Stand: 03.09.2020 14:04 Uhr

Start fürs Filmfest Venedig - deutscher Film im Wettbewerb

von Patricia Batlle

Die 77. Ausgabe des ältesten der großen Filmfestivals startete am Mittwoch und geht bis zum 12. September. In diesem Jahr eröffnet das italienische Ehedrama "Lacci" von Daniele Luchetti die Mostra am Lido in Venedig. 18 Filme konkurrieren um den Goldenen Löwen, darunter das Berliner Polit-Drama "Und morgen die ganze Welt" von Julia von Heinz.

Filmszene mit demonstrierenden Jugendlichen mit der Hauptdarstellerin Mala Emde als Luisa im Venedig-Wettbewerbsfilm "Und morgen die ganze Welt" von Autorin und Regisseurin Julia von Heinz, ab 29.10. im Kino © Seven Elephants / Oliver Wolff Foto: Oliver Wolff
"Und morgen die ganze Welt" von Julia von Heinze kommt voraussichtlich Ende Oktober in die deutschen Kinos und eröffnet die Hofer Filmtage am 20. Oktober.

In dem deutsch-französischen Drama, für das Regisseurin Julia von Heinz mit John Quester das Buch geschrieben hat, kämpft die 20-jährige Luisa für ihre Ideale. Die Tochter aus gutem Hause (Mala Emde) und angehende Juristin ist alarmiert vom Rechtsruck in ihrem Land und schließt sich zwei Freunden an, die Gewalt als legitimes Mittel betrachten, um Widerstand zu leisten.

Cate Blanchett und Christian Petzold in der Jury

Weitere Beiträge kommen etwa aus dem Iran, aus Japan, Italien, Frankreich, Polen, Südkorea, Russland und den USA. Die australische Schauspielerin Cate Blanchett leitet dieses Jahr die Wettbewerbsjury - in der unter anderem die Regisseurin Veronika Franz aus Österreich, die britische Regisseurin Joanna Hogg, US-Schauspieler Matt Dillon und der deutsche Autorenfilmer Christian Petzold sitzen. Dessen Film "Undine" mit Paula Beer in der Hauptrolle läuft seit kurzem im deutschen Kino.

Interview
Der Eröffnungsfilm aus Italien "Lacci" bei den 77. Filmfestspielen Venedig mit Hauptdarstellerin Alba Rohrwacher © Gianni Fiorito/La Biennale di Venezia/dpa bildfunk

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Acht Regisseurinnen im Wettbewerb

Acht Filme im Wettbewerb wurden von Frauen gedreht, darunter das Drama "Never Gonna Snow Again" der Polin Małgorzata Szumowska, "Amants", ein Thriller der Französin Nicole Garcia, "The World To Come", ein Historienfilm der US-Regisseurin Mona Fastvol mit Katherine Waterston und Casey Affleck sowie "Nomadland" von der Chinesin Chloé Zhao, die all ihre Filme in den USA gedreht hat. Ihr Film mit Frances McDormand sei wie "eine Anleitung zum Überleben", so Festivalchef Barbera.

Doku über Greta Thunberg, Komödie mit Helen Mirren

Außer Konkurrenz laufen acht Filme im Wettbewerb. Dabei ist auch der Gangsterthriller "Night in Paradise" von Park Soon-Jung aus Südkorea, "Greta", Nathan Grossmans Dokumentarfilm über die Klima-Aktivistin Greta Thunberg, und eine Krimikomödie von "Notting Hill"-Regisseur Roger Mitchell aus Großbritannien, "The Duke". Darin spielt Jim Broadbent an der Seite von Helen Mirren in der wahren Geschichte eines 60-jährigen Taxifahrers, der 1961 das Gemälde des Herzogs von Wellington aus der National Gallery in London stahl. Im letzten Jahr erhielt der Psychothriller "Joker" von Todd Philipps den Goldenen Löwen der Filmfestspiele.

Hamburger HFBK-Absolvent mit Kurzfilm in Nebenreihe Orizzonti

Jim Broadbent (r.) und Helen Mirren im Film "The Duke" von Roger Michell im Wettbewerb des Filmfests Venedig © Pathe UK
Eine britische Komödie darf beim Festival nicht fehlen: "The Duke" von Roger Mitchell erzählt die wahre Geschichte eines Kunstraubes im Jahre 1961.

In der Nebenreihe Orizzonti laufen zwei Filme mit norddeutschem Bezug. Zum einen die Tragikomödie "Gaza mon amour" der Zwillingsbrüder Arab und Tarzan Nasser der Hamburger Firma Riva Filmproduktion. Der Spielfilm spielt im Gaza der heutigen Zeit und erzählt die Geschichte des Fischers Issa, der heimlich in die geschiedene Marktverkäuferin Sihamim verliebt ist. Außerdem läuft ein 20-minütiger Kurzfilm des Hamburger Regisseurs und HFBK-Absoltenven Willy Hans. Der lange Titel: "Was wahrscheinlich passiert wäre, wäre ich zuhause geblieben". Hans beschreibt ihn so: Sein Film sei "eine Operation am offenen Munde in fünf Akten. Durch Schnitt, Hintergründe und enge Cadrage werden die Protagonisten hoffnungslos voneinander entfernt." Beide Filme wurden von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein gefördert.

Schottin Tilda Swinton wird für ihr Lebenswerk geehrt

Die schottische Schauspielerin Tilda Swinton auf den roten Teppich der Filmfestspiele Venedig - sie erhält 2020 den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk © Joel C Ryan/Invision/AP/dpa-Bildfunk Foto: Joel C Ryan
Die Schottin Tilda Swinton soll bei den 77. Filmfestspielen mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt werden.

Die schottische Schauspielerin Tilda Swinton erhielt gleich am Eröffnungsabend den Goldenen Ehrenlöwen für ihr Lebenswerk. "Dieses Festival ist mir seit drei Jahrzehnten ans Herz gewachsen. Dass es mich nun so ehrt, erfüllt mich mit Demut", freute sich Swinton.

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Der Drehbuchautor und Regisseur Christian Petzold bei den 77. Filmfestspielen von Venedig, wo er als Juror im Wettbewerb fungiert hat © picture alliance/Geisler-Fotopress Foto: Dave Bedrosian/Geisler-Foto

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 02.09.2020 | 07:20 Uhr

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