Stand: 26.06.2019 15:50 Uhr

Eine unbarmherzige Welt für Frauen über 50

Wo ist Kyra?
, Regie: Andrew Dosunmu
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Sie war ein Superstar der 80er- und 90er-Jahre: Michelle Pfeiffer. Bekannt wurde die amerikanische Schauspielerin mit Filmen wie "Scarface", "Gefährliche Liebschaften", "Die fabelhaften Baker Boys" oder auch "Batman Returns". In "Wo ist Kyra?" kommt Pfeiffer mit einer großen Rolle zurück auf die Kino-Leinwand.

Kyra (Michelle Pfeiffer) am Tresen - Szene aus dem Film "Wo ist Kyra?" © Kinostar

Filmtrailer: "Wo ist Kyra?"

"Wo ist Kyra?" zeigt die harte amerikanische Gegenwart und ist ein Film voller Empathie für seine Heldin. Es ist ein großes Glück, Michelle Pfeifer in dieser Rolle zu erleben.

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Der Film zeigt zu Beginn die symbiotische Beziehung zwischen zwei Frauen. Kyra, eine fast sechzigjährige Frau, kümmert sich in New York aufreibend um ihre schwerkranke Mutter. Gleich zu Beginn sehen wir, wie sie ihr ein Bad einlaufen lässt und ihr liebevoll den Rücken einseift.

Kyra führt ein zurückgezogenes Leben

In Brooklyn leben Mutter und Tochter in einer Wohnung, durch deren Fenster kaum Lichtstrahlen fallen. Es ist eine Art Höhle, die die beiden vor der harten, unbarmherzigen Wirklichkeit der Großstadt schützt. Es ist ein Ort, erfüllt von Zärtlichkeit, Sanftheit, Dankbarkeit, kleinen Scherzen und dem bisschen Hedonismus, der bleibt, wenn man ohne viel Geld in einer amerikanischen Großstadt lebt.

Als Kyras Mutter stirbt, gerät das Leben der Tochter aus den Fugen. Ihre Versuche, Arbeit zu finden, scheitern nach wie vor. Nicht einmal hinter dem Tresen eines Fast-Food-Restaurants scheint es einen Platz für sie zu geben, geschweige denn in einem Büro.

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In einer Kneipe trifft Kyra (Michelle Pfeiffer) Krankenpfleger Doug (Kiefer Sutherland).

Doch Kyra versucht es weiter und wagt sich immer wieder aus der Wohnung heraus und sei es nur, um ehrenamtlich Flyer für die Heilsarmee zu verteilen. Ganz selten verlässt sie die vertraute Umgebung auch, um ein Bier am Tresen der nahen Kneipe zu trinken. Dort trifft Kyra auf den Krankenpfleger Doug, gespielt von Kiefer Sutherland. Es beginnt das, was man eine zarte Romanze nennen könnte.

Michelle Pfeiffer spielt die Rolle der Kyra sensationell

Kyra wird gespielt von Michelle Pfeiffer und dieses Comeback des einstigen Hollywoodstars in einer großen Rolle ist eine echte Sensation. Pfeiffer gelingt eine berührende Gratwanderung zwischen Tapferkeit und Verzweiflung, Überlebenswillen und zunehmender Hoffnungslosigkeit. Niemals heischt ihre Darstellung um Mitgefühl oder gar Mitleid. Vielmehr gelingt es Pfeiffer auf leise, zurückhaltende Art, eine Frau zu spielen, die in die Armut hineingeschlittert ist.

Vielleicht hat Kyra irgendwann den Zeitpunkt verpasst, den Hebel umzulegen. Aber so etwas sagt sich leicht. Viel schwerer ist es, nachts allein den Bus in einen anderen Bundesstaat zu nehmen und den Ex-Mann anzupumpen, der im einst gemeinsamen Haus nun mit einer hochschwangeren, jüngeren Frau wohnt.

Spiel mit der Unschärfe ist Ausdruck von Diskretion

Der aus der nigerianischen Stadt Lagos stammende Regisseur Andrew Dosunmu und sein Kameramann Bradford Young haben für ihren Film "Wo ist Kyra?" Bilder entwickelt, die ihrer Heldin beistehen. Wenige Lichtquellen lassen den Aufnahmen ein Geheimnis. Immer wieder sind die Figuren im Halbschatten, im Bildhintergrund zu sehen.

Dann wieder sind sie durch Türspalte aufgenommen - oder vom fernsten Winkel des Zimmers aus. Auch das Spiel mit Unschärfen wirkt wie ein Ausdruck filmischer Diskretion - so als wollten Andrew Dosunmo und Bradford Young ihre Hauptfigur, der das Leben schon genug mitgespielt hat, nicht weiter ausstellen.

Harte Realität trifft auf liebenswürdige Heldin

In den Szenen der Intimität zwischen Kyra und Doug herrscht eine besondere Atmosphäre des geschützten Raumes. Doch die Außenwelt lässt sich nicht aussperren: der unbarmherzige Arbeitsmarkt, der Frauen Ende fünfzig buchstäblich nicht verwerten mag, die überteuerte Miete, die niedrigen Löhne, die von den Jüngeren noch unterboten werden. Irgendwann lässt sich die Brutalität der Verhältnisse nicht mehr leugnen. Doug findet heraus, dass Kyra sich bei den Gängen zur Bank als ihre eigene Mutter verkleidet.

"Wo ist Kyra?" zeichnet ein hartes Bild der amerikanischen Gegenwart und ist dennoch ein sanfter Film, voller Empathie für seine Heldin. Es ist ein großes Glück, Michelle Pfeifer in dieser Rolle zu erleben: irrlichternd, ergreifend, zunehmend hoffnungslos. Gemeinsam mit ihrem Regisseur macht uns diese Heldin klar, dass man eben nicht immer seines Glückes Schmied ist. Schon gar nicht im New York dieser Tage.

Wo ist Kyra?

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Michelle Pfeiffer, Kiefer Sutherland, Suzanne Shepherd
Regie:
Andrew Dosunmu
Länge:
99 Min.
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
27. Juni 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 27.06.2019 | 07:20 Uhr

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