Stand: 10.07.2019 17:02 Uhr

"Yesterday": Regisseur Danny Boyle im Interview

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John Boyle feierte mit "Slumdog Millionär" seinen größten Erfolg. In "Yesterday" geht es wieder um einen ungewöhnlichen Aufstieg aus der Armut.

Der Brite Danny Boyle hat in Filmen wie "Trainspotting" und "Slumdog Millionär" Regie geführt. Jetzt überrascht der Golden-Globe- und Oscar-Preisträger mit der romantischen Komödie "Yesterday". In dem Film geht es um den Straßenmusiker Jack, der sich nach einem mysteriösen weltweiten Stromausfall als einziger Mensch an die Beatles und ihre Songs erinnern kann. Durch die Beatles-Hits wird er zum Mega-Star und erlangt weltweiten Ruhm - inklusive aller Schattenseiten, die das mit sich bringen kann. Regisseur Boyle hat bereits Horrorfilme inszeniert, aber man stelle sich einmal eine Welt ohne die Beatles vor.

In "Yesterday" kennt kein Mensch mehr die Beatles. Nur ein Straßenmusiker kann sich an sie beziehungsweise ihre Songs erinnern. Sind Sie ein Beatles-Fan?

Danny Boyle: Richard Curtis, der Drehbuchautor, ist ein fanatischer Beatles-Fan. Er weiß alles und damit meine ich: wirklich alles. Ich war mehr der David-Bowie- und Led-Zeppelin-Typ, die haben mich mehr geprägt. Und dann kam Punk, das war natürlich eine völlig andere Nummer. Aber ich erinnere mich an die Beatles, weil meine Eltern sie hörten und wir als Kinder ein Spiel spielten: Meine Zwillingsschwester war total in Paul McCartney verknallt, also war sie Paul. Mein Part war es, John Lennon zu spielen, und unsere jüngste Schwester spielte George oder Ringo, je nachdem, wen wir für unsere Spiele gerade brauchten. Aber ich habe während dieser Produktion etwas gelernt.

Und das wäre?

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Mit Beatles-Songs wird Jack Malik (Himesh Patel) vom Straßenmusiker zum gefeierten Star.

Boyle: Am Ende des Films haben wir ein Foto mit kreischenden Mädchen gemacht. Eigentlich haben diese Mädchen die Welt verändert. Denn durch sie kamen auch die Beatles in die Schlagzeilen, denn diese kreischenden Mädchen und ihr Verhalten wurde plötzlich in der Öffentlichkeit kritisiert. Sie zwangen die Menschen dazu, sich mit der Musik der Beatles auseinanderzusetzen. So veränderten sie die Welt, wahrscheinlich in einem ähnlichen Maße wie der Fall der Mauer. Sie brachten eine Bewegung ins Rollen. Die Jugend rebellierte: gegen die Eltern, die Bevormundung durch den Staat und den Krieg. Liebe und Kunst wurden wichtiger und geschätzter und es entstand eine ganze Industrie rund um Kunst, die seitdem weltweit einen ungeheuren Einfluss hat.

Ihr Beatles-Lieblingssong?

Boyle: "Hello, Goodbye". Die letzten 40 Sekunden des Stücks sind für mich Perfektion. Ich liebe es, zu tanzen und das ist mein Song. "A Day In The Life" wäre der ernsthaftere Ansatz und wir haben daraus auch etwas verwendet, aber "Hello, Goodbye" ist der lustigere Song.

Was kann Musik, was Film nicht kann?

Boyle: Ich muss zugeben, dass ich Musik bevorzuge, denn sie kann uns direkter ansprechen. Wir haben keine Kontrolle darüber. Ich glaube, das liegt daran, dass wir Musik tatsächlich in uns haben, wenn wir geboren werden. Es ist in unserer DNA und wenn wir dann Musik hören, egal ob es ein großartiger Popsong ist oder Mozart, ist das keine Entdeckung im eigentlichen Sinne. Wir haben das Gefühl, dass es schon immer Teil von uns war. Ich vermute, in 200 Jahren wird man feststellen, wie viele kulturelle Dinge tatsächlich in unseren Genen angelegt sind.

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Der britische Sänger Ed Sheeran spielt in "Yesterday" sich selbst.

Es gibt einen wunderbaren Witz in dem Film, als Ed Sheeran, der einen Popstar spielt, nach dem ersten Hören des Songs "Hey Jude" vorschlägt, man könne den Song doch "Hey Dude" nennen. Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt ihn "Hey Dude" singen zu lassen?

Boyle: Wir haben die Beatles gefragt, ob wir die gesamte siebenminütige Originalfassung von "Hey Jude" für den Abspann benutzen dürften, denn mit den Rechten ist das so eine Sache. Man kann eine Lizenz erwerben, dafür, dass jemand einen Song aufführen oder singen darf, das ist das eine. Aber die Erlaubnis zum Aufführen der Originalaufnahmen der Beatles ist eine andere, sehr teure Angelegenheit. Sie wird auch nur gelegentlich erteilt. Insofern fanden wir es angebracht, nachdem wir im ganzen Film so viele Witze über die Beatles machen, dass es nur recht - und auch nicht billig - war, diesem Song komplett im Original seinen angemessenen Platz zu gewähren.

Das Interview führte Bettina Peulecke, NDR Info.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 09.07.2019 | 09:55 Uhr

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