Szene aus dem Animationsfilm "Josep" © Les Films d'Ici Méditerranée

Animationsfilm "Josep" über spanischen Künstler

Stand: 08.04.2021 11:43 Uhr

Der spanische Künstler Josep Bartoli arbeitete mit Frida Kahlo in zusammen. Über ihn hat der französische Cartoonist Aurel einen Animationsfilm über Bartoli gemacht.

von Hartwig Tegeler

1939 an der Nordgrenze Spaniens. Franco hat den Spanischen Bürgerkrieg gewonnen. Eine halbe Million republikanischer Kämpfer sucht Zuflucht in Frankreich. Am Anfang sind Männer zu sehen, die sich im Schnee zur Grenze schleppen.

Wir sehen in "Josep" grob gezeichnete Figuren, animiert in hakeligen Bewegungen. Keine Pixar-Perfektion. Einer von ihnen ist Josep. Nun landet er im französischen Internierungslager. Die Situation in diesen französischen Lagern ist grauenhaft, denn die Internierten sind sich selbst überlassen, ihrem Hunger und medizinischer Unterversorgung.

Regisseur Aurel zeichnet in "Josep" das Grauen des spanischen Bürgerkrieges

In wenigen Strichen zeichnet Regisseur Aurel in "Josep" dieses Grauen nach.  Wobei "Nachzeichnen" keine Metapher, sondern den minimalistischen Zeichenstil bezeichnet, mit der Cartoonist von "Le Monde", mit bürgerlichem Namen Aurélien Froment, seine Geschichte animiert.

Im Film dann ein Schnitt von den 1930er-Jahren in die Jetztzeit. "Du hättest mich damals nicht erkannt", sagt der alte Mann zu seinem Enkel, dem er seine Geschichte von damals erzählt. Serge, französischer Gendarm, bewachte die internierten Spanier, auch Josep, den Zeichner und Maler.

Freundschaft zum Wachmann sichert Überleben

Der Film ist natürliche auch eine Verbeugung vom Zeichner Aurel vor seinem alten Kollegen. Er erzählt vom Schicksal des Künstlers Josep an diesem Ort des Grauens und er erzählt von der sich langsam entwickelnden Freundschaft zum Wachmann Serge, der Josep Papier und einen Stift zusteckt.

Später wird Serge Josep die Flucht aus dem Lager ermöglichen. Aber Serge wird auch den Nazis bei der Deportation der Juden unter den Internierten in die KZs verhelfen, und wieder später kämpft er als Mitglied der Résistance. "Josep", der Film, erzählt also von Brüchen, hellen und dunklen Seiten eines Menschen.

Film über die Ungenauigkeiten des Älterwerdens

Aurels Film ist ein Film über unsere Erinnerungen, die immer ungenauer werden mit den Jahren. So ist bei Serges Erzählungen gegenüber seinem Enkel mitunter nicht klar, ob der alte Mann in die Erfahrungen des spanischen Freundes quasi "rutscht". Erinnert Josep sich an Serge? Oder erinnert sich Serge selbst durch seine Erinnerung an Josep?

Das Biopic "Josep" über den bei uns weitgehend unbekannten Künstler Josep Bartoli ist vor allem aber der wunderbare Beweis dafür, dass es für eine große Geschichte manchmal nicht mehr als nur ein paar Striche, wenige Farben, dazu Ton und Musik braucht, und schon entsteht die Kraft einer Erzählung.

Mit Comic-Stil über Grenzen und Zeiten hinweg

Auf eindrucksvolle Weise inszeniert Filmemacher Aurel seinen Animationsfilm mit Bildern im Comic-Stil. Und schafft es, Zeiten und Grenzen zu überspringen hinein in den Diskurs unserer Zeit, wo Menschen - geflüchtet vor Krieg und Gewalt - wieder in Lagern leben.

"Josep" ist auf dem Arthouse-Streaming-Dienst MUBI und als VideoOnDemand bei amazon, iTunes oder Google Play zu sehen.

Josep

Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Frankreich, Spanien, Belgien
Regie:
Aurel

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.04.2021 | 07:20 Uhr

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