Szene aus dem Dokumentarfilm "Alles ist eins. Ausser der 0." © Polyfilm

"Alles ist Eins. Außer der 0.": Hommage an Wau Holland

Stand: 31.07.2021 08:00 Uhr

Der Dokumentarfilm "Alles ist Eins. Ausser der Null." erzählt von den Anfängen des Chaos Computer Clubs (CCC) und von seinem Gründer Herwart Holland-Moritz.

von Bettina Peulecke

"Ein Hacker ist ein Mensch, der sich nicht nur von der Oberfläche anmachen lässt, sondern versucht, gerade beim Umgang mit Techniken, herauszufinden, was man sonst noch damit machen kann. Kreativer, schöpferischer Umgang mit Techniken."

Der Mann, der das sagt, hat ein rundliches, bärtiges Gesicht, freundlich, oft schelmisch aufblitzende Augen und ist von einnehmend sympathischer Aufgeschlossenheit. Nicht unbedingt das, was man sich gemeinhin unter einem Computer-Nerd vorstellt. Herwart Holland-Moritz, besser bekannt als Wau Holland, war der Mitbegründer des CCC. Er schrieb eine Technik-Kolumne für die "taz", und war Aktivist. Vor 20 Jahren starb er. Die Dokumentation "Alles ist Eins. Ausser der 0." ist so etwas wie ein Rückblick auf sein Lebenswerk.

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Der Computer: Das perfekte Werkzeug

Aus dem spielerischen Umgang mit den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten wird plötzlich ernst. Systemschwächen werden aufgedeckt, den Hackern wird kriminelle Energie unterstellt. Der nicht gänzlich aufgeklärte Tod des Hackers Karl Koch, der mit dem KGB zusammengearbeit hat, erschüttert den CCC. Der Erzähler in "Alles ist eins. Ausser der 0." nennt den KGB-Hack "die Vertreibung aus dem Hackerparadies".

Steffen Wenéry, einer der ersten Sprecher der sich prominent in Szene zu setzen wusste, macht zum Beispiel wiederholt klar: "Was wir machen, ist eigentlich gar nicht das, was uns immer vorgeworfen wird, also das Eindringen in Rechner. Da sind wir eher als Vermittler zwischen Hackern, der Öffentlichkeit und Systembetreibern tätig, sondern eher im publizistischen Sinne. Dass wir zum Beispiel eine eigene Zeitschrift haben, wo wir über solche Sachen berichten, wie Aufbau von Netzwerken und so was.

Dazu gehört auch Aufklärung - darüber, was man mit Computer machen konnte und was man nicht machen sollte. Und eines war von Anfang an klar, so Linus Neumann, selbst Hacker, Berater für IT-Sicherheit und einer der Sprecher des CCC: "Noch bevor wir überhaupt ein Internet für die Allgemeinheit hatten, war klar, das wird das perfekte Werkzeug für zentralisierte Kontrolle, Macht und Überwachung, oder das perfekte Werkzeug dagegen. Und es liegt in unseren Händen, was wir daraus machen."

"Alles ist Eins. Ausser der 0.": Ein aufschlussreiches Zeitdokument

Was mit und über das Internet verbunden ist, wer was nutzt und über die Konsequenzen wird heute viel diskutiert. Und darum geht es in der zweiten Hälfte des Films, die sich mehr mit der Gegenwart beschäftigt.

"Ich habe Wau nicht mehr kennengelernt. Aber ich frage mich, ob er eigentlich alle Konflikte, alle Kämpfe, alle gesellschaftlichen Herausforderungen, die wir haben würden, vorhergesehen hat. Oder war er selber auch irgendwann überrascht?", sagt Linus Neumann. Die Antwort darauf gibt Wau Holland in der Dokumentation selbst: Virtuell ist nie Ersatz für menschliches Erleben.

"Alles ist Eins. Ausser der 0." ist eine Hommage an Wau Holland, ein aufschlussreiches Zeitdokument und auch der Appell an die Nutzung der eignen Speicherkapazitäten.

Alles ist eins. Ausser der 0.

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Wau Holland, Steffen Wernéry, Andy Müller-Maguhn
Veröffentlichungsdatum:
29. Juli
Regie:
Klaus Maeck, Tanja Schwerdorf
Länge:
90 Minuten
FSK:
ab 6 Jahre

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