Filmfest Hamburg: Weniger Filme, viel Prominenz

Stand: 29.09.2020 10:42 Uhr

Stars wie Moritz Bleibtreu haben ihre neuen Filme bereits vorgestellt. Noch bis Sonnabend läuft das Festival. Etwa die Hälfte der Filme stehen online zur Verfügung.

von Patricia Batlle und Daniel Kaiser

Stars wie Moritz Bleibtreu haben ihre neuen Filme bereits vorgestellt. Noch bis Sonnabend läuft das Festival - teils online.Mit einem kompakten Programm von 76 Filmen bietet das Filmfest Hamburg seit Donnerstag einen Einblick auf das Filmschaffen weltweit. Es ist eines der ersten größeren deutschen Filmfestivals seit Beginn der Corona-Pandemie. In fünf Hamburger Kinos sind die Produktionen zu sehen. Aufgrund der Corona-Platzbeschränkungen in den Kinos werden für einige Produktionen auch Streamingtickets angeboten. Viele Regisseurinnen und Regisseure sowie Schauspielerinnen und Schauspieler sind dennoch zur Premiere ihres Films nach Hamburg gekommen.

Moritz Bleibtreu feiert Premiere mit Psychothriller "Cortex"

Das Filmfest hat mit Oskar Roehlers Drama "Enfant Terrible" begonnen - ein Film über einen Riesen der deutschen Filmgeschichte: den Autor und Regisseur Rainer Werner Fassbinder. Es ist für Festival-Chef Albert Wiederspiel genau der richtige Paukenschlag zum Start. "Der Film wird polarisieren. Das wissen wir. Aber ich finde, das gehört auch zu einem Festival. Es muss nicht immer nur alles 'Friede-Freude-Eierkuchen' sein". Als Gäste beim Festival waren beim Eröffnungsabend Regisseur Oskar Roehler und Hauptdarsteller Oliver Masucci sowie Peter Lohmeyer, Victoria Trauttmansdorff und Alexander Scheer. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher sagte zur Begrüßung: "In diesen schwierigen Zeiten ist das Filmfest wie ein Leuchtturm".

Bei weiteren Festivaltagen werden prominente Gäste wie Regisseur und Autor Fatih Akin, der seine restaurierte Kopie des Erstlings "Kurz und schmerzlos" zeigen wird, beim Festival erwartet. Am Freitag feierte Moritz Bleibtreu Weltpremiere mit seinem Psychothriller "Cortex", der in Hamburg gedreht wurde.

VIDEO: Bleibtreus Regiedebüt "Cortex" feiert Premiere (3 Min)

Filmfest Hamburg mit Hälfte der üblichen Filme im Programm

Insgesamt 76 Filme sind im Programm des Filmfest Hamburg. Das sind etwa die Hälfte der Produktionen, die sonst gezeigt werden. "Wir haben früh entschieden, dass wir 50 Prozent von der normalen Anzahl von Filmen haben", so Wiederspiel am Dienstag. Seit 18 Jahren leitet er das Festival - und hat sich sein Jubiläum anders erträumt: "Ich hätte mir ein schöneres Jubiläum gewünscht, aber ich finde, wir machen das Beste draus und sehen das Ganze positiv. Wir haben einen Weg gefunden, um es für alle doch attraktiv zu machen. Ich hoffe, dass das Publikum folgen wird."

Viele Filme online bei "Streamfest Hamburg" zu sehen

Das digitale Angebot sei "für diejenigen, die noch nicht bereit sind, ins Kino zu gehen, oder für die, die keine Tickets bekommen haben - weil wir dieses Jahr nicht so viele Tickets verkaufen." Sie könnten die Filme zu Hause streamen. Etwa die Hälfte des Programms stehe online zur Verfügung. Und nicht nur das - auch Gespräche mit den Gästen des Festivals, und alles was das Filmfest eben ausmache, werde ins Digitale verlegt, so der Filmfestleiter. "So kann man von zu Hause auch einen guten Eindruck vom Filmfest Hamburg bekommen."

Viel Norddeutsches in der Fernseh-Sektion

In der Fernseh-Sektion werden viele Filme mit norddeutschem Bezug gezeigt. Darunter "Sörensen hat Angst" mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle. Bei der Verfilmung des Romans von Sven Stricker führt Mädel erstmals auch Regie. Wie es dazu kam, hat er im Gespräch mit NDR.de verraten.

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Schauspieler und Regisseur Bjarne Mädel (m.) kniet beim Filmfest Hamburg mit Filmhund Cord ein belgischer Schäferhund der Rasse Lekonois - bei der Premiere seines Regiedebüts "Sörensen hat Angst" © Georg Wendt/ dpa Bildfunk Foto: Georg Wendt

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Abschlussfilm "Nomadland" - Gewinner des Goldenen Löwen

Aber auch in diesem Jahr kommen Top-Filme aus der ganzen Welt nach Hamburg. Mit dabei ist der Abschlussfilm "Nomadland" von Chloé Zhao mit der Oscar-Preisträgerin Frances McDormand in der Hauptrolle. Die Produktion ist jüngst beim Filmfest Venedig gelaufen und hat dort den wichtigsten Preis - den Goldenen Löwen - erhalten.

Auch aus dem Ausland werden vereinzelt Regisseure der Filme zu Gast in Hamburg erwartet - trotz Corona. Etwa der Grieche Christos Nikou mit seinem Film "Apples" und die Französin Suzanne Lindon mit dem Familienfilm "Frühling in Paris". Außerdem laufen viele Dokumentationen in mehreren Sektionen - darunter ein Porträt der Umweltaktivistin Greta Thunberg sowie ein politischer Film über den Wahlkampf in den USA. Der Film "Im Wahn - Trump und die Amerikanische Katastrophe" von den Edelfedern Stephan Lamby und Klaus Brinkbäumer werde erst kurz vor Festivalbeginn fertig, sagt Friedemann Beyer, Leiter der Fernsehsparte des Festivals.

Nur ein Preis wird vergeben: der Publikumspreis

Auf Preise verzichtet das Festival dieses Jahr fast komplett - bis auf den mit 5.000 Euro dotierten Publikumspreis. "Alle Leute, die zu uns kommen, sind eine Jury", erklärt Wiederspiel. Abgestimmt werden kann nach den Vorführungen vor Ort und online.

Das Festival empfiehlt, den Online-Kartenvorverkauf zu nutzen. Einige Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

 

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Stars wie Moritz Bleibtreu haben ihre neuen Filme bereits vorgestellt. Noch bis Sonnabend läuft das Festival - teils online.

Art:
Fest
Datum:
Ende:
Ort:
verschiedene Kinos in Hamburg, vereinzelte Filme werden auch online gestreamt mit Ticket

Telefon:
(0180) 6000 700
Preis:
Normalpreis 9,50 Euro, Nachmittagsticket 6 Euro, Streaming-Ticket 7 Euro, für Ermäßigungen siehe Website des Filmfests
Kartenverkauf:
Bei Buchungen von Tickets über die Hotline fällt pro Buchung eine Gebühr von 2 EUR an.
Im Levantehaus: Mönckebergstraße 7, 20095 Hamburg
Mo-Fr 11 - 19, Sonnabend 10 - 18
Ab Freitag, 25. September auch im CinemaxX Dammtor
Kein Umtausch und keine Umbuchung möglich.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 24.09.2020 | 19:00 Uhr

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