Regisseur Wolfgang Petersen © dpa-Bildfunk Foto: Clemens Bilan

Trauer um "Das Boot"-Regisseur Wolfgang Petersen

Stand: 17.08.2022 18:30 Uhr

Der in Emden geborene Regisseur Wolfgang Petersen ("Das Boot") ist am 12. August im Alter von 81 Jahren in Los Angeles gestorben. Für den NDR drehte er sechs Tatorte, in Hollywood Blockbuster wie "Air Force One".

Der Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen auf einem Archivbild von 2019 in München © picture alliance / dpa Foto: Felix Hörhager
Beitrag anhören 1 Min

Aus Anlass des Todes von Wolfgang Petersen hat der Sender Arte sein Programm umgestellt. Ab sofort steht die knapp einstündige Doku "Das Boot - Welterfolg aus der Tiefe" von 2021 von Georg Grill und Sven Femerling in der Arte Mediathek. Sie beleuchtet, dass der "erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten" von Wolfgang Petersen bei den Dreharbeiten unter keinem guten Stern stand: Vom Streit über das Drehbuch, über Unfälle am Set, bis hin zum Vorwurf der Kriegsverherrlichung in der deutschen Presse - immer wieder stand das Projekt vor dem Aus. Die Doku läuft am Freitag (19.08.2022) ab 15.30 Uhr auf Arte.

Weitere Informationen
Jürgen Prochnow als Kapitän des U-Boots an Deck - Szene aus "Das Boot" von 1981 von Wolfgang Petersen © Bavaria Film / Karlheinz Vogelmann Foto:  Karlheinz Vogelmann

"Das Boot": Welterfolg aus der Tiefe - Doku in Arte Mediathek

Die 53-minütige Doku zeigt, wie aufwendig und heikel im historischen Kontext die Dreharbeiten zu Wolfgang Petersens U-Boot-Film 1980 war. Bis zum 18. September in der Arte Mediathek. extern

Erste Regieanweisungen im Theater in Hamburg

Wolfgang Petersen kam am 14. März 1941 in Emden zur Welt. 1950 zog er nach Hamburg, absolvierte dort später eine Schauspielausbildung, studierte Theaterwissenschaften in Berlin und Hamburg und wechselte zur Deutschen Film- und Fernsehakademie. Seine ersten Regieanweisungen gab er am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater (damals noch Junges Theater), wo er mit Anfang 20 in Kinderaufführungen Regie führte.

Weitere Informationen
Rene Russo und Clint Eastwood im Film "In the Line of Fire" von Wolfgang Petersen © United Archives/Impress

Zum Tod von Wolfgang Petersen: Mehr als nur Blockbuster-Regisseur

Welche künstlerische Bedeutung hatte der in Ostfriesland geborene Hollywood-Regisseur? Ein Gespräch mit der Filmkritikerin Katja Nicodemus. mehr

Prochnow über Petersen: "Wunderbarer Regisseur und Freund"

Er zeige sich über den Tod Wolfgang Petersens "zutiefst erschüttert und sehr, sehr traurig", hieß es in einem Statement von Jürgen Prochnow, das dessen Management am Mittwoch veröffentlichte. Der 81 Jahre alte Schauspieler lebt in Berlin. Er würdigte den Regisseur als "eine Führungspersönlichkeit mit einer angeborenen Autorität und mit einer Freundlichkeit und viel Humor", der es verstanden habe, sein Team über Monate zu motivieren und die Dreharbeiten zu einem "besonderen Erlebnis" werden zu lassen: "Danke, Wolfgang, für die vielen Tage und Stunden, die ich mit Dir verbringen durfte."

Bundeskanzler Scholz würdigt Regisseur Wolfgang Petersen

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der ehemalige Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, erinnerte am Dienstagabend via Twitter an den "besonderen Erzähler": In Anspielung an Petersens Verfilmung von Michael Endes Fantasy-Roman "Die unendliche Geschichte" schrieb er: "Die unendliche Geschichte von Wolfgang Petersen ist zu Ende gegangen. 'Das Boot' und viele andere seiner Filme leben weiter - und zwar weit über Deutschland hinaus."

Auch der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow würdigte den Regisseur: Mit den Produktionen "Vier gegen die Bank", "Reifezeugnis" und "Das Boot" - habe Petersen "in der ARD das Genre Fernsehfilm auf Kino-Level gehoben - und damit den Grundstein für seine einzigartige Hollywood-Karriere gelegt", so Buhrow.

Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) sagte über den Ostfriesen, er sei einer der großen Künstler der Filmgeschichte gewesen: "Mit Werken wie 'Das Boot' und 'Troja' hat Petersen unerschütterliche Meilensteine der deutschen und internationalen Filmgeschichte gesetzt", sagte Kruithoff.

Glenn Close: "Mann voller Lebensfreude, der tat, was er am meisten liebte"

Hollywoodstars wie die Schauspielerin Glenn Close würdigten den Regisseur. Sie habe eine "besondere Erinnerung" an die Dreharbeiten mit Petersen für den Film "Air Force One", schrieb Close in einer Mitteilung. Obwohl das Skript packend und unglaublich intensiv gewesen sei, hätten sie sehr viel gelacht. "In meiner Erinnerung war er ein Mann voller Lebensfreude, der das tat, was er am meisten liebte", so Close.

NDR Tatort-Klassiker "Reifezeugnis" am 19. August auf Arte

In den 70er-Jahren machte sich der Regisseur und Produzent mit feinfühligen Fernsehfilmen einen Namen - wie dem NDR Tatort-Klassiker "Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski. Er gehört zu den berühmtesten und meistausgestrahlten Tatorten und wurde als eine von nur ganz wenigen Folgen auch in den USA ausgestrahlt.

Insgesamt drehte Petersen sechs Tatort-Folgen, aber auch andere Fernsehfilme. Die schwule Liebesgeschichte "Die Konsequenz" schien dem Bayerischen Rundfunk 1977 so brisant, dass sich der Sender aus der Fernsehausstrahlung ausklinkte.

Arte sendet den NDR Tatort "Reifezeugnis" von 1977 am 19. August ab 20.15 Uhr.

Weitere Informationen
Eine Schülerliebe: Sina Wolf (Nastassja Kinski) "geht" mit Michael Harms (Marcus Boysen). Aber diese Liebe ist einseitig. Michael fordert eine Aussprache. © NDR/TelePress

NDR Tatort "Reifezeugnis" von Wolfgang Petersen bei Arte

Arte strahlt den NDR Tatort Petersens von 1977 mit Rüdiger Kirschstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg am Freitag, 19. August ab 20.15 extern

Internationaler Durchbruch und sechs Oscar-Nominierungen für "Das Boot"

Seinen Durchbruch als Regisseur schaffte er 1981 mit dem Film "Das Boot". Dass der Anti-Kriegsfilm aus dem Jahr 1981 auch international so einschlagen würde, das habe ihn auch überrascht, erzählte er2021 im ARD-Interview: "Ich weiß noch, als wir den Film vorgestellt haben hier, da haben sie geklatscht, als im Vorspann kam, wie viele Deutsche gestorben sind. Wir sind in den Sitzen versunken. Zweieinhalb Stunden später gab es Standing Ovations." Sechs Oscar-Nominierungen gab es für "Das Boot" - das ist bis heute Rekord für eine deutsche Produktion. Der Star-Regisseur produzierte in den 90er-Jahren Filme wie "Outbreak", "Air Force One" und "Der Sturm" und drehte mit Stars wie Clint Eastwood, Glenn Close, Brad Pitt, Dustin Hoffman und George Clooney.

Eigentlich wollte Petersen ein weiteres Projekt in Deutschland drehen, eine Liebesgeschichte um einen KGB-Agenten. Dieses Projekt wurde, zusätzlich bedingt durch die Corona-Pandemie, aber nie fertiggestellt.

In Los Angeles im Kreis der Familie gestorben

Zufrieden mit sich und der Welt - so wirkte Petersen im vergangenen Frühjahr im ARD-Interview zu seinem 80. Geburtstag: "Ich bin unterm Strich, solange meine Frau und ich gesund sind, sehr zufrieden. Wir haben ein wunderschönes Haus, ein wunderschönes Leben." Seinen Lebens- und Karriereweg beschrieb er als schön, gut und sinnvoll. Er sei dankbar für seine Frau, die fast immer schon an seiner Seite gestanden hätte.

Wolfgang Petersen litt an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er starb laut einer Assistentin im Kreise seiner Familie in Los Angeles.

 

Weitere Informationen
Der Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen auf einem Archivbild von 2019 in München © picture alliance / dpa Foto: Felix Hörhager

Wolfgang Petersen ist tot: Ein Ostfriese in Hollywood

Mit "Das Boot" schaffte Regisseur Wolfgang Petersen in den 1980er-Jahren den Sprung nach Hollywood. (14.03.2021) mehr

Regisseur Wolfgang Petersen lehnt lässig an einem Steuerrad. © picture alliance/dpa Foto: Felix Hörhager
21 Min

Wolfgang Petersen wird 80: Interview mit der ARD

Der Regisseur erzählte 2021 über seine Karriere, seinen Start in Norddeutschland und neue Projekte (aus dem Archiv). 21 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Aktuell | 17.08.2022 | 12:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Spielfilm

Mehr Kultur

Martin Gore und Dave Gahan sitzen während einer Pressekonferenz auf der Bühne des Berliner Ensembles. © Sven Darmer Foto: Sven Darmer

Depeche Mode kündigen Album "Memento Mori" für 2023 an

Bei einer Pressekonferenz in Berlin hat die Band Depeche Mode ein neues Album und Konzerte ab März 2023 angekündigt. mehr