Stand: 07.08.2020 15:05 Uhr

"The Secret" oder das Geheimnis eines schlechten Films

von Danny Marques Marcalo

"The Secret" ist ein sehr bekanntes Selbsthilfe-Buch. 34 Millionen Mal wurde es verkauft. Darin behauptet die Autorin Rhonda Byrne, dass man alles bekommen kann, was man nur will, wenn man es sich nur fest genug wünscht. Auf diesem Konzept baut nun ein Spielfilm auf. "The Secret - Traue dich zu träumen" heißt der Film. Danny Marques Marcalo von NDR 90,3 hat sich den Film angeschaut und kann - trotz intensiven Wünschens - nichts Gutes an ihm finden.

Wenn man nur ganz intensiv an etwas denkt, wenn man dem Universum genau sagt, was man will, dann kommt es auch zu einem. Das ist das Geheimnis. So wird es auch einem kleinen Jungen im Film erzählt.

"Ok, also ich denke jetzt intensiv an Pizza."
"Ich glaub, du willst mich veräppeln." [Es klopft.]
"Ok, ich hab' hier 'ne Medium Peperoni mit Käse für Miranda Wells." Film-Ausschnitt

Miranda ist die Mutter von drei Kindern. Alles läuft schief. Ein Baum stürzt ins Dach. Sie ist pleite, das Auto ist schrottig und sie fährt auch noch Bray hinten rein. Bray sieht das aber alles ganz locker. Bray glaubt daran, dass alles möglich ist.

"Die Natur kann echt mächtig sein. Du auch."
"Wer ich? Niemals."
"Doch, auf jeden Fall. Aber man muss immer sehr vorsichtig sein. Denn man bekommt, was man erwartet." Film-Ausschnitt

Jeder ist an Glück oder Unglück selbst schuld

Menschen passieren nur schlimme Dinge, weil sie sich so auf das Negative fokussieren. Das ist eine Botschaft von "The Secret" - sowohl dem Buch als auch dem Film. Doch diesen Film zu ertragen, ist wirklich schwer. Zum einen liegt das an der weltfremden Idee, die dahintersteckt: Wer sich vorstellt, mit einem knallroten Ferrari über den Jungfernstieg zu brettern, wird schon bald so einen Ferrari haben? Wer krank ist, hat sich nicht genug gewünscht, gesund zu sein? Schwer erträglicher Unfug, der sich Gesetz der Anziehung nennt.

Der Film ist schlimm. Er vermittelt den Eindruck, die Menschen hätten sich alle Probleme selbst eingebrockt. Zufälle gibt es nicht. Komm mit und folge der Idee des "Secrets", dann kommst du ins Land der Glückseligen? Es ist wie aus einem Handbuch für Sekten. Die Geschichte der überforderten alleinerziehenden Mutter wimmelt von Klischees. Blendet man die Selbsthilfe-Predigten aus, dann ist es vor allem wahnsinnig langweilig anzuschauen.

"Oh mein Gott."
"Alles, was einem widerfährt, kann sich irgendwie zum Guten wenden."
"So ein Dach kostet bestimmt 10.000, warum wollen sie mir helfen?"
"Weil ich es kann." Film-Ausschnitt

"The Secret": Gurus mit unverantwortlichen Botschaften

"The Secret" hat in den 2000er-Jahren einen Hype im Genre der Selbsthilfe-Literatur ausgelöst. Weltweit schwafeln Selbsthilfe-Gurus im Windschatten des "Secret" davon, wie man ein besseres Leben führen kann. Etliche von ihnen werden damit reich, geholfen ist so aber nur diesen Scharlatanen. Viele von ihnen sind halbseidene Figuren, so wie Bray im Film. Einer der bekanntesten realen "Secret"-Sprecher landete in den USA wegen dreifacher fahrlässiger Tötung sogar im Gefängnis. Und doch ist der Hype um das "Secret" weltweit ungebrochen.

Als Zuschauer versteht man die Welt am Ende von "The Secret - Traue dich zu träumen" auch nicht mehr. Warum die Filmemacher trotz intensiven Wünschens ein so schlechtes Stück Kino abgeliefert haben, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

The Secret - Traue dich zu träumen

Genre:
Drama
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Katie Holmes, Josh Lucas, Jerry O'Connell
Regie:
Andy Tennant
Länge:
103 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
6. August 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 06.08.2020 | 19:00 Uhr

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