Stand: 09.11.2017 11:00 Uhr

"Simpel": Brüder zwischen Komik und Tragik

Simpel
, Regie: Markus Goller
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Als der französische Roman "Simple" 2006 unter dem Titel "Simpel" auf dem deutschen Markt erschien, gewann er sogleich unter anderem den Jugendliteraturpreis. Jetzt kommt die Geschichte zweier Brüder mit den ausgezeichneten Hauptdarstellern Frederick Lau und David Kross als geistig behinderter "Simpel" in die Kinos.

Kross: "Simpel ist einfach ein besonderer Mensch"

"Simpel" ist nicht wirklich ein Idiot, wie er so arglos von sich selbst sagt. Simpel ist einfach ein besonderer Mensch, findet auch David Kross, der "Simpel" glaubhaft, manchmal anstrengend, meist charmant und vor allem nie rührselig oder pathetisch verkörpert: "Heutzutage nennt man das Intelligenzminderung, eine bestimmt Form von Autismus ist auch dabei", sagt Kross. "'Simpel' sieht die Welt ganz anders und ist wahnsinnig offen für alles. Er ist sich seiner Außenwirkung nicht so bewusst wie normale Menschen."

Flucht nach Hamburg

Normale Menschen können aber meist für sich selbst sorgen, das kann "Simpel" nicht. Seit er denken kann, kümmert sich sein größerer Bruder Ben (Frederick Lau) um ihn. Als die Mutter stirbt, soll Simpel in ein Heim eingewiesen werden. Der einzige, der das verhindern könnte, ist der Vater (Devid Striesow), der sich vor Jahren verabschiedet hat und im entfernten Hamburg lebt. Ben bringt es nicht übers Herz, Simpel, der eigentlich Barnabas heißt, gehen zu lassen und flieht mit ihm nach Hamburg, wo er den Vater aufsuchen will.

Aber so einfach ist die Sache nun mal nicht. Auf ihrer Reise treffen die beiden auf die Sanitäterin Aria (Emilia Schüle), die sie in ihrer Wohnung aufnimmt und das ziemlich schnell bereut, weil Simpel ihr fast die Bude abfackelt. Auch Bruder Ben ist - bei aller Liebe - manchmal schlicht überfordert.

Gelungener Balanceakt

Es sind solche Momente, realistisch, nicht beschönigend und dennoch herzergreifend, die viel von der Qualität des Filmes ausmachen. Frederick Lau spielt Ben mit wenig rauer Schale und viel weichem Kern, so dass man sich automatisch mit ihm um "Simpel" kümmert. Der ist auch in keiner Weise ein Idiot, sondern geistig einfach auf dem Stand eines kleinen Kindes stehen geblieben.

Die Inszenierung dieser besonderen Bruderbeziehung ist ein größtenteils gelungener Balanceakt zwischen Tragik und Komik, der man manche überzogene Momente aufgrund ihrer Aufrichtigkeit schnell verzeiht.

Simpel

Genre:
Dramödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Frederick Lau, David Kross, Emilia Schüle, Devid Striesow
Regie:
Markus Goller
Länge:
113 Min
FSK:
FSK ab 6 Jahre
Kinostart:
9. November 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 09.11.2017 | 08:55 Uhr

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