Stand: 21.11.2018 17:24 Uhr

"Millennium"-Dreh in Hamburg war eisig

Bild vergrößern
"Mein Film ist aufgebaut wie ein Märchen - inklusive Jagd auf eine rot gekleidete Frau im Wald", sagt Fede Alvarez.

Der aus Uruguay stammende Regisseur und Drehbuchautor Fede Alvarez ("Don't Breathe") ist spezialisiert auf Horrorfilme. Nun hat der 40-Jährige den Roman "Verschwörung" von David Lagercrantz verfilmt, den vierten Band der "Millennium"-Reihe. Warum speziell der Dreh in Hamburg unvergesslich und wieso Claire Foy die perfekte Besetzung für die Rolle der Lisbeth Salander war, erzählt Alvarez im Gespräch mit NDR.de.

"Verschwörung" spielt in Stockholm, ist aber in Babelsberg und zum Teil in Hamburg gedreht worden. Warum hier?

Fede Alvarez: Weil es hier Schnee gab, als wir ihn brauchten. In Stockholm gab es keinen. In Babelsberg zu drehen, war faszinierend - und etwas einschüchternd. Wegen der Filmgeschichte des Studios.

Der Film ist Teil einer Saga, der "Millennium"-Trilogie des verstorbenen Autoren Stieg Larsson, die mehrfach verfilmt worden ist. "Verschwörung" basiert auf dem gleichnamigen Fortsetzungsband von David Lagercrantz. Was hat sie an dieser Romanverfilmung gereizt?

Alvarez: Für mich hat das vierte Buch "Verschwörung" Elemente bedient, die ich mag. Weil es nämlich fast wie ein Märchen ist. Mein Film hat auch etwas Märchenhaftes. Er startet mit: "Es waren einmal zwei Schwestern, die hatten einen bösen Vater. Eine rannte weg, die andere blieb" - und die Geschichte endet im Wald, wo eine Frau im roten Kleid gejagt wird. Mich interessiert diese Entwicklung, der Film beginnt in der Wirklichkeit und taucht dann in die Fantasie ab.

Die britische Schauspielerin Claire Foy in der "Netflix"-Serie "The Crown" als Queen Elizabeth II. © Netflix 2017

Claire Foy - von der Queen zur Punkerin

NDR Kultur

Sie spielte Queen Anne Boleyn und Elizabeth II. Doch Claire Foy kann mehr als Kostümfilm. Für "Verschwörung" wurde die Emmy-Preisträgerin nun von der Queen zum Punk. Ein Porträt.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Wie fiel die Wahl von Claire Foy als Lisbeth Salander?

Bild vergrößern
Volker Bruch (r.) spielt eine kleine Rolle am Anfang des Filmes - und kriegt es schnell mit Salander zu tun.

Alvarez: Das Schwierige an dieser Rolle ist, dass man eine Schauspielerin braucht, die ohne große Dialoge in der Lage ist, viel von ihrem Innenleben preiszugeben. Lisbeth Salander würde wohl kaum etwas mit Worten kommunizieren. Wir brauchten jemanden, der mit wenigen Gesten dem Publikum vermitteln kann, was in seinem Kopf, in seiner Seele vorgeht. Claire Foys Rolle als Elizabeth II. in "The Crown" hat genau das erfordert. Die Königin darf ihre Gefühle nicht zeigen. Meistens sieht man sie im höflichen Umgang mit ihrer Umwelt, aber sie behält ihre Meinung für sich. Und trotzdem wusste man als Zuschauer exakt, wie sie sich dabei gefühlt hat.

Worin unterscheidet sich Ihre Version von "Verschwörung" von den Vorfilmen? Vom vierten Roman weicht der Film auch ab.

Alvarez: Dieser Film ist der erste, der sich nur um Lisbeth Salander dreht. Sie ist der beste und faszinierendste Charakter in den Filmen. Aber die anderen Filme handeln von Mikael Blomquist, dabei ist sie der Schlüssel zu allem. Meine Idee war, ihr gerecht zu werden. Deswegen ist der Film schneller, chaotischer, als die anderen. Sie ist eben anders als der differenzierte Blomquist. Der größte Druck hier für mich war nicht, wie sich diese Verfilmung von den vorherigen unterscheidet. Sondern einfach nur einen spannenden, unterhaltenden Film zu drehen. Man sollte dem Publikum für sein Geld einen tollen Kinoabend bieten. Und niemand verfilmt zu 100 Prozent ein Buch.

Manche vergleichen Lisbeth Salander mit dem Superhelden Batman. Wollten auch Sie eine Art Superheldin aus ihr machen?

Alvarez: Die Dinge, die Lisbeth in den Büchern leistet, sind schon atemberaubend und extrem genug. Ich mag keine Superhelden. In Filmen werden die immer positiv dargestellt, so großartig und altruistisch. Ich finde diese Figuren beklemmend. Sie inspirieren mich nicht dazu, besser zu werden. Im Gegenteil, ich fühle mich schlecht, weil ich nie so sein werde. Mich interessiert mehr, das Menschliche durch Fehler zu zeigen. Mein Film ist vor allem ein Actionthriller mit rasantem Tempo, der hintergründig von Schuld, Geheimnissen und Scham handelt und von dem Versuch, die eigenen Fehler wieder gut zu machen.

Bild vergrößern
Die Dreharbeiten auf der Kattwykbrücke an der Süderelbe waren bei Minustemperaturen sehr anstrengend für Cast und Crew.

Sie haben eine Szene auch auf der Kattwykbrücke an der Süderelbe in Hamburg gedreht, einer attraktiven Location, die immer wieder in Kino und Serien vorkommt. Wie war das Drehen in Hamburg?

Alvarez: Kalt! Da gibt es tolle Leute und eine super Crew. Hamburg ist eine tolle Filmstadt. Aber es war der kälteste Drehtag meines Lebens! Es war minus 17 Grad kalt und hat geschneit. Der eiskalte Wind wehte vom Wasser herauf. Es war ja schon kalt in der Stadt, aber wenn man auf einer Metallbrücke steht, friert alles darauf. Das ist wie im Eisschrank und dazu noch der Wind! Ich bediene oft selbst die Kamera und bin mit der Alexa 65 auf und ab gerannt, das ist die schwerste digitale Kamera der Welt (lacht). Diese Kombination aus Eiseskälte und Hitze beim Schleppen war der Wahnsinn!

Das Interview führte Patricia Batlle.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 21.11.2018 | 06:40 Uhr

Mehr Kultur

54:12
NDR Info
53:43
NDR Info
51:41
NDR 1 Welle Nord

Kirsten Boie schreibt Bestseller für Kinder

22.01.2019 20:00 Uhr
NDR 1 Welle Nord