Stand: 20.03.2020 11:29 Uhr  - NDR Kultur

Streaming und Mediatheken: Sehenswertes Kino im März

von Hartwig Tegeler

Filme in Zeiten der Corona-Krise: Das bedeutet Umdenken angesichts verschobener Kino-Starts und geschlossener Lichtspielhäuser. Also gibt es in dieser Woche keinen "neuen Eastwood", keinen "neuen Abel Ferrara". Beide Filme waren zwar bis vor Kurzem noch zum Start avisiert, sind aber nun verschoben worden. NDR Kultur stellt Filme vor, die da laufen, wo sie immer noch zu sehen sind. Das heißt: in den Mediatheken von ARD, ZDF und Arte (also kostenfrei), im Monats-Abo auf Streaming-Portalen wie Netflix oder als kostenpflichtige Leih- oder Kaufangebote in diversen digitalen Verleih-Videotheken, also als Video-on-Demand.

Lou Jeunets Belle-Époque-Film "Curiosa"

In Lou Jeunets Film "Curiosa" geht es um Verlockungen und Blicke und um die Freiheit von Liebe, Lust und Erotik. Als Gegen-Entwurf zu den Einschränkungen, die Frauen im Frankreich in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert - Belle Époche - nicht nur sprichwörtlich in eine Korsett zwängten. Marie, die Henri heiratet, sagt zu ihren beiden Schwestern: "Welch Komödie lässt man uns zu verheiratende Mädchen spielen. Wir sind wie Häuser, die zum Verkauf stehen und die vorher nicht vermietet werden dürfen. Wir dürfen uns besichtigen lassen, doch keinesfalls auf jeder Etage."

Die verheiratete Marie verliebt sich in Pierre. Er beginnt, erotische Fotografien von ihr zu machen - und sie beginnt, ihre Lust zu entdecken. "Pierre, du musst wissen, dass es mir viel bedeutet, dass du mich in Posen fotografierst, die der Sittlichkeit widersprechen."

"Curiosa" ist eingewoben in eine wunderbare Aura von Sinnlichkeit. Es gibt im Spielfilmdebüt von Lou Jeunet keine Begrenzungen der Lust und des lustvollen, begehrlichen Schauens. Das hat hier nichts Schamhaftes, Peinliches, Obszönes oder gar Pornographisches, sondern vor allem Befreiendes. Die Regisseurin Lou Jeunet entwirft in "Curiosa" - in Deutschland als Video-on-Demand herausgekommen - ein Frauenbild, in dem die leidenschaftlich begehrende Frau am Ende keine Bestrafung erfährt.

Actionfilm "Spenser Confidential" auf Netflix mit Mark Wahlberg

Was zum Teufel willst du hier, Spenser? - Ich weiß jetzt über Wonderland Bescheid und dass du tief mit drin steckst. Dialog aus "Spenser Confidential"

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Mark Wahlberg und Winston Duke spielen die Hauptrollen im Buddy-Movie "Spenser Confidential", der auf Netflix läuft. Altersfreigabe ist ab 16 Jahren.

Was haben Bruce Willis (Jahrgang 1955) und Mark Wahlberg (Jahrgang 1971) gemeinsam? In Peter Bergs Buddy-Movie "Spenser Confidential" wirkt Wahlberg wie Willis in seinen großen "Die Hard"-Auftritten in den 1980er- und 90er-Jahren. Von Malesche zu Malesche, die der Ex-Cop Spenser erlebt, wirkt er immer zerknitterter und die blutigen Schrammen in seinem Gesicht behält er den ganzen Film über.

Kurzum: "Spenser Confidential" ist ein sehr physischer Actionfilm, der - nicht sehr originell, aber effektiv - von korrupten Cops erzählt, die zusammen mit Gangs Drogengeld waschen wollen. Mark Wahlberg spielt Spenser gradlinig mit einem simplen moralischem Kodex. Auf die Frage, warum er das alles tue, antwortet er: "Ich tue das, weil es das Richtige ist." Damit mag man nicht im Leben bestehen, aber für 110 Minuten wuchtiges Action-Kino funktioniert dieser Netflix-Film "Spenser Confidential" wie damals, als Bruce Willis fürchterlich einstecken musste.

Festival-Hits auf Portal Mubi

Der kleine Streaming-Dienst Mubi, der vor allem Klassiker, Kult-Filme und Festival-Hits präsentiert, bietet in einem Spezial Highlights aus vergangenen Berlinale-Jahren. Mit dabei: "Buoyancy" von Rodd Rathjens, der 2019 den Preis der Ökumenischen Jury bekam, und der ungarische Berlinale-Sieger von 2017, "Körper und Seele" von Ildikó Enyedi.

Max Zähles Film "Schrotten" in NDR Mediathek

Beim NDR können Sie zum Beispiel den Spielfilm "Schrotten" von Max Zähle sehen. Darin erben zwei ungleiche Brüder in Celle einen Schrottplatz. Das Vermächtnis des verstorbenen Vaters umfasst aber noch ein weiteres Detail: einen Zugraub im ganz großen Stil.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.03.2020 | 07:40 Uhr

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