Stand: 10.09.2019 13:53 Uhr

Premieren-Publikum feiert deutschen Oscar-Kandidaten

von Danny Marques Marcalo

Der deutsche Beitrag im Rennen um den Oscar, "Systemsprenger" von der Hamburger Regisseurin Nora Fingscheidt, hat am Montag im Zeise Kino in Altona seine Deutschland-Premiere gefeiert. Der Film wurde unter anderem in Hamburg gedreht und hat bei der Berlinale bereits einen Silbernen Bären gewonnen.

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Regisseurin Nora Fingscheidt (Mitte) kommt mit ihren Schauspielerinnen Lisa Hagmeister (links) und Gabriela Maria Schmeide zur Premiere.

Der Applaus im Zeise Kino klingt verhalten, doch das liegt nicht daran, dass "Systemsprenger" kein guter Film wäre: Das Publikum ist völlig mitgenommen. "Ich bin noch ein bisschen benommen gerade. Es ist so wichtig, so etwas zu zeigen, ein ganz toller Film", schwärmt eine Zuschauerin nach der Premiere.

"Systemsprenger": Nora Fingscheidts Meisterwerk

Der Film handelt von einem verhaltensauffälligen Mädchen, dem keiner mehr helfen kann und das nirgendwo mehr reinpasst. Benni ist eine sogenannte Systemsprengerin. Ein Begriff, der unter Sozialpädagogen tatsächlich geläufig ist. Sie hat massive Aggressionsprobleme, passt in kein Heim mehr und kann nicht mehr zuhause wohnen.

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Regisseurin Nora Fingscheidt freut sich darüber, im Rennen um den Oscar dabei zu sein, dämpft aber die Erwartungen.

"Mich berühren Menschen, die nicht ins System passen. Und eine gewisse Art von tragischer Selbstzerstörung hat auch immer eine gewisse Schönheit", sagt Regisseurin Nora Fingscheidt, die vier Jahre lang an dieser Figur recherchiert hat. "In der Musik wissen das alle zu schätzen, aber im Kleinen schaut man nicht darauf."

"Systemsprenger" ist nahezu atemlos. Benni zerfetzt jeden, der ihr in die Quere kommt: Andere Kinder werden krankenhausreif geprügelt. Tief drinnen zeigt dieser Film einen völlig kaputten kleinen Menschen. "Ich habe Angst vor diesem Kind", merkt eine Zuschauerin nach der Premiere an.

Vorgeschlagen als "bester nicht-englischsprachiger Film"

"Systemsprenger", der ursprünglich mal Fingscheidts Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg werden sollte, hat bereits zahlreiche Preise eingefahren. Neben dem Silbernen Bären bei der Berlinale gab es insgesamt noch 20 weitere Auszeichnungen, unter anderem auf Filmfestivals in Korea und Portugal.

Mit der Bewerbung als deutscher Vorschlag in der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" steht das von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein geförderte Drama sogar kurz davor, bei den Oscars in den USA seinen großen Auftritt zu haben. Es wäre eine Sensation. "Da werden über 80 Filme eingereicht, von denen am Ende fünf genommen werden und die Mitkonkurrenz ist ziemlich hochwertig", dämpft Fingscheidt die Erwartungen. "Aber wir haben uns sehr gefreut. Das ist eine Riesenanerkennung aus der Branche."

Hauptdarstellerin Helena Zengel dreht jetzt mit Tom Hanks

Die erst 11-jährige Helena Zengel, die als Benni die Kinoleinwand sprengt, ist bereits in Hollywood. Derzeit steht sie in der Wüste von New Mexico mit Superstar Tom Hanks vor der Kamera. Ob sie sich im Februar 2020 wiedersehen, entscheidet sich in wenigen Wochen. Das Publikum im Zeise Kino würde den Preis am liebsten sofort vergeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 10.09.2019 | 19:00 Uhr

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