nun seine neue Schnittfassung von der vorhergehenden? "Der Pate - Epilog: Der Tod von Michael Corleone" hat nicht nur einen neuen Titel und einen neuen Anfang, sondern auch ein anderes Ende, das hier aber nicht verraten werden soll. Der neue Film ist rund zehn Minuten kürzer, was sich insgesamt durch einen fließenderen Rhythmus bemerkbar macht. Außerdem wurde die Musik neu arrangiert.

Das Buch "Der Pate" liegt neben einer Schreibmaschine. © NDR Foto: Simone Nebelsieck

AUDIO: "Ein Angebot, das er nicht ablehnen kann..." (15 Min)

Francis Ford Coppolas Arsenal an Kino-Todesarten

Das Wesentliche aber bleibt vertraut: die düstere Atmosphäre, die fatalen Verstrickungen der Corleone-Familie, das Geflecht aus Freund und Feind. Da ist Michael Corleones Neffe Vincent, ein Heißsporn, der am liebsten alle Konkurrenten des Clans aus dem Weg räumen würde. Da sind Al Pacinos Augenringe, die sich mit jeder Szene tiefer in sein Gesicht zu graben scheinen. Bis Michael Corleone bei seiner Beichte zusammenbricht. Da ist das Arsenal der Todesarten: In Coppolas Film werden Menschen erstochen, mit Süßigkeiten vergiftet, über Treppengeländer geworfen, mit Pistolen und Maschinengewehrsalven getötet.

Meisterliches Spiel mit Vorder- und Hintergründen

Begeisternd ist Coppolas Kunst, Menschen im Bild zu choreographieren. Bei den Feiern der Corleones, beim Treffen der Mafia-Bosse. Meisterlich ist sein Spiel mit Vorder- und Hintergründen, seine Fähigkeit, Figuren beiläufig zu einem lebendigen Reigen zu formieren und plötzlich einzelne Figuren herauszuheben.

"Der Pate III" ist Musik in Bildern, eine große Moll-Symphonie über die Macht und ihre Hinfälligkeit. Francis Ford Coppola hat Teile dieser Kino-Symphonie neu eingespielt. Das ist sein gutes Recht, aber wirklich nötig war es nicht.

Der Pate - Epilog: Der Tod von Michael Corleone

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
1990/ 2020
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
von Mario Pouzo mit Sofia Coppola, Al Pacino, Andy Garcia, Talia Shire, Diane Keaton
Label:
Paramount
Regie:
Francis Ford Coppola
Länge:
152 Minuten
FSK:
ab 16 Jahren
Kinostart:
Dezember 2020 (Streaming in Deutschland)

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 17.12.2020 | 07:20 Uhr

Komponist der Filmmusik von "Der Pate"-Trilogie

Podcast Info Zeitzeichen Mediathekbild © plainpicture
14 Min

Geburtstag Nino Rota

Stichtag 03. Dezember 1911: Der Geburtstag des italienischen Komponisten Nino Rota 14 Min

Mehr Kultur

Folge 24: Alisa und ihre Freunde haben einen neuen Plan © Lemming Film

"Die Erben der Nacht" Staffel 2: Die Vampir-Serie geht weiter

Worum geht es in Staffel 2 der Teenie-Vampir-Serie? NDR Redakteurin Sandra Le Blanc-Marissal verrät Details und Hintergründe. mehr

Das Nima-Quartett © Nima Quartett Foto: Jan Larsen

Heute im Livestream: Kammerkonzert mit Beethoven und Schubert

Das Nima Quartett - bestehend aus Mitgliedern des NDR Elbphilharmonie Orchester - spielt Werke von Beethoven und Schubert. Video-Livestream

Die Hamburger Sängerin Zoe Wees bei einem Auftritt © picture alliance / Geisler-Fotopress | Ulrich Stamm/Geisler-Fotopress Foto: Ulrich Stamm

Zoe Wees: Hamburger Musikerin tritt in US-Late-Night-Show auf

Die junge Hamburger Sängerin ist am Dienstag in der US-"Late Late Show" bei James Corden aufgetreten. mehr

Eine Hand liegt an den Reglern eines Ton-Mischpults während einer Veranstaltung © imago images / Addictive Stock Foto: Ramón López

Aktion "Backstage-Helden": Anträge noch bis Freitag möglich

Menschen, die hinter der Bühne arbeiten, trifft Corona besonders schwer. Die Aktion "Backstage-Helden" will helfen. mehr