Stand: 04.03.2019 06:59 Uhr

Untypischer Western mit Joaquin Phoenix

The Sisters Brothers
, Regie: Jacques Audiar
Vorgestellt von Krischan Koch

Joaquin Phoenix ist derzeit einer der interessantesten Schauspieler Hollywoods. Er war bereits drei Mal für den Oscar nominiert, unter anderem für seine Darstellung des Countrysängers Johnny Cash. Jetzt ist er zusammen mit John Reilly in dem Western "The Sisters Brothers" zu sehen. Auf der Biennale in Venedig gab es dafür im letzten Herbst den Silbernen Löwen für die beste Regie.

Ein Brüderpaar als Auftragsmörder

Die Sisters-Brüder Eli und Charlie (gespielt von John Reilly und Joaquin Phoenix) sind berühmt berüchtigt. Für ein paar Dollar erschießen sie Schuldige und Unschuldige, die ihrem Auftraggeber, dem ominösen Commodore, im Weg sind. Doch jetzt sollen sich die Zahlungsmodalitäten verändern.   

Diesmal sollen die beiden den Chemiker Hermann Warm liquidieren. Vorher müssen sie ihm aber seine Wunderformel für die Goldsuche abnehmen. Warm soll nämlich ein Mittel entwickelt haben, mit dem man Gold im Wasser sichtbar machen kann.

Doch die Sisters Brothers sind nicht die einzigen, auch ihr Kontaktmann, der Abenteurer Jim (Jake Gyllenhaal), ist hinter dem Chemiker her. Die Jagd nach dem selbstlosen romantischen Erfinder, der mit dem Gold eine friedliche Gemeinde gründen will, wird zum Wettlauf.

Cowboys in der Sinnkrise

Der vielfach preisgekrönte französische Kultregisseur Jacques Audiard wollte keinen herkömmlichen Western drehen. Seine beiden Revolverhelden sind raubeinig und schießwütig, aber alles andere als wortkarg. "Der Mensch lebt nicht vom Tod allein", heißt es im Untertitel des Films.

Besonders Eli ist in der Midlife-Krise und denkt über eine berufliche Veränderung nach. Vielleicht sollte er heiraten und ein hübsches Ladengeschäft eröffnen. Angeregt plappern die Brüder über Familienplanung und die Traumata ihrer Kindheit.  

Western mit Gesellschaftskritik

Da wird auch viel geschossen und im Saloon Whiskey gesoffen. Aber Regisseur Jacques Audiard mischt in seinem Hollywood-Debüt die typischen Westernelemente mit gesellschaftskritischen Anspielungen auf den amerikanischen Pionier-Mythos und mit komischen Situationen. Im verruchten San Francisco bestaunen die beiden Revolverhelden ein WC und sie haben die erste Begegnung mit einer Zahnbürste.

Jacques Audiard spielt mit den Stereotypen des Genres. Joaquin Phoenix und John Reilly persiflieren genüsslich den harten Western. In Wahrheit sind sie sensible Cowboys in der Sinnkrise, die von Familie, Frieden und einer besseren Gesellschaft träumen. Trotz vieler Toter ist das kein düsteres Epos, sondern ein sehr zeitgemäßer und fast heiterer Western.

The Sisters Brothers

Genre:
Western
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Frankreich, Spanien, Rumänien, USA, Belgien
Zusatzinfo:
mit John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal
Regie:
Jacques Audiar
Länge:
121 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
8. März 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 04.03.2019 | 08:55 Uhr

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