Stand: 24.02.2020 16:25 Uhr  - NDR Kultur

Berlinale: "Systemsprenger"-Team zahlt Förderung zurück

von Patricia Batlle

Beim traditionellen Termin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und des Hamburger Senats auf der 70. Berlinale haben sich rund 650 Gäste aus der Filmszene in der Landesvertretung Hamburgs an der Spree versammelt. Beim Treffen gab es auch die Gelegenheit zu einer symbolischen Scheckübergabe mit der Rückzahlung von Fördergeldern vom Team eines des erfolgreichsten und preisgekrönten norddeutschen Filme 2019, "Systemsprenger". Ein Bericht von der Veranstaltung.

Das erfolgreiche Filmteam vom Vorjahres-Berlinale-Erfolg "Systemsprenger" überreichte der Filmförderung zwei Schecks zur vollständigen Rückzahlung der Fördergelder. Der Produzent Jonas Weydemann kam gemeinsam mit Co-Produzentin Frauke Kolbmüller und den Hauptdarstellern Helena Zengel und Albrecht Schuch zur symbolischen Scheckübergabe.

"Systemsprenger"-Produzent: "Können Fördergelder zurückzahlen"

Im Gespräch mit NDR.de sagte Produzent Weydemann: "Wir sind in der Zwischenzeit bei 630.000 Zuschauern im deutschen Kino. 'Systemsprenger' wurde in viele Länder verkauft. In Hamburg dürfen wir nun das wunderbare Förderdarlehen von 175.000 Euro für die Produktion und von Verleihseite aus 60.000 Euro für die Verleihförderung zurückzahlen." Der Film sei nun auf allen bekannten Streamingdiensten zu sehen und komme danach noch ins ZDF, so der Produzent. Die Regisseurin Nora Fingscheidt habe leider nicht zum Berlinale-Termin kommen können, ergänzte er, denn: "Sie dreht gerade in den USA mit Sandra Bullock einen großen Film."

Helena Zengel über Dreharbeiten mit Tom Hanks

Hauptdarstellerin Helena Zengel erzählte kurz von ihren abgeschlossenen Dreharbeiten eines Westerns mit Tom Hanks in den Vereinigten Staaten. Hanks sei ein "sehr netter Typ", so die elfjährige Schauspielerin, und die Erfahrung am Set unvergesslich: "In Amerika würde man sagen 'triple awesome'. Also unglaublich. Eine so tolle Erfahrung. Man sagt auch, er sei der letzte Gentleman in Amerika", so Zengel.

Kultursenator Brosda über den Wahlhamburger Rasoulof

Zuvor hatte Filmförderungschef Helge Albers gemeinsam mit dem Hamburger Kultursenator Carsten Brosda die Gäste begrüßt. Brosda sagte: "70 Jahre Filmfestspiele in Berlin, 40 Jahre Filmförderung in Hamburg - im Jahr der runden Geburtstage ist der Film aus dem Norden wieder stark auf der Berlinale vertreten." Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein ist im Programm der 70. Berlinale mit sieben Filmen vertreten.

"Besonders freuen wir uns über den Wettbewerbsfilm 'Es gibt kein Böses' von Mohammad Rasoulof, der wegen seiner regimekritischen Filme sein Heimatland, den Iran, aktuell nicht verlassen darf", sagte Filmförderungschef Albers. Brosda ergänzte: "Wir sind sehr betroffen, dass es für Rasoulof immer noch nicht möglich ist, den Iran zu verlassen. Teheran zu verlassen. Sondern er dort gebunden ist, weil das Regime ihn nicht ausreisen lässt. Er ist Wahlhamburger, er ist mit unserer Stadt ganz eng verbunden. Ich finde, wir müssen klare Statements dafür setzen, dass die Freiheit der Kunst und die Freiheit des Ausdrucks, des Künstlerischen, und auch die Freiheit der Künstlerinnen und Künstler gewahrt bleibt", so Brosda. 

Jan Bülow, Fahri Yardim und Hermine Huntgeburth unter den Gästen

Zu den Gästen der Veranstaltung gehörten zahlreiche Prominente aus der Branche. Darunter Regisseurin Hermine Huntgeburth wie auch die Hauptdarsteller aus ihrem Film "Lindenberg: Mach dein Ding!", Jan Bülow und Ruby O. Fee. Ebenso Regisseurinnen und Regisseure wie Katja Benrath, Özgür Yildirim sowie ein Teil des Filmteams der ARTE/NDR Koproduktion "Curveball" von Regisseur und Autor Johannes Naber, die am Donnerstag Weltpremiere in der Berlinale Special-Gala feiern wird. Er wohne seit 30 Jahren in Berlin, sagte Naber. Daher sei es hier, zuhause, unvergleichbar, seine Arbeit zeigen zu können: "Das kann man mit keinem anderen Festival gleichsetzen. Das ist für mich eine große Ehre."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 24.02.2020 | 07:20 Uhr

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