Stand: 14.08.2018 12:22 Uhr

"Gundermann": Denkmal für einen Kult-Musiker

Gundermann
, Regie: Andreas Dresen
Vorgestellt von Natascha Geier

Für viele im Osten ist er bis heute Kult. Der "singende Baggerfahrer Gerhard Gundermann" galt als "Dylan des Tagebaus". Ein Liedermacher in der DDR, der trotz seiner Erfolge auch die glaubwürdige Arbeiterfigur auf dem Bagger bleiben wollte. Er war Genosse und Rebell, ein Spitzel, der selbst bespitzelt wurde: Gundermann hat für die Staatssicherheit gearbeitet - das haben ihm viele übel genommen. Regisseur Andreas Dresen hat die Geschichte dieses widersprüchlichen Sängers 20 Jahre nach dessen Tod verfilmt.

"Ich mag seine Art, wie er die Welt betrachtet, diese kraftvolle Form von Melancholie, der Zweifel, der durch die Lieder weht, auch die Endlichkeit - das berührt mich zutiefst", sagt der Regisseur Andreas Dresen über den DDR-Liedermacher "Gundi" Gundermann. Er hat sein Leben verfilmt. Doch Gerhard Gundermann war mehr als ein begnadeter Liedermacher. Der Film erzählt das Leben eines Menschen mit extremen Widersprüchen. Er arbeitet als Baggerfahrer in der Lausitz. Die Mondlandschaft des Tagebaus - seine Inspiration.

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Der neue Film "Gundermann" von Andreas Dresen

Kulturjournal -

Er war Genosse und Rebell, ein Spitzel, der selbst bespitzelt wurde - und besang ein verschwindendes Land, die DDR. Jetzt hat Andreas Dresen einen Film über "Gundi" Gunderman gedreht.

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"Weil die Ideale des Kommunismus auch meine ganz persönlichen sind"

Er sei ein großer Poet gewesen, habe aber immer Wert darauf gelegt, im Tagebau zu arbeiten, sagt Dresen. "Selbst als er schon vor Bob Dylan gespielt hat, Riesenkonzerte, dann fährt der nachts vom Konzert zurück in diese Einsamkeit." Außerdem sei er ein glühender Kommunist gewesen. Gundermann selbst sagte einst: "Weil die Ideale des Kommunismus auch meine ganz persönlichen sind. Wenn es diese Weltanschauung nicht schon gäbe, hätte ich da auch selber darauf kommen können."

Stasi-Spitzel, der gegen das System ansingt - wie geht das?

Doch Gundermanns Idealismus führt ihn auf Abwege. Er wird Stasi-Spitzel. Als "IM Grigori" verrät er Bandmitglieder und Freunde - ohne Schuldbewusstsein. Gleichzeitig schreibt er systemkritische Lieder. Schauspieler Alexander Scheer, der Gundermann im Film darstellt, sagt: "Wie geht das? Wie kann jemand gegen ein System ansingen, ernsthaft - und gleichzeitig für ein System spionieren. Ernsthaft!"
So einfach sei es nicht gewesen, erwidert Dresen. Man könne nicht sagen, dass jemand, der in der Partei war, Teil des Systems gewesen sei. "Ich selber war da nicht drin, aber ich kenne unendlich viele Leute, die da reingegangen sind, weil sie der Meinung waren, nur dort können sie es am besten machen, die DDR so verändern, wie sie sich die immer gewünscht haben."

Gundermann fliegt aus der Partei und wird selbst bespitzelt

Mit Verrat die Welt verbessern - wie klein der Schritt ins moralische Abseits sein kann, das zeigt der Film, ohne zu werten. Und genau das macht ihn so eindringlich. Alexander Scheer spielt den Gundermann grandios und facettenreich, als eigensinnigen und unbequemen Querkopf. Seine Respektlosigkeit hat Konsequenzen: Gundermann fliegt aus der Partei, wird selbst von der Stasi bespitzelt.

Hoffen auf Vergebung

Dann kommt mit der Wende auch die innere Wende Gundermanns. Seine Stasi-Verstrickung quält den Liedermacher. Er sucht seine Opfer auf - und hofft ganz naiv auf Vergebung. Man gehe mit ihm auf eine Reise, sagt Andreas Dresen. Die auch von Verdrängung handele, von moralischem Versagen. "Man merkt aber auch, wie er es auf eine Art schafft, sich davon selbstbewusst zu befreien am Ende. Indem er sagt: Das gehört zu mir. Zu mir gehört auch Schuld." Der Film "Gundermann" ist eine Verbeugung vor einem, der zum Helden nicht taugt.

Gundermann

Genre:
Spielfilm
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Deutschland
Regie:
Andreas Dresen
Länge:
127
FSK:
0
Kinostart:
23.08.2018

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 13.08.2018 | 22:45 Uhr

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