Stand: 04.05.2020 06:00 Uhr  - NDR 1 Radio MV

"Lene und die Geister des Waldes": Plädoyer für die Natur

Der Mecklenburger Regisseur Dieter Schumann nennt "Flüstern & Schreien" von 1988 und "Wadans Welt" von 2010 als seine bislang wichtigsten Filme. Der erste bietet einen ungewohnten Einblick in einen Teil der Musikszene der DDR, im zweiten gibt Dieter Schumann Werftarbeitern an der Ostsee Gesicht und Stimme während einer erneuten Schiffbaukrise. Mit "Lene und die Geister des Waldes" hat der 66-jährige Regisseur einen dritten wichtigen Film fertig. Beim Schweriner Festival "FILMKUNSTzuHause" seine Welturaufführung feiert der Film am 5. Mai seine Uraufführung. Von 8 Uhr an ist der Film im Rahmen des Filmkunstfestes Mecklenburg-Vorpommern im Internet zu sehen - die Internet-Kinokarte kostet 4,99 Euro.

von Axel Seitz

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"Waldursel" Ursula Sauer will Kindern den Wald näherbringen.

"Der Bayerische Wald ist Hoffnung. Die Hoffnung ist nicht umsonst grün" - das sagt Ursula Sauer, von allen nur die "Waldursel" genannt. Sie hatte letztlich Regisseur Dieter Schumann dazu gebracht, seinen Film so zu machen, wie er jetzt zu sehen ist: "Wir hatten eine sehr intensive Beziehung, wir waren 14 Tage da", erzählt er über die Entstehung des Films. Ursula Sauer habe ihn gefragt, für wen er den Film mache. Und dabei ist herausgekommen, dass es das Wichtigste sei, den Kinder wieder die Natur nahezubringen - "und zwar Natur in ihrem ursprünglichen Zustand." 50 Jahre sei die Waldursel jeden Tag von morgens bis abends im Wald gewesen, sagt Schumann. Ursula Sauer sagt: "Der Wald ist nicht für den Menschen da, er hat ein Lebensrecht an sich."

Der Besuch einer Familie als Kunstgriff

Von der Waldursel also zu den Kindern, doch da ergab sich in Bayern ein Problem. "Die sprachen alle Bayerisch, du hast sie kaum verstanden", erzählt Schumann. Zudem hätten die Leute auf jede Frage gesagt: "Siehst du doch, weißt du doch." Deshalb habe das Filmteam einen Kunstgriff angewandt. "Wenn man Besuch bekommt, wird Altvertrautes wieder spannend, man zeigt es den anderen", erzählt Schumann. Daher habe man Besucher in den Bayerischen Wald gelotst, die kein Bayerisch verstehen: eine Mecklenburger Familie, vor der die Menschen hochdeutsch sprechen mussten.

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Im Mittelpunkt des Films steht das Mädchen Lene aus Mecklenburg-Vorpommern, das mit ihrer Familie im Bayerischen Wald Urlaub macht.

So trifft Lene aus Mecklenburg gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Vater auf Kinder und Erwachsene in Bayern. "Das war natürlich eine Herausforderung: Wie strukturierst du den Film", erzählt Schumann. Der Film habe Kinder nicht überfordern sollen, er solle spannend und nah an den jungen Zuschauern bleiben. Daraus sei die Idee geboren, eines der beiden Mecklenburger Mädchen, Lene, als Identifikationsfigur in den Mittelpunkt zu stellen. "Eigentlich wollten wir diesen Sommer zu Hause bleiben und schön baden gehen in der Ostsee. Dabei mussten wir nur wegen Papa in die Berge fahren, weil er malen wollte", erzählt Lene im Film - "und wir sollen die Natur genießen."

Im Bayerischen Wald auf Entdeckungstour

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Der "Waldobelix" zeigt den Kindern Leuchtmoos und besondere Pilze.

Gemeinsam mit ihren neuen Freunden entdeckt die siebenjährige Lene in ihren Ferien den Bayerischen Wald, lernt die Geschichte vom Waldpeter kennen. Der "Waldobelix" - ein Ranger - zeigt den Kindern Leuchtmoos und besondere Pilze. "Lene und die Geister des Waldes" ist ein Film für Kinder - aber auch für Erwachsene, ein Plädoyer für den Wald, für ein behutsames Miteinander von Mensch und Natur.

Ein "Warming-up" fürs Kino

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Dass sein neuester Dokumentarfilm, der in Kooperation mit dem Norddeutschen Rundfunk entstand, nun im Internet Premiere feiert, nimmt Dieter Schumann mit einer gewissen Gelassenheit. Und hofft natürlich auf bessere Zeiten nach der Corona-Pandemie. "Für mich ist das ein Auftakt, nicht ein Ersatz für die Kinopremiere", sagt er, "ein Warming-up". Das eigentliche Erlebnis komme dann erst auf der großen Leinwand: "Das ist natürlich ein Film fürs Kino."

Lene und die Geister des Waldes

Spielfilm
Deutschland 2019
Autor und Produzent: Dieter Schumann
Länge: 94 min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 04.05.2020 | 19:05 Uhr

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