Stand: 22.08.2020 11:01 Uhr

"Tesla": Historisches Biopic mit modernen Elementen

von Bettina Peulecke

Im echten Leben waren sie Konkurrenten und nun werden sie es auch noch im Film: Thomas Alva Edison und Nikola Tesla. Pioniere auf dem Gebiet der Elektrizität. Seit Ende Juli läuft "Edison - Ein Leben voller Licht" mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle in den Kinos. Am 20. August folgte "Tesla" mit Ethan Hawke in der Titelrolle auf der Kinoleinwand.

Obwohl das nach ihm benannte Unternehmen mittlerweile einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist der Erfinder, Physiker und Elektroingenieur Nikola Tesla bis heute nicht so berühmt wie Thomas Alva Edison. Edison setzte sich seinerzeit für das Elektrifizierungssystem der Städte durch Gleichstrom, Tesla für die Verwendung von Wechselstrom ein.

Film vermischt Moderne und Historie

Gleich am Anfang sieht man eine junge Frau - im historischen Kleid - die vor einem Laptop den Zuschauer informiert:

"Googelt man Nikola Tesla bekommt man 34 Millionen Ergebnisse. Doch bei den Bildern gibt es in erster Linie drei oder vier Bilder, die sich ständig wiederholen. Sie werden umgedreht, coloriert oder es werden Blitze in den Hintergrund eingefügt, mit Photoshop. Aber im Prinzip sind es nur vier Fotos." Filmzitat aus "Tesla"

Nikola Tesla (Ethan Hawke) und Anne Morgan (Eve Hewson) © Leonine
Anne Morgan (Eve Hewson), die Geliebte Nikola Teslas (Ethan Hawke) wendet sich immer wieder direkt ans Publikum.

Außerdem erfährt der Zuschauer, dass man bei "Edison" die doppelte Anzahl an Ergebnissen erhält. Interessanter aber ist die Verquickung von historischem und modernem Ansatz. Teslas ehemalige Geliebte Anne Morgan mimt in diesem Filmporträt über Tesla die Erzählerin, die sich immer wieder direkt an das Publikum wendet. Um einige Ereignisse in Nikola Teslas Leben besser einzuordnen, nutzt sie durchaus aktuelle technische Möglichkeiten. Auch gibt es in manchen Episoden aus Teslas Leben, Techno-Musik, oder eine Flasche Coca- Cola - das ist irritierend aber auch faszinierend, denn es stellt Bezüge zu unserer Zeit her.  So ist eine der Aussagen des Films, dass wir vielleicht jetzt in jener technisierten Welt leben, die Tesla sich einst erträumte.

Die Wege von Edison und Tesla trennen sich

Nikola Tesla (Ethan Hawke) schreibt auf seinen Block © Leonine
Nikola Tesla ist ein ehrgeiziger Visionär. Doch für seinen Traum vom Wechselstrom braucht er Investoren.

Zu Beginn ist Nikola Tesla ein schweigsamer, scharf beobachtender Angestellter in der Electric Light Company von Thomas Edison. Doch die Wege der beiden gegensätzlichen Männer - der eine Geschäftsmann, der andere Idealist - trennen sich bald.

Der brillante, aber sozial unbeholfene Immigrant Tesla wendet sich darauf an den Industriemagnaten George Westinghouse, der ihn bei der Entwicklung des Wechselstrom-Systems unterstützt. Gleichzeitig arbeitet Tesla an einem anderen, vom Bankier J.P. Morgan finanzierten Projekt. Mit Morgans Tochter Anne hat er eine Affäre. Sie stellt ihrem Geliebten immer öfter unangenehme Fragen zum Spannungsfeld zwischen Idealismus und Kapitalismus, in dem Tesla sich befindet.

"Tesla": Spielerische Inszenierung

Anders als "Edison" ist "Tesla" keine Verfilmung wichtiger Wikipedia-Einträge, sondern eine oftmals hochstilisierte, zeit- und ereignisübergreifende Inszenierung, die man mögen muss. Eben kein Gleichstrom. Dabei wird auf verträumt-spielerische Weise mehr die Neugier für den Menschen und Visionär Tesla geweckt als für die Elektrotechnik selbst. Nur Ethan Hawke in der Hauptrolle übertreibt es manchmal mit dem ihm eigenen Blick eines getretenen Bernhardiners.

Tesla

Genre:
Drama, Biografie
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Ethan Hawke, Kyle MacLachlan, Eve Hewson
Regie:
Michael Almereyda
Länge:
102 min
FSK:
ab 6 Jahren
Kinostart:
20. August 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 20.08.2020 | 11:55 Uhr

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