Stand: 02.06.2020 14:11 Uhr  - NDR 90,3

Wie Clint Eastwood einst das Filmfest Hamburg rettete

von Danny Marques

Bei zahlreichen Klassikern spielte der Hollywoodstar Clint Eastwood die Hauptrolle - etwa in "Für eine Handvoll Dollar", "Zwei glorreiche Halunken" und "Dirty Harry". Im Laufe seiner Karriere hat er selbst Filme gedreht, produziert und Musik dazu komponiert. Am vergangenen Sonntag wurde er 90 Jahre alt. Wie er Mitte der 90er-Jahre ganz nebenbei das Hamburger Filmfest rettete, erzählt dessen damaliger Leiter, der Verleiher Josef Wutz.

Ein gefüllter Kinosaal im Cinemaxx-Kino am Dammtor in Hamburg © Filmfest Hamburg

Als Eastwood nach Hamburg kam

"Dirty Harry" und viele andere Kinoklassiker gehen auf sein Konto. Dass Clint Eastwood, der am 31. Mai 90 Jahre alt wurde, 1995 das Filmfest Hamburg gerettet hat, weiß kaum jemand.

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1995 erhielt Clint Eastwood einen warmen Empfang am Streits Kino Hamburg. Dort lief sein Film "Die Brücken am Fluss".

1995 ist für Josef Wutz ein besonderes Jahr. Zum ersten Mal leitet er das Filmfest Hamburg. Kein dankbarer Job, erinnert er sich. Wegen finanzieller Probleme schreibt es damals negative Schlagzeilen. Da hört er etwas, was sein Festival wachküssen könnte. "In Frankreich ist immer dieses bekannte amerikanische Filmfestival und Clint Eastwood stellt da seinen neuen Film vor. Er könnte auch nach Hamburg kommen", überlegt sich Wutz.

Clint Eastwood lockte der Name Douglas Sirk nach Hamburg

Einfach so würde die Legende aber nicht kommen, heißt es. "Irgendwie muss da etwas passieren - der Mann müsste irgendwie geehrt werden. Und ich dachte mir: Eigentlich könnten wir doch einen Douglas-Sirk-Award machen." Douglas Sirk stamme immerhin aus Hamburg, er wuchs als Detlef Sierck im Stadtteil Eimsbüttel auf. Sirk war in den 50er-Jahren einer der wichtigsten Hollywood-Regisseure. Clint Eastwood sagt später, dass er Sirk immer bewundert habe. Und tatsächlich: Der Douglas-Sirk-Preis lockt ihn nach Hamburg. Und im Streits Kino am Jungfernstieg stehen so viele Journalisten wie nie zuvor und warten auf den Superstar.

Voscherau übergibt 1995 ersten Douglas-Sirk-Preis

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Eastwood (links) erhält den Douglas-Sirk-Preis aus den Händen von Henning Voscherau (mitte) und Josef Wutz.

Eastwood stellt dort sein Drama "Die Brücken am Fluss" vor, bei dem er selbst Regie geführt und die Hauptrolle an der Seite von Meryl Streep übernommen hatte. Nach der Vorstellung soll ihm von Bürgermeister Henning Voscherau der Preis vergeben werden. Josef Wutz soll die Trophäe zum Kino bringen: "Wir haben einen sehr schönen Kristall geschliffen, mit einer stilisierten Filmrolle. Ich bin gestiefelt und gespornt mit diesem tollen Teil in der Hand zur Premiere gegangen. Da haben mich die Bodyguards nicht reingelassen." Nachdem er die Sicherheitsleute überzeugen kann, dass er der Festival-Chef ist, darf Wutz schließlich ins Kino.

Clint Eastwood bekommt in Hamburg feuchte Augen

Clint Eastwood kommt mit grauen wuscheligen Haaren im grauem Anzug. Ganz entspannt lächelt er viel und wischt sich bei den Standing Ovations sogar ein Tränchen aus den Augen. Später schmeißt das US-amerikanische Konsulat an der Alster einen Empfang, bei dem Eastwood mit Hamburger Kinobetreibern plaudert. "Der Mann war in keiner Weise sensationell in dem Sinne, dass er sich gebärdet hätte. Er war weder unnahbar noch jovial. Wie Amerikaner das eben machen, die ihr Geschäft verstehen. Der hat Business gemacht. Der wusste: 'Auf dem Weg von diesem schönen Festival an der französischen Küste nach Hause, wo es noch schöner ist und ich endlich meine Ruhe habe, muss ich da in Deutschland vorbei.' Das hat er so gemacht, aber überhaupt niemanden spüren lassen, dass es ein Pflichttermin ist."

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Der Star verschwindet nach einer Nacht im Nobel-Hotel Vier Jahreszeiten wieder Richtung Hollywood. Für das Filmfest ist sein Besuch das notwendige Aufputschmittel: Das Medieninteresse steigt, es wird immer größer und beim Publikum beliebter. "Dass Clint Eastwood uns die Ehre gegeben hat, bewusst oder unbewusst - für mich war das ein richtiger Befreiungsschlag", erinnert sich Wutz.

2019 startete das vorletzte Drama von und mit Clint Eastwood im Kino: "The Mule". Wegen der Corona-Pandemie ist der Start seines jüngsten Filmes, "Der Fall Richard Jewell" auf den 2. Juli 2020 verschoben worden.

Anmerkung der Redaktion: Das Filmfest Hamburg schreibt zum Thema Filmfest in Zeiten von Corona-Pandemie: "Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass unser Festival vom 24. September bis 3. Oktober 2020 stattfindet. Doch auch wir wissen nicht, wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickeln wird. Wir sind in regelmäßigem Austausch mit unserer Gesellschafterin, den Behörden, mit Kinobetreibern in Hamburg, mit Verleihern und Festivalkolleg*innen, und überlegen uns neue Möglichkeiten und Wege, wie eine gute und kreative Festivalvorbereitung in diesen Zeiten gelingen kann."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 29.05.2020 | 19:00 Uhr