Thomas Fritsch © picture-alliance/dpa Foto: Horst Ossinger

Sänger und Schauspieler Thomas Fritsch ist tot

Stand: 22.04.2021 00:01 Uhr

Thomas Fritsch war die deutsche Synchronstimme von Russell Crowe in "Gladiator", sprach Scar im "König der Löwen" und war viele Jahre Hörspielsprecher bei "Die drei ???". Am 21. April ist der Schauspieler im Alter von 77 Jahren gestorben.

Thomas Fritsch war ein Synchronmeister - seine Stimme macht Gänsehaut. Angefangen hat alles in Hamburg. Hier wuchs er auf, als Sohn des Schauspielers Willy Fritsch und der Tänzerin Dinah Grace. Eines Tages war ihm klar: Ich will auch Schauspieler werden. "Papa hat gesagt, Du suchst Dir einen Beruf aus, der sehr schön sein kann, der aber auch sehr einsam, sehr schrecklich und sehr traurig sein kann, wenn man nichts zu tun hat", erinnerte er sich. "Und die Mami hat lieber gehabt, dass ich Arzt geworden wäre. Aber sie hat natürlich nichts dagegen gehabt. Und dann bin ich zu Gustaf Gründgens gegangen, habe dem vorgesprochen, ob es überhaupt einen Sinn hat: Moritz Stiefels Monolog aus 'Frühlings Erwachen' von Frank Wedekind." Gründgens sagte ja, und Thomas Fritsch ging auf die Schauspielschule. Drei Jahre machte er seine Ausbildung in Hamburg-Pöseldorf.

Thomas Fritsch steht mit Vater Willy und Hildegard Knef vor der Kamera

Willy Fritsch und sein Sohn Thomas in einer ihres einzigen gemeinsamen Films: "Das hab ich von Papa gelernt" (BRD/A 1964) © picture alliance / United Archives | United Archives / kpa Publicity
1964 steht Thomas Fritsch das einzige Mal gemeinsam mit seinem Vater vor der Kamera. Der passende Titel des Films: "Das hab ich von Papa gelernt".

Mit Anfang 20 verdrehte der bildschöne junge Thomas als Bravo-Coverboy Teenagern den Kopf. Und dann sang er auch noch. Er stand oft vor der Kamera - sogar mit großen Stars wie Lilli Palmer und Hildegard Knef. 1964 und auch mit seinem Vater Willy Fritsch in ""Das hab ich von Papa gelernt".

Ende der 70er-Jahre, nach einem Karriereknick, gelang ihm das Comeback mit der Serie "Drei sind einer zu viel", mit Jutta Speidel und Herbert Herrmann. Sechs Auftritte hat er allein bei "Derrick". Auf dem Bildschirm war er auch danach mit Rollen in quotenstarken Serien wie "Hallo Robbie", "Unser Charly"oder "Soko 5113" präsent. Mehrmals hatte er Gastrollen in Romanverfilmungen von Rosamunde Pilcher.

Auftritte bei "Derrick" und im Theater

Thomas Fritsch war eines der bekanntesten Fernsehgesichter - seine Rollen oft leicht und romantisch.  Eigentlich wollte er aber etwas anderes: "Ich fühle mich unterschätzt als Schauspieler. Ich würde gern an andere Rollen rankommen. Und das ist eben nicht so einfach, und deswegen suche ich sie dann am Theater", erzählte er: "Ich träume gern, ich spiele gern und deswegen habe ich auch den Beruf des Schauspielers erwählt. Ich versuche, mir einen Schuss Kindheit zu erhalten."

Sein Lieblingsbuch sei "Der kleine Prinz": "Wenn ich mit der Lesung damit unterwegs bin, habe ich das Gefühl, da kann mich das Publikum am besten mit kennenlernen."

Fritsch war auch in der Reihe "Die drei ???" zu hören

Seine markante Stimme liest Hörbücher, synchronisierte Weltstars , sprach Texte für Computerspiele. In "Gladiator", "Master & Commander - Bis ans Ende der Welt" und "Proof of Life" war er die Stimme von Weltstar Russell Crowe. Über 15 Jahre lang war er in vielen Folgen der Hörspielreihe "Die drei ???" der Erzähler. In "Die Nanny" ist er die deutsche Stimme von Mr. Sheffield.

Thomas Fritsch kam rum. Immer wieder machte er auch in Hamburg Station, zum Beispiel im Ernst Deutsch Theater. Hier fühlte er sich besonders zu Hause. "Wenn ich in München bin oder in Berlin, da sagt man immer: Du hast so was Norddeutsches, so ein bisschen gediegen. Man merkt, dass Du Hamburger bist. Ich selber kann das nicht beurteilen, aber ich nehme das als Kompliment."

Im Alter von 77 Jahren ist Thomas Fritsch am 21. April gestorben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 21.04.2021 | 19:00 Uhr

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