Stand: 11.06.2018 10:55 Uhr

Filmfest Emden: NDR Filmpreis an Familiendrama

Bild vergrößern
Spielen in "Verlorene" zwei Schwestern: Maria Dragus (links) und Anna Bachmann.

Der Regisseur Felix Hassenfratz hat für seinen Film "Verlorene" am Sonntag den mit 5.000 Euro dotierten NDR Filmpreis für den Nachwuchs 2018 beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney bekommen. Die Auszeichnung wird für einen deutschen Erstlings- oder zweiten Spielfilm vergeben, der bei dem Festival die höchste Publikums-Bewertung bekommen hat. Zum Ensemble gehören Maria Dragus, Anna Bachmann und Clemens Schick.

Familiendrama aus süddeutscher Provinz

In "Verlorene" versetzt Felix Hassenfratz Zuschauer in ein Dorf der süddeutschen Provinz: Maria fühlt sich frei, wenn sie Orgel spielt, denn dabei kann sie alles vergessen. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter hat sie zu Hause die Verantwortung übernommen und erfüllt stoisch die Erwartungen der Anderen. Ein fragiles Gleichgewicht, das sie mit aller Kraft zu halten versucht - auch um den Preis ihrer eigenen Träume. Das Familiendrama "Verlorene" feierte seine Weltpremiere auf der Berlinale 2018 in der Reihe "Perspektive Deutsches Kino". In seinem intensiven Kino-Debüt widmet sich Felix Hassenfratz, der auch das Drehbuch schrieb, sensibel und glaubwürdig einem Tabu-Thema und erzählt von einer Sehnsucht nach Liebe gegen alle Vernunft.

Einige Festivalfilme im Überblick

Französisches Flair zum Auftakt

Zum 29. Mal war das Festival am Mittwoch gestartet, zu dem 25.000 Besucher und zahlreiche internationale Filmschaffende erwartet werden. Ein französischer Film eröffnete das Festival: "Die brillante Mademoiselle Neïla - Le Brio" von Regisseur und Schauspieler Yvan Attal lief - eine Neuerung für das Festival - erstmals gleichzeitig in drei Kinos in Emden und auf Norderney. In der Komödie geht es um eine junge arabischstämmige Frau aus der Vorstadt und einen zynischen Professor, der unter Rassismusverdacht gerät. In den Hauptrollen Daniel Auteuil und die mit dem französischen Filmpreis Cesar als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnete Camélia Jordana. Wie die beiden sich langsam einander annähern, ist zwar ziemlich vorhersehbar, aber schön erzählt. Für den politisch unkorrekten Humor und die großartige Situationskomik gab es bei der Eröffnung immer wieder Szenenapplaus.

Inselstipendium für Wolfgang Fischer

Der Regisseur und Autor Wolfgang Fischer aus Österreich wurde mit dem Inselstipendium "Ein Schreibtisch am Meer" prämiert. Dieser in Deutschland einmalige Filmpreis ermöglicht einen All-inclusive-Aufenthalt auf der Nordseeinsel, um Stoffe zu entwickeln und Drehbücher zu schreiben.

Drehbuchpreis geht erstmals an zwei Bücher

Bild vergrößern
Katharina Schöde hält den Emder Drehbuchpreis in den Händen.

Bei der Verleihung des Emder Drehbuchpreises am Freitagabend wurden zum ersten Mal gleich zwei Drehbücher ausgezeichnet. Nach Angaben der Veranstalter gehen die 11.000 Euro Preisgeld zu gleichen Teilen an Carola Diekmann für "Schattenmenschen" und an Katharina Schöde für "Libertas". Die vom Grimme-Institut in Marl berufene Fachjury hatte insgesamt 74 Einreichungen begutachtet.

Weltpremiere mit 97-jährigem Zeitzeugen eines Dokumentarfilmes

Rund 50 Langfilme und 38 Kurzfilme zeigt das Publikumsfestival in Emden und auf der Insel Norderney bis zum 13. Juni, wobei der Schwerpunkt traditionell auf Nordwesteuropa liegt. Frankreich, die Niederlande, aber auch Großbritannien und Irland sind in diesem Jahr wieder stark vertreten. Zu den Höhepunkten gehört die Welturaufführung des Filmes "Der letzte Jolly Boy" von Hans Erich Viet. Der Regisseur begleitet in seiner Dokumentation den 97-jährigen Auschwitzüberlebenden Leon Schwarzbaum, wie er auf den Spuren seiner Vergangenheit wandelt, etwa als Zeuge bei einem Prozess gegen ehemalige SS-Männer. Schwarzbaum wird zur Premiere in Emden erwartet.

Der Dokumentarfilmer Hans-Erich Viet und der Auschwitz-Überlebende Leon Schwarzbaum im Interview.

Filmfest Emden: Auf Spurensuche mit Zeitzeugen

Hallo Niedersachsen -

Dokumentarfilmer Hans-Erich Viet hat den 95-jährigen Auschwitz-Überlebenden Leon Schwarzbaum begleitet. Auf dem Filmfest Emden-Norderney ist "Der letzte Jolly Boy" zu sehen.

3,61 bei 18 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Bild vergrößern
Eine Große im europäischen Kino und in deutschen Film- und Fernsehproduktionen: Julia Jentsch.
Emder Schauspielpreis für Julia Jentsch

Die Charakterdarstellerin Julia Jentsch wurde mit dem Emder Schauspielpreis ausgezeichnet. Traditionell suchen sich die Geehrten eine Reihe ihrer Filme aus, die auf dem Festival in einer Art Retrospektive und Hommage gezeigt werden. Jentsch hat dafür unter anderem die Produktionen "Die fetten Jahre sind vorbei" (2004), "Sophie Scholl - Die letzten Tage" (2005) und "24 Wochen" (2016) mit Festivalleiter Rolf Eckard ausgesucht. Dieser freut sich, "mit Julia Jentsch eine Künstlerin auszeichnen zu dürfen, die über einen langen Zeitraum kontinuierlich mit außergewöhnlichen schauspielerischen Leistungen in hervorragenden Film- und Fernsehproduktionen überzeugt und ihr Publikum begeistert".

Viele Spielorte - samt Insel-Kurtheater auf Norderney

Die Spielorte: das CineStar in Emden, dazu das Neue Theater und das VHS-Forum. Auf Norderney gibt es Filme im Kurtheater sowie im Conversationshaus. Erstmals findet zudem im Theaterfoyer des Kurtheaters ein Mitternachtstalk mit den Moderatoren Hilke Theessen, Jenni Zylka und Volker Bergmeister statt.

Mehr zu den Filmen

"Tian" - Gedreht in Hamburgs Chinesenviertel

Der "Nordlichter"-Film "Tian - Das Geheimnis der Schmuckstraße" mit Katharina Schüttler wurde auf St. Pauli gedreht. NDR.de hat mit dem Filmteam historische Drehorte besucht. mehr

"Isle of Dogs - Ataris Reise": Japan in 20 Jahren

Der kleine Atari erlebt auf der Suche nach seinem Hund ein anrührendes Abenteuer. Wes Andersons "Isle of Dogs" ist ein zauberhafter Animationsfilm mit politischer Note. mehr

Filmfest Emden: NDR Filmpreis an Familiendrama

Beim Filmfest Emden-Norderney hat Felix Hassenfratz am Sonntag den mit 5.000 Euro dotierten NDR Filmpreis für sein Drama "Verlorene" erhalten. Julia Jentsch wurde ebenfalls geehrt.

Art:
Fest
Datum:
Ende:
Ort:
verschiedene

Emden und Norderney
Telefon:
(04921) 58 72 453
E-Mail:
office@filmfest-emden.de
Preis:
variiert (4 bis 65 EUR)
Öffnungszeiten:
10 bis 18.30 Uhr
Kartenverkauf:
Grand Café am Stadtgarten, Am Stadtgarten 7 bis 11, 26721 Emden
Anmeldung:
www.filmfest-emden.de
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 26.05.2018 | 12:00 Uhr

Mehr Kultur

06:27
Nordmagazin

1979 auf Rügen: Notfall-Geburt im Schneesturm

30.12.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
43:35
NDR Fernsehen

Hitlergruß und nasse Hose

17.12.2018 23:30 Uhr
NDR Fernsehen
70:36
NDR Info

Tannöd

16.12.2018 21:05 Uhr
NDR Info