Ein Stromkabel mit grünen Blättern - Symbolbild für Ökostrom © picture alliance / Zoonar | Firn

Und Action: Neue Öko-Vorgaben bei Filmproduktionen in MV

Stand: 02.11.2021 09:19 Uhr

Dreharbeiten in Deutschland sollen umweltfreundlicher werden. Die Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern führt ab dem kommenden Jahr neue Öko-Standards bei der Filmproduktion ein.

Ein Stromkabel mit grünen Blättern - Symbolbild für Ökostrom © picture alliance / Zoonar | Firn
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von Karin Erichsen

Die neuen Regelungen verpflichten Produktionsfirmen, die auf Fördermittel angewiesen sind, zur Nutzung von Ökostrom und LED-Strahlern, zur Verwendung wiederaufladbarer Akkus statt Einwegbatterien oder zur Wahl umweltfreundlicher Verkehrsmittel wie Bahn, Nahverkehr oder E-Autos.

"Wir wollen damit einen Anreiz setzen, damit sich insgesamt etwas verändert. Eine ganze Reihe Fernsehsender und auch Netflix machen von Beginn an mit", sagt der Geschäftsführer der MV-Filmförderung, Olaf Jacobs, und ergänzt: "Wenn wir sagen: Wir beteiligen uns nur noch an Produktionen, die diesen Standards genügen, dann ist es eine ganz normale Marktreaktion, dass das relativ rasch gehen wird. Dass Aggregate anders aussehen, dass man sich stärker Gedanken dazu macht, ob ich überall einen Diesel-Generator hinstellen muss oder ich mir nicht doch einen festen Stromanschluss beschaffen kann. Ich glaube, das wird auch die technische Erneuerung befördern."

Kein Einweggeschirr mehr

Darüber hinaus sollen Filmteams zukünftig in Ferienwohnungen statt Hotels untergebracht werden, Einweggeschirr ist nicht mehr erlaubt, die Verköstigung soll mindestens zu einem Drittel aus der Region und dem Biolandbau stammen, ein Tag pro Woche muss vegetarisch gegessen werden.

Wo sich der Gebrauch von Papier nicht vermeiden lässt, darf nur Recycling-Papier verwendet werden. Und ein Berater soll an der Planung und Umsetzung der Ökorichtlinien beteiligt werden. Obwohl die Vorgaben sehr umfassend sind, ließen sie sich mit relativ geringen Mehrkosten umsetzen, sagt Jacobs: "Wir haben uns sehr lange damit befasst und haben auch die Projekte, die wir in den letzten Jahren gefördert haben, hier durchgespielt: Was hätte das eigentlich für Konsequenzen, wären die noch durchführbar? Und ohne jedes Wenn und Aber wäre jedes einzelne Projekt durchführbar."

Dokumentarfilmer Dieter Schumann © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner Foto: Jens Büttner
Dokumentarfilmer Dieter Schumann: "Müssen vor allem inhaltich Förderschwerpunkte legen."
"Das meiste machen wir schon"

Die Produktionsfirmen im Land waren bei der Ausarbeitung dieser neuen Standards zwar nicht beteiligt worden, sie begrüßen aber grundsätzlich die Initiative, sagt Roland Possehl vom Verband der Produzenten: "Ganz viel von dem, was da drin steht, machen die meisten schon. Ökostrom beispielsweise - seit 25 Jahren haben unsere Firma und auch ich Ökostrom. Ich weiß auch von allen anderen Firmen im Verband, dass die das ähnlich handhaben. Beim Thema Catering, also keine Papp- und Plastikbecher, ist das auch Standard."

Sorge vor Überregulierung

Kontraproduktiv sei allerdings eine Regulierung bis in kleinste Details. Hier müsse man beobachten, wie sich die Vorgaben in der Praxis bewähren und gegebenenfalls nachbessern. Der Filmemacher und Produzent Dieter Schumann warnt zudem davor, bei der Förderung die falschen Schwerpunkte zu setzen: "Wir müssen vor allem inhaltich Förderschwerpunkte legen. Zum Beispiel, dass sich junge Leute mit entscheidenden Fragen der Nachhaltigkeit in dem Film beschäftigen. Das kommt mir insgesamt zu kurz."

Die MV Filmförderung sieht für ihre Vorgaben jedoch einen breiten Konsens. Und die neuen Mindeststandards seien wegweisend für einen in Zukunft noch strengeren Kurs bei der Durchsetzung ökologischer Ziele in der Filmproduktion.

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Dieses Thema im Programm:

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