Stand: 02.01.2018 15:13 Uhr

Ein Roadtrip gegen das Vergessen

Das Leuchten der Erinnerung
, Regie: Paolo Virzì
Vorgestellt von Krischan Koch

In ihrer 50-jährigen Karriere haben Helen Mirren und Donald Sutherland in etlichen Klassikern der Kinogeschichte gespielt. "Wenn die Gondeln Trauer tragen" oder "The Queen", für den Helen Mirren vor zehn Jahren den Oscar erhielt. Auch mit dem Roadmovie "Das Leuchten der Erinnerung", in dem die beiden jetzt als älteres Ehepaar zu sehen sind, wurde Helen Mirren für den "Golden Globe" nominiert.

Ella und John (gespielt von Helen Mirren und Donald Sutherland) sind zusammen alt geworden. Sonderlich fit sind sie eigentlich nicht mehr. Bei Ella wurde ein Tumor entdeckt und John ist an Alzheimer erkrankt. Trotzdem wollen sie noch einmal ausbrechen. Sie machen ihr altes Wohnmobil, mit dem sie früher um die Welt gereist sind, flott und fahren von Massachusetts die Ostküste hinunter bis nach Key West. Abends sehen sie sich alte Dias an.

Fotos helfen gegen das Vergessen

Die Helden in Roadmovies sind normalerweise junge Leute auf der Reise in die Freiheit, zu neuen Erkenntnissen und einem anderen Leben. Bei Ella und John ist das anders. Sie möchten sich einfach nur erinnern. Das ist für John schwer genug. Dass er seine Frau eben gerade an der Tankstelle vergessen hat, weiß er im nächsten Moment nicht mehr.

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John (Donald Sutherland) und seine Frau Ella (Helen Mirren) schauen sich alte Fotos an.

Auf ihrem Weg nach Key West, wo der ehemalige Literaturprofessor das Haus seines Idols Ernest Hemingway besuchen will, knüpfen Ella und John an ihre gemeinsame Liebe an. "Crosby, Stills, Nash and Young" spielen dazu die Songs von damals.

Die nostalgische Reise konfrontiert die beiden aber auch mit der aktuellen Gegenwart in Gestalt einiger Trump-Anhänger. Der alte Professor stimmt gleich begeistert in die "America First"-Rufe ein. Der gute John ist etwas durcheinander. Am Palmenstrand von Key West glaubt er sich schon im Himmel und vor dem Hemingway-Haus will ihm der letzte Satz aus der "Alte Mann und das Meer" nicht einfallen.

Roadmovie zwischen Komik und Sentimentalität

Sonderlich überraschend ist das alles nicht und zuweilen allzu altersmilde. Aber dann gibt es doch noch eine vielsagende Verwechslung und einen Überfall, bei dem der Ex-Lehrer den Räubern erst mal die richtige Grammatik beibringt.

Über weite Strecken plätschert die Geschichte etwas dahin. Aber den beiden Schauspielern gelingen auch immer wieder sehr emotionale Momente ohne jede Peinlichkeit. Donald Sutherland spielt den Demenzkranken mit viel Würde und Helen Mirren ist herrlich zickig, schlagfertig und dann wieder liebevoll. Mit den beiden schaukeln wir gern in ihrem altersschwachen Camper melancholisch ins neue Jahr.

Das Leuchten der Erinnerung

Genre:
Tragikomödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Italien, Frankreich
Zusatzinfo:
mit Helen Mirren, Donald Sutherland, Christian McKay
Regie:
Paolo Virzì
Länge:
113 min
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
4. Januar 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 04.01.2018 | 07:20 Uhr

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