Der Palais des Festival mit dem Plakat der 74. Internationelen Filmfestspiele Cannes © picture alliance / ASSOCIATED PRESS Foto: Brynn Anderson

Filmfestival Cannes mit sensationellem Programm gestartet

Stand: 06.07.2021 15:46 Uhr

Der 6. Juli war ein großer Tag für die internationale Kinowelt: Die Internationalen Filmfestspiele von Cannes wurden eröffnet. Wir stellen die Highlights vor.

Im vergangenen Jahr musste das Großereignis an der Côte d’Azur ausfallen, in diesem Jahr wurde es vom Mai in den Juli geschoben. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn das Programm ist sensationell. Eröffnet werden die 74. Internationalen Filmfestspiele heute Abend mit dem Musicalfilm "Annette" des französischen Regisseurs und Enfant terrible Leos Carax ("Holy Motors", "Die Liebenden von Pont Neuf"). In den Hauptrollen sind Adam Driver als Stand-up-Comedian und Marion Cotillard als weltberühmte Sopranistin zu sehen. Ihre zweijährige Tochter Annette hat eine mysteriöse Begabung.

In Hamburg gedreht, in Cannes im Wettbewerb: "The Story of My Wife"

Regisseurin Ildiko Enyedi gewinnt den Goldenen Bären der Berlinale für ihren Film "On Body and Soul" © picture alliance/AP Photo Foto: Mohai Balázs
Die Regisseurin Ildiko Enyedi wurde 2017 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. In Cannes präsentiert sie ihren neuen Film "The Story of my Wife".

Zwar ist in diesem Jahr kein deutscher Beitrag auf dem Festival vertreten, doch einer der Wettbewerbsfilme führt direkt nach Norddeutschland. Mit "The Story of My Wife" tritt die ungarische Berlinale-Gewinnerin Ildikó Enyedi (Goldener Bär für "Körper und Seele") in Cannes an. Die europäische Koproduktion mit Hauptdarstellerin Léa Seydoux wurde 2019 unter anderem an historischen Schauplätzen in Hamburg gedreht. Der Film erzählt die Geschichte eines Kapitäns, der aus einer Laune heraus mit seinem Freund wettet, dass er die erste Frau, die das Café betritt, heiraten werde. Die französische Schauspielerin Léa Seydoux ist noch in weiteren Filmen in Cannes in der Hauptrolle zu sehen sein, etwa in "France" von Regisseur Bruno Dumont und der Philip-Roth-Adaption "Tromperie" des Altmeisters Arnaud Desplechin.

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Léa Seydoux (von links als Lizzy), Regisseurin Ildikó Enyedi und Schauspieler Gijs Naber (Jacob Störr) am Hamburger Set von  "The Story Of My Wife" - hier zu sehen auf der Straße Alter Wandrahm © Hanna Csata

Cannes: Enyedis in Hamburg gedrehtes Drama geht leer aus

Das Filmfest Cannes ging am Sonnabend zu Ende. Ildikó Enyedis in Hamburg gedrehter Historienfilm lief dort im Wettbewerb. mehr

Tilda Swinton spielt in Apichatpong Weerasethakuls "Memoria"

2010 gewann der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakuls für "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben" die Goldene Palme. In diesem Jahr legt er mit "Memoria" seinen ersten englischsprachigen Film vor. Darin spielt Tilda Swinton eine Orchideenzüchterin, die ihre kranke Schwester in Bogota besucht. Dort freundet sie sich mit einem französischen Archäologen (Jeanne Balibar) und einem jungen Musiker (Elkin Diaz) an. Jede Nacht wird sie von immer lauter werdenden Knallen gestört, die sie daran hindern, einzuschlafen. Hinter dem Film steht die Kölner Produktionsfirma "The Match Factory".

Einen weiteren Auftritt hat Cannes-Liebling Swinton in Wes Andersons Episodenfilm "The French Dispatch", der nun endlich in Cannes zu sehen sein wird, nachdem er schon 2020 für das Festivalprogramm vorgesehen war und der offizielle Kinostart mehrere Male verschoben werden musste.

Auf den Spuren Ingmar Bergmans

Die französische Regisseurin Mia Hansen-Løve schickt in ihrem siebten Spielfilm "Bergman Island" ein amerikanisches Filmemacher-Paar auf Pilgerreise zum Haus von Ingmar Bergman auf die Insel Fårö, um dort inspiriert vom Geist des großen Regisseurs an einem Drehbuch zu arbeiten. In den Hauptrollen spielen Vicky Krieps und Tim Roth.

Neue Filme von Sean Penn, François Ozon, Paul Verhoeven und Kirill Serebrennikov

Sean Penn (REgisseur) am Set seines Filmes "Flag Day" in Winnipeg. © picture alliance/AP Images | John Giavedoni/Star Max/Ipx
"Flag Day" ist bereits Sean Penns siebte Regiearbeit. Hier ist er am Set des Films in Winnipeg zu sehen.

Zwei weitere gern gesehene Besucher des Festivals kehren 2021 ebenfalls nach Cannes zurück. Sean Penn präsentiert eine Coming-of-Age Geschichte, in der er selbst an der Seite seiner Tochter Dylan die Hauptrolle spielt. "Flag Day" beruht auf den Memoiren der US-Amerikanerin Jennifer Vogel, die darin ihr Leben als Kind eines kriminellen Vaters beschreibt, der ein Doppelleben als Räuber, Betrüger und Geldfälscher führt.

François Ozons neuer Film ist mit Sophie Marceau, Charlotte Rampling und Hanna Schygulla wie immer hochkarätig besetzt. "Everything Went Fine" ist eine Adaption von Emmanuele Bernheims autobiografischer Erzählung. Nach einem Schlaganfall ist Emmanuéles Vater auf die Hilfe anderer angewiesen. Daraufhin bittet er seine Tochter um Sterbehilfe.

Schon für Cannes 2020 vorgesehen war auch Paul Verhoevens Film über eine lesbische Nonne im 17. Jahrhundert. Mit "Benedetta" ist er nach seinem Erfolg mit "Elle" 2016 nun wieder zu Gast in Cannes. Virginie Efira, Charlotte Rampling, Daphné Patakia und Lambert Wilson spielen in dieser auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte, die inspiriert ist von den Recherchen der Historikerin Judith C. Brown. 1986 veröffentlichte Brown ein Buch über den Fall der Nonne Benedetta Carlini, die wegen eines lesbischen Verhältnisses verurteilt und eingekerkert wurde und dessen Akten Brown nach 350 Jahren wieder entdeckt hatte.

Nicht vor Ort sein wird der seit Juni 2020 in Russland inhaftierte Filmemacher Kirill Serebrennikow. Sein Film "Petrov's Flu" wird ebenfalls im Wettbewerb gezeigt.

 

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Das Festival-Palais in Cannes © picture alliance / abaca Foto: Urman Lionel

Cannes: "Filmfestspiele können aus dem Vollen schöpfen"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 06.07.2021 | 19:00 Uhr

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