Schauspieler und Produzent Fahri Yardim (Mitte) mit Kultursenator Carsten Brosda (links) und Filmförderungschef Helge Albers bei einem Termin vor der Berlinale-Weltpremiere des Filmes "Curveball" bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein © Filmförderung HHSH/ Jasper Ehrich Foto: Jasper Ehrich

Berlinale: Yardim und Naber über ihren Film "Curveball"

Stand: 27.02.2020 11:28 Uhr

Die ARTE/NDR Koproduktion "Curveball" feierte 2020 Weltpremiere im Rahmen als Berlinale Spezial Gala. Sie wurde von der Hamburger Firma Bon Voyage Films produziert.

von Patricia Batlle

Kurz vor der Premiere haben Regisseur Johannes Naber und Fahri Yardim, der sein Debüt als Produzent gibt, mit NDR.de gesprochen - auf einem Termin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, die mit diesem Film und weiteren Produktionen beim Filmfest vertreten ist.

"Curveball" erzählt die wahre Geschichte des deutschen Biowaffen-Experten Arndt Wolf, gespielt von Sebastian Blomberg, der durch einen internen Fehler Argumente für den Irak-Krieg 2003 lieferte. Der Film mit Dar Salim, Virginia Kull, Michael Wittenborn und Thorsten Merten in weiteren Rollen wurde unter anderem in Elmshorn und Itzehoe gedreht. Schauspieler Fahri Yardim ist Teil des Produktions-Teams von Bon Voyage Films aus Hamburg und gibt mit "Curveball" sein Debüt als Produzent. Er freut sich, dass der Film in der Reihe Berlinale Spezial Gala läuft: "Es ist eine saftige Kategorie, die wir bekommen haben", sagt Yardim.

Yardim: Relevanz und Unterhaltung im Film verbinden

Über seine Motivation, als Produzent zu arbeiten, erzählt Fahri Yardim: "Grundsätzlich hat mich bewogen, rechtzeitig in den kreativen Schaffensprozess Film und Serien einzusteigen. Dieses Projekt 'Curveball' ist Ausdruck unserer Idee von Filmkultur - nämlich Relevanz und Unterhaltung zu verbinden." Gerade das Thema des Filmes habe ihn gereizt. Es sei "ein Porträt über einen Lügner und die Liebe in eine Lüge. Das war ein Beweggrund - auch aus einem Zeitgefühl. Dass wir das künstlerisch erzählen, hat eine enorme Wichtigkeit".

Johannes Naber: "Ich bin ein langsamer Regisseur"

"Curveball"-Regisseur Johannes Naber (r.) mit seinem Hauptdarsteller Sebastian Blomberg kurz vor der Berlinale-Weltpremiere ihres Filmes "Curveball" bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein © Filmförderung HHSH/ Jasper Ehrich Foto: Jasper Ehrich
Sebastian Blomberg (links) ist Hauptdarsteller von "Curveball" von Regisseur und Autor Johannes Naber (r.).

Regisseur Johannes Naber, der bereits 2014 mit "Zeit der Kannibalen" auf der Berlinale vertreten war, hat das Drehbuch mit Oliver Keidel verfasst. Er lebt seit 30 Jahren in Berlin und freut sich besonders darüber, dass "Curveball" an der Spree Premiere feiert: "Das ist mein Zuhause, meine Heimat." Mit dem Film bei der Berlinale zu sein, sei eine große Ehre. "Ich hoffe, dass das ein toller Kinoabend wird. Ich weiß, dass viele Leute kommen, die mir wichtig sind und die ich schätze."

Auf die Frage, wer außer des Teams zur Premiere kommen werde, sagte er: "Meine Lebensgefährtin ist dabei, meine Mutter, meine Tante, meine Schwester, meine Nichte, mein Onkel (lacht). Ich mache ja nicht so viele Filme, nur einen alle drei, vier Jahre. Ich bin ein langsamer Regisseur. Darum ist das für alle, die da die ganze Zeit mitleiden mussten, ein besonderer Moment, den ich gern mit meinen nahen Menschen teilen will."

Naber: "Curveball" spiegelt Ursprung von Fake News

Über den Inhalt des Filmes erzählt Regisseur und Drehbuchautor Naber: "'Curveball' ist die wahre Geschichte eines irakischen Flüchtlings, der nach Deutschland gekommen ist und den Bundesnachrichtendienst ein paar Jahre mit einer Geschichte über irakische Biowaffenfabriken sehr clever an der Nase herumgeführt hat." Was der Flüchtling nicht gewusst habe, so Naber, was niemand anders gewusst habe, auch nicht der Führungsoffizier beim BND, der Hauptfigur dieses Spielfilms: Was für Wellen das schlagen würde. "Aus einer kleinen Geschichte wird eine große Welle und ein schlimmer Krieg", sagt Naber.

Vor allem das Thema des Filmes sei aktuell: "Es ist der Ursprung von dem, was wir heute Alternative Facts und Fake News nennen. Da ist diese Saat gesät worden, dass solche Lügen in die Welt gesetzt werden, obwohl alle Beteiligten wissen, dass es falsch ist. Dass es nicht mehr wichtig ist, was die Wahrheit ist - sondern nur noch, welche Information wie gedreht werden muss, damit sie ihren Zweck erfüllt", so Naber.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Klassisch in den Tag | 26.02.2020 | 19:00 Uhr

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