"Woman": Intime Doku über Frauen weltweit

Stand: 25.05.2021 06:00 Uhr

Yann Arthus-Bertrand hat mit Co-Regisseurin Anastasia Mikova 2.000 Frauen aus 50 Ländern getroffen. Ihr beeindruckender feministischer Dokumentarfilm "Woman" ist seit dem 21. Mai als DVD zu haben.

Der Dokumentarfilm "Woman" ist eine intime Doku über Frauen weltweit. © mindjazz pictures
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von Walli Müller

Seine Bilder der "Erde von oben" haben den französischen Fotographen Yann Arthus-Bertrand weltberühmt gemacht. Als engagierter Umweltschützer hat er danach Dokumentarfilme über den Planeten und seine Bewohner gedreht - "Home" und "Human". Nun stehen in "Woman" die Frauen dieser Welt im Fokus. Mit seiner Co-Regisseurin Anastasia Mikova hat Arthus-Bertrand dafür 2.000 Frauen aus 50 Ländern vor die Kamera geholt.

Mitte Juni erscheint der Film "Woman" bei Streaming-Anbietern als Video on Demand. Aktuell kann man ihn bereits online über die Homepages vieler Programmkinos schauen.

"Woman": ein Dokumentarfilm wie ein Fotoalbum

Dieser Dokumentarfilm besteht nicht aus zufällig eingefangenen Bildern. Man sieht, dass sich die Frauen extra schick gemacht haben für diese Porträt-Aufnahmen. Afrikanerinnen mit bunten Wickeltüchern um den Kopf, Inderinnen im Festtags-Sari. Die einen tragen Nasenringe, andere haben die gute Perlenkette angelegt. Es ist ein Film wie ein Fotoalbum. Es sind so vielfältige Gesichter, die so viele Geschichten erzählen. Manche ganz ohne Worte. Andere reden - in mehr als 30 verschiedenen Sprachen - über das, was sie als Frau ausmacht, was sie stark oder was sie klein macht, worüber sie aber nicht mehr schweigen wollen!

Das Mutigste, das ich je getan habe, war, mich vor ein Publikum zu stellen und zu sagen: Ich bin eine Überlebende von sexueller Gewalt und Menschenhandel. Ich hab mich nie zuvor so gefürchtet in meinem Leben! Aber ich habe das überstanden. Und es hat mich so viel stärker gemacht, Zitat aus "Woman"

Geschichten über Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung und Bildung

Wer von den Frauen auf diesem Planeten erzählen möchte, stößt auf Schicksale, die einfach nur zum Weinen sind. Es ist in 105 Minuten die Rede von Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung, Vergewaltigung. Aber nicht nur! Da ist auch das Glück, das die Frauen empfinden - über Liebe, erfüllte Sexualität, Mutterschaft und nicht zuletzt Bildung!

Als ich lernte, meinen Namen zu schreiben, habe ich vor Freude getanzt und gelacht. In meinem Zimmer schrieb ich meinen Namen: "Jeanne". Und wieder "Jeanne". Immer wieder und wieder. Ich war so glücklich. Ich wollte sterben vor Glück! Zitat aus "Woman"

Vier Jahre Dreharbeiten für Yann Arthus-Bertrand und Anastasia Mikova

Vier Jahre Arbeit haben Yann Arthus-Bertrand und seine Co-Regisseurin Anastasia Mikova in das "Woman"-Projekt gesteckt. In 50 Ländern auf allen Kontinenten stellten sie ihre dunkle Leinwand auf, um die Frauen davor ins rechte Licht zu setzen. Bei den Interviews, die Mikova dabei führte, traf sie auf eine erstaunliche Offenheit, wie sie dem NDR-"Kulturjournal" erzählte: "Die meisten Frauen hatten ein großes Bedürfnis, vor der Kamera zu reden. Ich würde sogar sagen, dass es für sie eine Notwendigkeit war. Aber nicht nur zu reden, sondern auch, gehört zu werden. Denn viele dieser Frauen hatten noch nie erlebt, dass ihnen überhaupt jemand zuhört."

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Cover des Foto-Bildbandes "Woman" aus dem Verlag Knesebeck von Anastasia Mikova, Yann Arthus-Bertrand © Robert Mapplethorpe Foundation Foto: Robert Mapplethorpe

Emotionaler Bildband über Frauen und Frausein weltweit

Anastasia Mikova und Yann Arthus-Bertrand gelingen im Bildband "Woman" großartige, nahegehenden Porträtaufnahmen, mit Interviews und berührenden Geschichten von Frauen aus aller Welt. mehr

Auch wenn jede einzelne im Film nur kurz zu Wort kommt, hat man das Gefühl, in diesem Moment in ihr Innerstes zu blicken. "Woman" ist eine Feier der Weiblichkeit und weiblicher Stärke. Was auch immer den Protagonistinnen widerfahren ist, sie schauen aufrecht in die Kamera. Besonders ergreifend: Wenn die indische Frauenrechts-Aktivistin Laxmi Agarwal lächelnd erzählt, wie schön sie ihr von Säure entstelltes Gesicht wieder finden kann.

Bis gestern kannte mich nur der Mann, der mich angegriffen hat. Aber heute kennt mich die ganze Welt. Ich hätte das nie gedacht, aber in dieser Gesellschaft, in der so viel Wert auf das Gesicht gelegt wird, habe ich es geschafft, meine Einstellung dazu zu verändern. Weil ich begann, mein Gesicht zu lieben. Zitat aus "Woman"

Tiefe Verbundenheit mit den gezeigten Frauen

Als Zuschauer*in kann man gar nicht anders, als große Wärme für all diese Frauen aus den verschiedensten Kulturkreisen zu empfinden. Selbst für die platinblonde Russin, die stolz ihr mit Kollagen und Botox modelliertes Gesicht zeigt und damit glücklich scheint. Für Ursula Günther, die sich den Film schon in einer virtuellen Kino-Vorführung angeschaut hat, war es eine einzigartige Seh-Erfahrung: "Was ich so noch nicht erlebt habe bei einem Film, ist, dass ich eine ganz tiefe Verbundenheit unter Frauen spüren konnte. Das hat mich tief ins Herz getroffen. Von daher finde ich, ist dieser Film wirklich ein großes Geschenk - nicht nur an die Frauen, sondern auch an die Männer. Ich hoffe, dass auch sehr, sehr viele Männer sich diesen Film anschauen und danach vielleicht ein bisschen mehr von Frauen verstehen."

Natürlich ist "Woman" auch ein feministischer Film. Alles, was zum Thema Frauenrechte zu sagen ist, bringen die Protagonistinnen in wunderbarer Weise selbst auf den Punkt. Darin heißt es: "Maximaler Respekt für alle Frauen! Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Glauben, krausen oder glatten Haaren. Frauen verdienen Respekt."

VIDEO: "Woman": Intimer Dokumentarfilm über Frauen weltweit (5 Min)

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Woman

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
Untertitel auf deutsch
Regie:
Anastasia Mikova und Yann Arthus-Bertrand
Länge:
105 Minuten
FSK:
ab 12 Jahren
Kinostart:
auf DVD erhältlich / und bald auf Streamingplattformen

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 25.05.2021 | 06:55 Uhr

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