Am Kino Egyptian Theather in Park City, Utah, ist der Schriftzug "Sundance Film Festival" zu erkennen, das 2021 rein virtuell stattfindet © Rick Bowmer/AP/dpa-Bildfunk Foto: Rick Bowmer

Sundance: Zwei norddeutsche Filme beim US-Filmfestival

Stand: 01.02.2021 10:18 Uhr

Derzeit läuft das von Robert Redford gegründete Sundance Film Festival in den USA. Es findet wegen der Corona-Pandemie nur virtuell statt. Mit dabei sind zwei Produktionen mit norddeutschem Bezug.

von Danny Marques Marcalo

Die Hamburger Kamerafrau Zamarin Wahdat zeigt einen Kurzfilm - "Bambirak". Und in "Der menschliche Faktor" muss eine Hamburger Familie mit einem Einbruch in ihr Ferienhaus umgehen. Danny Marques Marcalo hat beide Filme gesehen und mit den Macherinnen gesprochen.

Sundance ist untrennbar mit dem Namen des Gründers Robert Redford verbunden. Eine persönliche Einladung hat die Legende aber nicht ausgesprochen, sagt Susanne Mann. Sie hat "Der menschliche Faktor" mitproduziert, der beim Sundance seine Weltpremiere gefeiert hat.

Hamburger Familie erleidet einen Einbruch in "Der menschliche Faktor"

So erlebte Susanne Mann den Anruf: "Das war an einem Freitagabend, ungefähr eine Woche, nachdem wir 'Der menschliche Faktor' eingeschickt haben. Da haben wir uns wahnsinnig gefreut. Denn ich muss ehrlich gestehen, ich hätte den Film selbst da nicht gesehen."

Immerhin seien schließlich in diesem Jahr 14.000 Filme beim Festival eingereicht worden. Unter den zehn Filmen zu sein, die im Wettbewerb "Dramatisches Weltkino" laufen, sei eine Auszeichnung, so Mann. Ihre Produktionsfirma Zischlermann hat ihren Sitz in Berlin - und ein Büro in Lübeck. Gedreht wurde teilweise in Hamburg. Es geht um eine Familie, in deren Ferienhaus eingebrochen wird. Das erschüttert das gegenseitige Vertrauen der Familienmitglieder ineinander. Der kleine Sohn beschuldigt seinen Vater, nicht für die anderen dagewesen zu sein.  

"Bambirak" - Kurzfilm der Hamburgerin Zamarin Wahdat

Ebenfalls in Hamburg gedreht wurde der Kurzfilm "Bambirak" von Zamarin Wahdat. Darin geht es um Alltagsrassismus. Ein kleines Mädchen mit afghanischen Wurzeln erlebt, was ihr Vater, ein Paketbote, bei einer Schicht durchmachen muss. Vor einem Jahr erst war Wahdat Teil der Crew, die den Oscar für den besten kurzen dokumentarischen Film gewonnen hat "Learning to Skateboard in a Warzone (If You're a Girl)" . Bei der Produktion arbeitete sie als Kamerafrau.

"Bambirak" ist Zamarin Wahdats Regiedebüt, das sie bereits in der Rohfassung beim Filmfest Sundance eingereicht hatte. Damals wurde er nicht angenommen. Sie sagte sich damals, so Wahdat: "Bei Sundance kann man auch zweimal einreichen." Sie versuchte es also ein zweites Mal, als der Film fertig war. "Und beim zweiten Mal hat es irgendwie geklappt!"

"Online-Premiere hat wunderbar funktioniert"

Sabine Timoteo und Mark Waschke im Film "Der menschliche Faktor" / "The Human Factor" der Belrinale © Klemens Hufnagl _zischlermann filmproduktion Foto: Klemens Hufnagl
Sabine Timoteo und Mark Waschke spielen Hauptrollen in "Der menschliche Faktor".

Was sie und auch Produzentin Susanne Mann gemein haben: Der große Auftritt am roten Teppich bleibt ihnen verwehrt. Wegen Corona spielt sich alles online ab. Dennoch mit einem vollen Rahmenprogramm. Susanne Mann: "Das flutscht. Die Online-Premiere hat wunderbar funktioniert." Es gebe viel Zusatzmaterial, so genannte Qs and As und Interviews. "Es gibt auch Möglichkeiten, sich in virtuellen Räumen zu treffen, sei es als Text, oder mit einem Avatar." Denn die Gäste aus aller Welt können mit einer Art Videospielfigur durch ein virtuelles Park City im US-Bundesstaat Utah laufen und sich so treffen. So kann es auch die üblichen Verhandlungen über Vermarktungsrechte geben.

Susanne Mann hofft auf einen US-Kinostart, wenn das wieder möglich sein sollte. Alle seien in diesen besonderen Zeiten im selben Boot, sagt sie. Und doch ist es seltsam. "Gerade nach dem Moment der Premiere, wo man eigentlich im Saal sitzen will, mit viel Publikum und die Reaktionen abwarten will und danach mit allen zusammen an der Bar stehen möchte. Das geht alles nicht." Da säßen jedoch alle zuhause und nach zwei Stunden klappten alle ihren Rechner zu und kümmerten sich wieder um den Abwasch. "Das ist ganz komisch, da geht ganz viel verloren."

Und trotzdem: Bei Robert Redfords Sundance gezeigt zu werden, ist Balsam für die Seele, gerade im Moment. Denn die Filmszene ist von der Pandemie schwer getroffen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 01.02.2021 | 14:55 Uhr

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