Stand: 15.07.2019 16:23 Uhr

"Made in China": Tragikomödie aus Frankreich

Made in China
, Regie: Julien Abraham
Vorgestellt von Bettina Peulecke

In den französischen Erfolgsfilmen über "Monsieur Claude und seine Töchter" spielte Frédéric Chau einen der Schwiegersöhne mit Migrationshintergrund, den sogenannten "Quotenasiaten". In Frankreich ist Chau auch als Stand-up-Comedian bekannt und hat nun das Drehbuch für die Tragikomödie "Made in China" geschrieben, in der er auch die Hauptrolle spielt.

François (Frédéric Chau) besucht seine Tante Fa (Li Heling) bei ihrer Mah-Jongg-Runde mit den Damen aus der Nachbarschaft - Szene aus dem Film "Made in China" © Neue Visionen Filmverleih

Filmtrailer: "Made in China"

François fühlt sich als Franzose. Erst als seine Freundin schwanger ist, sucht er den Kontakt zu seiner chinesischen Familie. "Made in China" ist ein Film über die eigene Identitätssuche.

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Der junge Fotograf François spricht wie ein Franzose, fühlt wie ein Franzose und hat eine französische Freundin, die nicht versteht, warum ihr Partner, der unübersehbar asiatischer Herkunft ist, neulich auf einer Party so merkwürdig auf Fragen zu seiner Person reagiert hat.

Langjähriger Konflikt zwischen Vater und Sohn

François' Vater hatte andere Zukunftspläne für den Sohn, der mit der chinesischen Familientradition brach, und seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Vater hat. Nun aber eröffnet ihm seine Freundin, dass er selbst bald Vater werden wird:

"Cherie, das ist der Zeitpunkt." "Zeitpunkt wofür?" "Ruf deinen Vater an." "Also, ich kann ihn doch nicht einfach so anrufen und sagen, hallo, Papa, François hier, ja, wir haben seit zehn Jahren Funkstille, aber weißt du was, du wirst Opa. Er würde wortlos auflegen." "Wir sollte uns aber mal kennen lernen. Wenn du befürchtest, er würde auflegen, dann geh doch einfach zu ihm." Filmzitat

Das tut François - und zwar in Begleitung seines rustikalen Freundes Bruno, der die Essenseinladung von François' Tante skeptisch annimmt. Es dauert lange, bis der Vater bereit ist, auch nur ein paar Worte mit dem verlorenen Sohn zu wechseln, und sich darüber hinaus eine tragische Familiengeschichte offenbart.

Der Film ist ein Herzensprojekt von Frédéric Chau

Für Frédéric Chau, dessen Eltern zur chinesischen Minderheit in Kambodscha gehörten und erst nach Vietnam, dann schließlich nach Frankreich flohen, war das Drehbuch zu "Made in China" ein langjähriges Herzensprojekt. Die autobiografischen Züge sind unübersehbar:

"Ich würde sagen, etwa 80 Prozent von mir stecken in der Figur des François. Ich habe mir sehr oft nämlich genau diese Frage gestellt: Was sind meine Wurzeln? Und ich habe sie ebenso lange Zeit abgelehnt. Ich habe mich aber auch gefragt, was es heißt, Franzose zu sein, wenn man eben asiatische Wurzeln hat", sagt Chau.

Komödiantischer Umgang mit der Minderheitenproblematik

Auch wenn er in Frankreich schon ziemlich bekannt ist, bekommt Frederic Chau auch abfällige Äußerungen zu hören, aber er sagt: "Ich differenziere zwischen Bemerkungen, die ich oft höre, einfach weil ich anders aussehe. Wenn jemand eher ungeschickt oder aus Tollpatschigkeit eine Bemerkung macht, kann ich da drüber hinwegsehen. Aber wenn jemand sich wirklich hinterlistig oder rassistisch äußert, dann ist das natürlich etwas ganz anderes."

"Made in China" ist stets bemüht, die Welt der chinesischen Minderheit in Frankreich zu erklären. Er spielt mit Klischees beider Seiten, indem er sie komödiantisch bedient, wobei der Vater-Sohn-Konflikt ein paar zu viele Windungen mitmacht und dadurch überstrapaziert wird.

Made in China

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Frédéric Chau, Medi Sadoun, Julie de Bona
Regie:
Julien Abraham
Länge:
88 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
18. Juli 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 15.07.2019 | 12:55 Uhr

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